"Defector" ist Steve Hacketts viertes Album (1980). Vorangegangen war "Spectral Mornings".
Kaum ein Album Hackketts ist mit einem anderen Vergleichbar, und so geht man als Genesis- und Hackett-Fan oft mit Erwartungshaltungen an ein Album heran, die irgendwie anders erfüllt werden. Die Schönheit von "Defector" erschließt sich vielleicht erst beim unbefangenen Hören.
Herausragend "The Steppes", wo es mühsam, aber unaufhaltam vorwärts, eher aufwärts geht - vorangetrieben von Drummer John Shearer (der mit dem "Argh" nach dem Clocks-Drumsolo live beim Rockpalast).
Wieder schuf Hackett unnachahmliche, intelligente und eingängige Instrumentals, bei denen man auch die Virtuosität Hacketts hören kann, sowie schöne Instrumental-Balladen. Sind die Instrumental-Balladen die Stärken, so sind einige der Gesangs-Balladen eben doch nicht so glänzend.
Man muss es leider sagen: das Disco-Lied "The Show" erzeugt beim Durchhören des Albums Unverständnis, und darunter leidet dann das ganze Album - weil man sich eben meist am stärksten und, wie hier, schwächsten Glied orientiert. Dieses Stück ist wegen seiner auffallenden Einfachheit untypisch für Hackett - aber in der ersten Textzeile heißt es "Yes I'm such a simple man..." - also vielleicht nur ein Scherz?
Sehr nett am Schluss "Sentimental Institution" im Stil der 40er, ein kleines Schmankerl.
Es gibt mehrere Ausgaben von "Defector" im Angebot, am Interessantesten ist die mit den zahlreichen Bonus-Tracks (erkennbar an 15 Tracks). Dabei singt Pete Hicks das "Sentimental Institution" so cool, dass selbst Brian Ferry neidisch werden könnte.
Also vor dem ersten Hören den Player auf alles außer Track 9 programmieren, dann ist Hörgenuss garantiert. Und beim Klavierstück "Hammer in the Sand" empfehle ich die Repeat-Taste.