Zunächst:
Der Beschreibung der Amamzon Redaktion ist nichts hinzu zu fügen. Sachlich alles korrekt.
Inhalt:
Konzert DVD mit dem Konzert, kleines Booklet mit dunklen, lieblosen Fotos der Bandmitglieder in Aktion.
Tonspur:
Wie beschrieben. DTS, Dolby-Digital und normale Stereospur.
Bild:
Ziemlich daneben. Viel zu dunkel, viel zu punktuell. Dafür das es so eine gigantische Bühne ist, kann diese relativ wenig ausser groß aussehen. Teileise werden Lieder, wie das von mir lang ersehnte und endlich mal wieder live gespielte "Until the end of the world" absolut unspektakulär umgesetzt. Es hat was von Einheitsbrei. Das Bild wird (leider) zur Nebensache. Absolut kein Vergleich mit der großartigen Bühne der Vertigo-Tour. Manchmal ist eben weniger mehr. Die Bühne mit den 4 Musikern wirkt auf mich eher wie ein gigantischer Witz. Man muss die Lupen nehmen um die Künstler zu sehen. Wenn ich für ein Ticket Geld bezahlt hätte, ich hätte mich sehr geärgert.
Ton:
Tonqualität wird in den Kundenrezensionen eher als "durchschnittlich" beschrieben. Kann ich nicht bestätigen. Der Ton ist sauber und klar abgenommen. Der Instrumentenmix passt wunderbar, richtig harmonisch. 5.1 Spur sauber getrennt, bringt Konzertfeeling.
Einzig die Tonspur von Bono schwankt stark und hat manchmal unangenehme Knackgeräusche. Liegt womöglich auch am Künstler selber - siehe weiter unten.
Qualität:
Naja. Die Band wird nicht jünger und ehrlich gesagt gefallen mir The Edge und Bono hier stellenweise absolut nicht. Die Gesangskunst ist bei beiden auf einem absteigenden Ast. Sie wirkt müde und lustlos. Bono greift zu kurzen Tönen, akzentuiert anders, sodass es weniger Kraft kostet Lieder zu singen. Liegt natürlich auch an den langen Laufwegen auf dieser Bühne.Besonders die neuen Stücke sind davon betroffen. Sicherlich: Live ist nie gleich, aber einiges wirkt schrecklich. So zum Beispiel das Intro zu "Where the streets have no name". Grauenhaft was sich Bono da leistet. Man sollte einfach erkennen, welche Lieder zu seiner eigenen Stimmlage passen und welche nicht. Das "Amazing Grace" jedenfalls muss übersprungen werden. Textsicher ist der Herr übrigens auch nicht mehr. Das kommt eben davon, wenn man mehr eine politische Aussage in den Fokus rückt als die Liedtexte, de eh schon politisch motiviert sind. Es wirkt eh von Konzert zu Konzert perfider - eine Werbeveranstaltung die an die amerikanischen Laienpriester erinnert. Ich habe nichts gegen einen Tenor, aber nein Bono - so nicht. Deine Selbstherrlichkeit geht mir auf den Senkel!
Gut gefällt er mir hingegen bei alten Stücken wie dem "Still haven't found what I'm looking for" oder "MLK". Da ist er wieder. Insgesamt aber bleibe ich bei meinem Urteil, das er stimmlich zwar wieder an die Anfänge rückt (man höre sich die Studioaufnahmen der alten Stücke an) aber lange nicht an die Kraft und Dynamik der Vertigo oder besonders an die Slane-Caste Zeit heran reicht.
Das Bono dann die großartige "Vertigo" Nummer mit dem supergeilen Sirenenintro durch The Edge gesanglich so verhauen kann....das regt mich schon auf.
Auffallend viele Fehler macht The Edge neuerdings. Soli sitzen anscheinend nicht mehr so, wie sollten. Ich spiele selber Gitarre und habe mich auch mit dem Sound von The Edge beschäftigt. Leadparts passen, bei den Soli fehlen manchmal Noten oder Tonabfolgen stimmen einfach nicht. Ich betrachte das mitunter als künstlerische Freiheit, aber stimmig klingt es dadurch nicht. Gerade bei den alten Stücken sollte The Edge davon Abstand nehmen. Das Publikum hat nun mal eine gewisse Erwartungshaltung die durch solche Fehler nicht erfüllt wird. Singen hat er anscheinend auch verlernt. Das was früher zu einem runden Gesamtbild beigetragen hat, wirkt nun geqäult und bocklos.
Adam Clayton ist wie immer. Der mild lächelnde, relaxte Typ am Bass. Routiniert wie immer. Schön zu sehen ist, das Larry Mullen anscheinend ENDLICH mal wieder Spass an der Sache hat. Zumindest hat er den strengen und blinzelnden Gesichtsausdruck beim einschlagen auf seine Drums abgelegt und lächelt und grooved vor sich hin. Der Mann hat seinen eigenen Stil und bringt kontinuierlich beste Leistungen.
Publikum:
Mir ist es ebenso schleierhaft, warum U2 sich auf die USA eingeschossen haben. Bei der Vertigo Tour bis auf wenige Ausnahmen (Elevation) ein Debakel, hier ebenso. WARUM in aller Herrgottsnamen immer in den USA filmen?
Vermutlich weil die U2-Perfidie in den USA anscheinend einfach besser zieht als der Anspruch ein gutes Konzert abzuliefern für ein breites Publikum.
Ich liebe die alten Zeiten. Man nehme das Konzert in Dortmund aus dem Jahre 1984. Da ging es richtig ab.
Fazit:
Liebe Mitleser,
lasst es mich einfach in Sprichworten sagen:
Weniger ist manchmal mehr.
Übung macht den Meister.
Im Schatten eines großen Baumes gedeihen keine saftigen Früchte.
Wer seine Grenzen kennt, ist schon ein halber Weiser.