Sandra Dünschede lässt ihren Erstling auf dem platten Land spielen. Ihre Protagonisten sind einfache Leute, die mit alltäglichen Problemen zu kämpfen haben: Altersschmerzen, Beziehungskrisen, Geldknappheit, Alzheimer. Entsprechend unspektakulär kommen die beiden Todesfälle, um die sich alles dreht, daher: ein Unfall, der vertuscht, ein Giftmord, der nicht entdeckt wird. Das wirkt überzeugend und wird von Dünschedes schlichter, distanzierter Sprache getragen. Auch die Beweggründe für die Hauptperson Tom, zum Ermittler auf eigene Faust zu werden, sind nachvollziehbar. So liegt die Stärke des Krimis zweifellos in der sorgfältigen Zeichnung der Figuren, deren Motive und Absichten jederzeit transparent sind und nur im Einzelfall überzogen wirken (Beispiele für letzteres: Warum lenkt Broder den Verdacht ausgerechnet auf seinen besten Freund Hannes? Ist die Krankheit ihres Mannes tatsächlich ein Mordmotiv für Frieda?).
Zusammen mit Dünschedes Landschaftsbeschreibungen ergibt sich eine ruhige, wenn man so will "nordische" Stimmung, die dem Buch - von einigen Reiseführerpassagen abgesehen - gut tut. Mir jedenfalls hat das gefallen. Nicht gefallen haben mir die klischeehaften Formulierungen vom norddeutschen Menschen, für den dies und jenes so typisch sei, der angeblich so und so handelt oder denkt. Es würde reichen, die Figuren des Romans in diesem Sinne handeln und denken zu lassen; die holzschnittartige Überhöhung des norddeutschen "Typs" erschwert die Lektüre nur. Und dann gibt es leider Sätze, deren Gestelztheit kaum zu ertragen ist. "Husum ist eine Stadt mit einer ganz eigenen Vergangenheit. Die Bauten und Gassen erzählen von alten Zeiten. Ich denke, Storm war ähnlich wie ich fasziniert von dem Einklang zwischen der Geschichte und der Gegenwart" - so spricht doch kein Mensch!
Insgesamt eine angenehme Lektüre mit einigen altbackenen Passagen.