Würde man mich nach einer guten Einstiegsliteratur zum Thema Nationalsozialismus und Hitler fragen, ich würde an erster Stelle " Anmerkungen zu Hitler " von Sebastian Haffner nennen.
Die prägnaten Thesen des Textes weisen den Autor als ausgezeichneten Analytiker und Kenner der Materie aus und es gelingt ihm schon beinahe beiläufig, mit den größten Irrtümern über Hitler, die auch heute noch weit verbreitet sind, gekonnt argumentierend aufzuräumen.
Sein Versuch, die Brüche in Hitlers Leben, die scheinbaren Widersprüche in seinen Entscheidungen und seine beinahe unerklärlichen Anfangserfolge, im Frieden wie im Krieg, aus einem Wirkungszusammenhang zwischen der zeitgenössischen Umwelt, auf die Hitler traf und dessen eigenen wahnhaften ideologischen Starrsinn heraus zu erklären, darf als geglückt gelten. Haffner löst die Fragestellung, warum dem ausgesprochen erfolgreichen, scheinbar instinktsicheren Reichskanzler der 30er Jahre, dem alles zu gelingen schien, auf einen Schlag alles mißlang, indem er sich dabei nicht der Person Hitlers, sondern dessen Umwelt zuwendet. Dies führt zu sehr interessanten Erkennnissen, welche die ausgesprochen unflexible Persönlichkeit Hitlers in den Mittelpunkt der Betrachtungen rückt. Biographische Brüche, scheinbare Fehlentscheidungen Hitlers sind für Haffner nur Konsequenz eines unflexiblen Starrsinns, dessen Taten je nach den Variablen der politischen Umgebung Hitlers zu Erfolg oder eben Mißerfolg führten.
Der Autor beschreibt dies folgendermaßen:
" Und damit haben wir plötzlich den Schlüssel in der Hand, der uns das Geheimnis der Hitlerschen Erfolgskurve erschließt. Dieser Schlüssel liegt nicht in irgendwelchen Wandlungen Hitlers. Er liegt in dem Wandel und Wechsel der Gegner, mit denen es Hitler zu tun hatte."
Besonderes Lob verdient Haffner für den von ihm gewählten Zugang zum Thema. Er nähert sich Hitler in sieben Kapiteln jeweils von einem anderen Gesichtspunkt aus: Leben, Leistungen, Erfolge, Irrtümer, Fehler, Verbrechen, Verrat.
Dieser Ansatz erweist sich als außerordentlich fruchtbar, vermittelt er dem Leser doch über die Taten ( und Untaten ) Hitlers einen schnelleren Erkenntnisgewinn als dies der oftmals angewandte biographische Ansatz zu tun vermag.
Die provokanten Thesen Haffners stehen zwar zuweilen etwas wagemutig im Raum, regen aber zu fruchtbaren Diskussionen an und sind im Ganzen schlüssig herausgearbeitet.
Die Lektüre dieses Buches kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Insbesondere zur Bearbeitung in einem Geschichts -Leistungskurs sollte " Anmerkungen zu Hitler" ganz oben auf der Literaturliste stehen.
Sehr empfehlenswert !