*Draußen war es wieder kälter geworden. Der Frost kratzte mit ersterbenden Klauen über den fahlen Himmel, und der laue Champagnerrausch des Vormittags war vergangen. In den Augen der Menschen, die uns entgegenkamen, stand kein Frühling zu lesen: nur Abendessen, Probleme am Arbeitsplatz, Beziehungsstress. Der Winter gab ein da capo, am Himmel wie in den Gesichtern der Menschen.
Mein Auto war vor einer Parkuhr oben am Tarnplass abgestellt. Da stand es und sah unschuldig aus, obwohl es genau wusste, dass die Parkzeit längst abgelaufen war.
Mein kleiner Klient war die ganze Zeit neben mir gegangen und hatte zu mir aufgeschaut - wie eben ein Achtjähriger zu seinem Vater aufschaut, wenn sie zusammen in der Stadt sind. Nur dass ich nicht sein Vater war und dass ich nicht gerade viel darstellte, wozu man aufschauen konnte. Ich war ein Privatdetektiv, Mitte Dreißig, ohne Ehefrau, ohne Sohn, ohne gute Freunde, ohne festen Partner. Ich wäre ein Erfolg in der Partei der Einsamen gewesen, doch nicht einmal die hatten mich gefragt ...*
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Fazit: Ein neuer Fall für den norwegischen Privatdetektiv Varg Veum ("neu" ist nicht ganz korrekt, denn geschrieben hat es Gunnar Staalesen bereits 1979 und es gibt bereits auch eine deutschsprachige Ausgabe aus dem Scherz-Verlag aus dem Jahre 2000 unter selbigem Titel).
Varg Veum betreibt ein Ein-Mann-Detektivbüro in der norwegischen Stadt Bergen. Und er ist nun wahrlich nicht der sattsam bekannte heldenhafte Privatdetektiv vergleichbarer Romane - stattdessen ist er schrullig, hartnäckig, eigenbrötlerisch, meistens total abgebrannt und ein passionierter Aquavittrinker. Der örtlichen Polizei ist er ein Dorn im Auge, denn überall, wo er auftaucht, gibt es gewöhnlich mindestens eine Leiche.
Eines Tages bekommt Varg Veum neuerlich Besuch: Sein bisher jüngster Kunde, ein achtjähriger Junge, bittet den Privatdetektiv, sein Fahrrad wiederzufinden. Eine Clique von Jugendlichen hat es ihm gestohlen. In Ermangelung anderer Fälle beschließt Veum dem Jungen zu helfen. Doch kurz darauf ist das Kind spurlos verschwunden ...
Gut gezeichnete Charaktere sowie ein behutsamer Spannungsaufbau kennzeichnen erneut den vorliegenden Roman von Gunnar Staalesen.
Ich jedenfalls mag seine Bücher!
Es grüßt -- Reinhard Busse