Welcher Film wird ein Flop? Welcher hat Erfolg beim Publikum? Und warum? Nach meinem Dafürhalten haben der Regisseur Alexander Mackendrick und seine Darsteller Tony Curtis und Burt Lancaster in "Sweet Smell Of Success" alles richtig gemacht. Woran liegt es demnach, dass dieses Meisterstück v.a. in Deutschland bis heute kein Mensch kennt.
Erstens: Der deutsche Titel ist irreführend. Unter "Dein Schicksal in meiner Hand" stelle ich mir ein schnulzig romantisches Melodram vor. Genau das ist der Film nicht im Geringsten.
Zweitens: Die Covergestaltung der DVD ist vollkommen nichtssagend. Tony Curtis und Burt Lancaster wirken auf dem retuschierten Foto in Farbe wie die Darsteller einer kreuzbraven, biederen Fernsehserie. Der Film ist alles - nur nicht bieder und brav.
"Sweet Smell Of Success" ist ein später, bitterböser Film Noir in Schwarzweiß - gedreht an dunklen, verregneten, düsteren und an glamourösen, verrauchten, meist nächtlichen Schauplätzen im New York des Jahres 1957. Die zahlreichen Außenaufnahmen sind stimmungsvoll modern, die Kameraarbeit ist superb, das Skript spannungsreich, der Jazz-Soundtrack von Elmer Bernstein und gespielt von Chico Hamilton - mit seinem Quintet im Film live auf der Bühne! - ist meisterhaft. Die Themen, Konflikte, Beziehungen, Dialoge und Nebenstränge des Films handeln von Korruption und Marihuana, Jazz und Frauen, Profitgier und Manipulation, Machtversessenheit und Abhängigkeit, andeutungsweise sogar von inzestuöser Zuneigung zwischen Bruder und Schwester inmitten des Tumults am Big Apple. Es ist ein Film über Menschen - und ein Film über die Stadt New York, die realen Schluchten und die inneren Abgründe.
Aller guten Dinge sind nun bekanntlich drei: Zum ersten ergeben sich (zumindest im englischen Original) messerscharfe Dialoge am laufenden Meter, die nie gestelzt wirken. Der Film verschenkt keine Minute - die Charaktere wirken von Anbeginn zwiespältig und vieldeutig, dass es eine Freude ist. Zum zweiten bringen die Darsteller das auch rüber - ich habe Tony Curtis noch nie so gut erlebt wie hier, und auch Burt Lancaster liefert eine Glanzleistung ab. Die Chemie aller Schauspieler erscheint stimmig und voller "Spannung". Zum dritten ist die entwickelte Schwarzweißfotografie von James Wong Howe eine Augenweide sondergleichen. Der chinesischstämmige Meister seines Fachs hat für John Frankenheimer, Martin Ritt, etc. viele S/W-Filme veredelt und stellt sein Können hier unter Beweis. Nahezu jede Einstellung ist ein kleines Kunststück - für Cineasten bis auf den heutigen Tag ein Genuss.
Die deutsche DVD bringt den Film sauber restauriert im Originalformat 1.66:1, bietet neben Englisch und Deutsch noch reichlich andere Sprachen und Untertitel, dazu den Original-Trailer von 1957 als Extra.
Für den Preis, den Sweet Smell Of Success" kostet, kann man im Grunde kaum etwas falsch machen. Im Gegenteil! Der Film ist für vor allem für Liebhaber des Film Noir im Grunde ein Muss.
(C) by Matthias Merkelbach, www.der-film-noir.de