Die britische Band DEF LEPPARD steht seit bald drei Jahrzehnten für erstklassigen, charttauglichen, arenageeigneten Melodic Rock, der von einprägsamen Hooks, starkem Chorgesang und markanten Riffs geprägt ist. Insbesondere in den 80er Jahren war der Fünfer aus Sheffield aus den Charts nicht wegzudenken und hat seitdem von den beiden Alben "Pyromania" (1983) und "Hysteria" (1987)jeweils mehr als 10 Millionen Alben verkauft, was der Truppe zwei Diamond Awards einbrachte - eine Ehre die bislang sonst nur Bands wie EAGLES, LED ZEPPELIN und drei weiteren zu Teil wurde.
Ein offizielle Live-Scheibe hat die Band bis heute nicht veröffentlicht. Allerdings habe existiert ein Videomitschnitt von der "In The Round - In Your Face"-Tour aus dem Jahr 1987, als die Band das Album "Hysteria" in den USA promotete. Seinerzeit spielten die Jungs vor allem die Hits ihrer beiden Erfolgsalben, obwohl auch das bereits von Mutt Lange produzierte Album "High N Dry" Klassesongs aufwies. Der Videomitschnitt, der an zwei Abenden in Denver aufgezeichnet wurde, besticht vor allem durch die seinerzeit in der Hallenmitte platzierte Bühne und das kongeniale Spiel der beiden Gitarristen Phil Collen und Steve Clark, der leider 1990 dann verstarb. Das alte Video ist mittlerweile gemeinsam mit der alten Video-Single-Kollektion "Historia" als DVD erhältlich.
Das britische Fernsehen hat dann Jahre später ein Open-Air-Konzert der Leoparden in ihrer Heimatstadt Sheffield im ausverkauften Don-Valley-Stadion mitgeschnitten, das in gekürzter Form als DVD-Bootleg bisweilen bei ebay erhältlich ist. Damals tourten die Lepps zum Album "Retroactive" (1993)und hatten mit dem Song "Two Steps Behind", aus dem Soundtrack zum Schwarzenegger-Film "Last Action Hero" einen aktuellen Hit.
Mit der Veröffentlichung des für den Bandsound eher untypischen Albums "Slang" (1996)erlitt die Bandkarriere einen ersten Knick. Die Truppe versuchte dem durch Grunge geprägten Durchschnittsgeschmack durch anderen Sound und etwas sperrigerem Material gerecht zu werden, musste aber in Bezug auf Albumverkäufe aber ähnliche Einbußen hinnehmen, wie ähnlich etablierte Acts der 80er. Gleichwohl ließ sich die Band hiervon nicht beeindrucken und nahm 1999 das Album "Euphoria" auf. Der Name deutet es schon an, man besann sich wieder auf die Stärken der beiden erfolgreichsten Alben, das alte Band-Logo prangte wieder auf dem erneut von Andy Airfix designten Cover und auch die Songs lagen wieder im Fahrwasser der Alben "Hysteria" und "Adrenalize".
Diese DVD ist ein Mitschnitt von der Euphoria-World-Tour, aufgenommen am 02.10.1999 im Kokusai Forum in Tokio und umfasst 109 Minuten Bildmaterial.
Interessant ist, daß die Gruppe mindestens einen Song von jedem der bis dahin erschienen Alben spielte. Das Debüt "On Through The Night" ist mit dem selten gespielten "Wasted", "High N Dry" mit dem Kracher "Let It Go" , "Vault" mit der Überballade "When Love & Hate Collide" und "Slang" immerhin mit dem Titeltrack vertreten. Ansonsten liegt der Schwerpunkt der Setlist - wie bei den gegenwärtigen Tourneen - naturgemäß auf den Hits der Alben "Pyromania", "Hysteria" und "Adrenalize", die jeweils mit mindestens drei Songs vertreten sind, und erstaunlicher Weise auch auf "Euphoria", von welchem mit dem epischen "Paper Sun", dem an "Photograph" erinnernden "Promises", der Ballade "Goodbye" und "Demolition Man", bei dem im Studio der frühere Formel-1-Weltmeister Damon Hill einige Licks beisteuerte, vertreten sind.
Die Soundqualität ist ordentlich. Offensichtlich ist das Konzert auch mit mehreren Kameras mitgeschnitten, wenn gleich die Bildeinstellungen nicht annähernd so variabel ausfallen wie bei der hervorragenden Regiearbeit Wayne Ishams auf "In The Round - In Your Face". Das mag aber auch daran liegen, dass die am Hallenende befindliche Bühne lange nicht so viel Spielraum für interessante Kamerafahrten und -flüge bietet, wie dies damals bei der Hallenmitte-Bühne möglich war. Das Konzert scheint für das japanische Fernsehen mitgeschnitten worden zu sein.
Man merkt, dass die Jungs ein paar Jährchen älter geworden sind, dass Stage-Acting fält doch etwas weniger dynamischer aus. Ähnlich wie auf dem Back-Cover des Inlets zu Euphoria sind die Herren ungewöhnlich stylisch gekleidet - mancher Spötter warf ihnen ja seinerzeit vor, dass sie mehr nach DURAN DURAN aussehen würden als diese selbst. Gleichwohl merkt man auch, dass hier eine Band absoluter Profis am Werk ist. Handwerklich ist das alles erste Güteklasse. Clark-Nachfolger Vivian Campbell (WHITESNAKE, DIO, SHADOW KING, CLOCK, RIVERDOGS) ist ein unbestrittener Ausnahmegitarrist, dennoch kann man sich nicht ganz den Eindruck erwehren, dass er auch nach all den Jahren in der Band noch nicht ganz in der ersten Reihe steht und nach Phil Collen, dem hauptamtlichen Solisten, nur die zweite Geige spielt.
Die DVD ist daher gerade für Fans ein schönes Live-Dokument mit einer Setlist, die so heute sicher nicht mehr abgespielt werden wird. Insofern bekommt man hier die Gelegenheit, sich auch einmal relativ seltene Live-Tracks anzuhören. Schön wäre es gewesen, wenn die sehr raren Songs "White Lightning" und "Gods Of War" mit den Intro-Soli, wie sie Collen und Campbell noch auf der "In The Club - In Your Face"-Aufwärmtour zur 'Seven Day Weekend-Tour' spielten, einmal visuell festgehalten worden wären.
Alles in allem aber ein Runde Sache und auch der eher günstige Preis geht in Ordnung. Außerdem ist das was die Leps auf der aktuellen Mirrorball-Zusatz-DVD (vier Live-Stücke plus Doku sowie zwei altbekannte Studiovideos)anbieten keine ernsthafte Konkurrenz zu dieser Scheibe.