Um die Wertung vorweg zu nehmen: Kohtes hat mit diesem Buch einen Schatz gehoben. Wie auf eine Schnur, die allerdings kein roter Faden ist, reiht er eine Perle der Erkenntnis an die andere. Nicht kultiviert in der geschlossenen Auster reflektierter Wissenschaft, sondern organisch gewachsen im reinen Wasser des Lebens.
Als erfolgreicher Unternehmer und Zen-Jünger ist er ein Wanderer zwischen den Welten, die zusammen zu bringen, er sich als Herausforderung auf sein Panier geschrieben hat. Mühelos wechselt er von Wirtschaftsthemen zu esoterischen
Erkenntnissen und ist immer in der Lage, sinnfällige Gemeinsamkeiten nachzuweisen. Mit leichter Hand hebt er Grenzen auf, wo Generationen von Philosophen und Klerikern starre Trennungen angelegt haben.
Die Stärke dieses Buches ist das Bekenntnis des Autors zu Schwachheit. Nicht mit dem Panzer von Dogmen und Überzeugungen durch das Leben zu flügen, sondern sich mit Wachheit und Kreativität im leichten Gepäck die Welt mit federnden Schritten zu erschliessen, darauf macht Kohtes Lust und Laune. Das Leben ist gar nicht so schwer, sondern wir tun oft alles dafür, es uns schwer zu machen.
"Dieses Buch ist eine Zumutung..." - mit diesen Vorworten beginnt ein Ausflug in 13 ungewöhnliche Kapitel. Richtig, es braucht Mut, die Welt einmal aus ganz anderen Perspektiven zu betrachten. Mit den Mitteln der Verfremdung und des Umkehrschlusses bietet der Autor ungewöhnliche Perspektivenwechsel an, die immer zu neuen, belebenden Erkenntnissen führen. So befreit er die Wirtschaftsdenke von ihrer Zwangsjacke der Zielorientierung und weist nach, dass die gemeinsame Erarbeitung von Visionen wohl die probatere Zukunftsorientierung darstellt. Auch die heilige Kuh der Führungsqualität, gekennzeichnet durch Allwissenheit und Allmächtigkeit, ist schnell geschlachtet und durch die vornehmste Aufgabe des Motivierens aller am Prozess beteiligten Menschen ersetzt.
Der Anspruch des Buches, das Leben frei und leicht zu nehmen, löst Kohtes vor allem in seinen Übungen ein, die jeweils am Ende eines Kapitels unter der zutreffenden Bezeichnung "Aufgaben" angeboten sind. Alte Denkmuster aufgeben und neue, kreative Zugänge spielerisch ausprobieren, wird er nicht müde, den Leser immer wieder zu ermutigen und verspricht dem Übenden wohl zu Recht Erleichterung und Lebensgenuss.
Alle seine Überlegungen und Anleitungen halten immer dieses eine Ziel im Blick: es dem Menschen leichter zu machen, er selbst zu sein, und damit seinen göttlichen Auftrag zu verwirklichen. Niemals bürdet der Autor dabei seinem Leser etwas auf, sondern will ihn im Gegenteil von seinen oft selbst aufgelegten Lasten befreien. Kohtes weiss, wovon er redet, das spürt man. Hier sind eigene Erfahrungen und eigenen Irrwege aufgearbeitet worden, hier gibt es nicht Rat-schläge sondern Lebenshilfe von einem, der selbst auf dem Weg ist, vielleicht ein Stück fortgeschrittener, oft nur weil mehr losgelassen als eingesammelt wurde. Das klare Wasser der Erkenntnis sprudelt wohl doch nicht aus einer geheimen Quelle, sondern ist die gefilterte, trübe Brühe des Lebens.
Dieses Buch ist zu schade zum Lesen.
Man muss es leben.