Trotz guter Online-Doku und obwohl Grails sich zum Ziel setzt, auf alle "gängigen" Problemstellungen der WebApp-Entwicklung möglichst einfache Antworten zu bieten, bleibt das Thema an sich natürlich ein weites Feld voller versteckter Probleme und Fallen. Die meisten Bücher zum Thema Grails versuchen dennoch, dem in der Fachpresse oft geweckten Eindruck, mit Grails sei das auf einmal kinderleicht, gerecht zu werden.
Natürlich beginnt auch Rocher mit einer Beispielapplikation, die in drei Minuten "fertig" ist und funktioniert - aber wo die meisten anderen Autoren aufhören, nimmt er den Leser mit auf eine spannend geschriebene und logisch strukturierte Reise in die Tiefe des Frameworks. Er lässt den Entwickler nicht stur irgendwelchen Code abtippen, um danach zu erklären, worum es dabei überhaupt geht, sondern geht strikt nach dem Muster Problemstellung - Lösungskonzepte - Umsetzung - Lösungsanalyse vor, wodurch man selbst bei komplexeren Themen stets auf Höhe des Textes bleibt. Nerviges Zurückblättern, nochmal Lesen und Halbverstehen ist mir in der ganzen Lektüre des Buches nur ein- oder zwei Mal erschienen - so machen Fachbücher Freude.
Bemerkenswert ist auch die Aktualität: Obwohl schon im Januar erschienen bildet die 2nd Edition bereits den Stand von Grails 1.1 ab - einer der Vorteile, die sich aus Rochers Rolle als Grails Project Lead ergeben.
Trotz des relativ mächtigen Umfangs muss Rocher in einigen Kapiteln (z.B. Ajax/Script.aculo.us, Hibernate) den Leser auf andere Quellen verweisen - das ist sicher einerseits ärgerlich für diejenigen, die sich gerade in diesem Bereich spezialisieren wollen, andererseits aber wohl die einzige Möglichkeit, einen 3000-Seiten-Wälzer zu vermeiden. Insgesamt ist die Abwägung zwischen Tiefgang und Umfang sehr gut gelungen - lediglich im Kapitel über Plugins (zu dem ansonsten wirklich nur die Grails-Doku verfügbar ist) hätte ich mir mehr gewünscht.
Durch seinen logischen Aufbau ist das Buch sowohl für Einsteiger als auch für erfahrenere Grails-Entwickler sehr wertvoll - zumindest für mich bewährt es sich nicht nur als Lehrbuch, sondern auch als Referenz. Wer über dieses Buch seinen Einstieg in Grails versuchen will, sollte aber zumindest ein gutes Groovy-Buch zur Hand haben - das in den Anhang versteckte Kapitel über Groovy ist da schlicht nicht ausreichend (und hätte m. E. nachdem das selbe Problem ja in der first Edition schon bemängelt wurde, einfach weggelassen werden sollen).
Trotz dieser kleinen Mängel bleibt es das interessanteste und unterhaltsamste Fachbuch, dass ich in den letzten Jahren gelesen habe.