Mit "Defendor" kommt mal wieder ein kleiner, sehr origineller Independent-Streifen angeflogen, der leider völlig ungerechtfertigterweise untergeht und von kaum jemandem gesehen wird. Der Film kam praktisch nirgendwo in die Kinos und wurde in sämtlichen Ländern nur als DVD-Premiere verwertet. Zudem wurde der Film etwas irreführend vermarktet, da man von Trailer und Cover ausgehen könnte, dass es sich hier um einen komischen Superhelden Actionspaß handelt. Das ist "Defendor" nicht, denn trotz durchaus komischer und actionreicher Momente ist "Defendor" ein Drama, oder besser gesagt schon fast eine Charakterstudie. Vergleiche mit dem diesjährigen "Kick-Ass" von Matthew Vaughn sind nur insofern zulässig, dass der Protagonist ein (fast) ganz normaler Kerl ist, der das Gesetz selbst in die Hand nehmen will und zwar als Superheld.
Doch "Defendor" wurde bereits vor ungefähr fünf Jahren von Regisseur Peter Stebbings als Herzensangelegenheit entwickelt. Über die Jahre gelang es dem kanadischen Gelegenheitsschauspieler ein moderates Budget von 3.5 Millionen Dollar zusammenzukratzen, um seinen Film zu verwirklichen. Es handelt sich zweifelsohne um ein sehr originelles Werk, das stark in der Realität verwurzelt ist und mehrere Genres gleichzeitig verknüpft. Die Fusion von Drama, Komödie und Action funktioniert nicht immer, der Handlungsverlauf ist manchmal auch etwas vorhersehbar, doch der spürbare Indie-Spirit und die Darsteller, vor allem der brilliante Woody Harrelson, machen "Defendor" zu einem lohnenswerten und besonderen Film.
Woody Harrelson erlebt gerade mit vielen guten Rollen (No Country for Old Men, Zombieland, Transsiberian u.a.) und seiner zweiten Oscar-Nominierung nach "Larry Flynt" für "The Messenger" ein zweiten Karrierefrühling. Mit "Defendor" unterstreicht er seine fantastische Form ausdrücklich. Er spielt hier Arthur Poppington, einen leicht zurückgebliebenen Normalo, einen gesellschaftlichen Außenseiter, der ausgestattet mit einem selbst gebastelten Kostüm und skurillen Waffen wie einem Schlagstock, Gläser mit Wespen und Murmeln Jagd auf Vebrecher macht. Warum er zu dem wurde, was er ist, wird über die Dauer des Films mehr und mehr über Rückblenden enthüllt. Harrelson spielt hier keine Karikatur, sondern einen echten Menschen, dessen Schicksal wirklich berührt.
Er wird unterstützt von tollen Darstellern wie der talentierten Kat Dennings (Nick und Norah, Charlie Bartlett), dem immer großartigen und zuverlässigen Elias Koteas (Dämon, Der schmale Grat, Shooter, Zodiac) als toller Bösewicht und Michael Kelly (Der fremde Sohn, Dawn of the Dead, als sorgenden Freund Arthurs.
Stebbings inszeniert den Film, wahrscheinlich auch aus Budgetgründen, betont realistisch und unspektakulär, wodurch die Charaktere nur unterstrichen werden. Der Streifen sieht allerdings niemals billig aus. Stebbings verzichtet zudem auf blutige Gewaltszenen, obwohl es natürlich schon die ein oder andere Kampfszene (die meistens nicht siegreich für Arthur endet) und Schießerei gibt.
"Defendor" ist also eine sehr gelungene Alternative zum überpopulierten Superheldengenre, die absolut, vor allem wegen Harrelsons grandioser Arbeit, zu empfehlen ist. Die DVD besticht durch ein sehr gutes einstündiges Making Of, das alle Hintergründe des Films akribisch und höchst informativ aufarbeitet. Hinzu kommen ein Audiokommentar, die obligatorischen Versprecher und entfernte Szenen.