X gehört zu jenen Spiel(reihen), welche erst einmal reifen sollten, bis man damit zum spielen anfängt. So wartete ich ein wenig, bis das Gold-Pack erschien.
Im Paket findet man X3-Reunion (DVD; welches bei mir allerdings schon installiert war, Patch 2.5), X3 TC 2.0 und eine Audio-CD. Dazu gibt es noch ein Handbuch, welches besser aufgebaut ist als das von X3-Reunion damals und tatsächlich brauchbare Informationen liefert. Sehr gut.
X3TC wird separat installiert und erweitert X3-Reunion nicht. Somit kann man beide Spiele unabhängig voneinander spielen. Gesagt, getan - nach der langwierigen Installation startete ich als Terraner. Das Design der Terraner ist gelungen, ein leichter Hauch der Star Trek-Förderation schwingt mit. Mit Anfangsmissionen wird man mit allen nötigen Kenntnissen ausgestattet - das ist im Vergleich zu X3R schon unglaublich - Tutorials mit Sinn. Ich steuere mit Joystick (Saitek Cyborg Evo) und das klappt - wie im Vorgänger - recht gut.
Was natürlich sofort auffällt - das neue Interface. Nichts dramatisches, aber doch schick anzusehen. Gefühlt werden hier die Informationen besser als im Vorgänger dargestellt. Einfach im Einstieg ist das Spiel dennoch nicht, Interface-Änderungen bzw. Tutorials hin oder her. Ich denke, das macht auch den Reiz des Spiels aus. Auf "seizewell.de" wird der Einsteiger mit den Informationen gefüttert, um sich einen guten Überblick zu verschaffen. Ich empfehle das dortige Tastatur Layout herunterzuladen, dann sieht man gleich welche Funktionen verfügbar sind und wird so schnell den Weltraum erobern.
Egosoft hat kleine sinnvolle Änderungen vorgenommen, z.B. muss man die Schilde nicht mehr herunterfahren, um "Treibgut" aufzusammeln. Es gibt auch kein schwarzes Brett mehr, was mich zuerst schockierte, wollte ich doch ein wenig Geld machen. Das Geldverdienen hat man pfiffig gelöst - es tauchen verschiedene Symbole bei Stationen oder Schiffen auf - vier verschiedene sind es, so sagt mir ein rotes Zielkreuz, dass hier eine "Killmission" angeboten wird oder eine weiße Glühbirne zeigt an, dass z.B. ein Schiff zu bergen ist, möglicherweise wäre auch jemand zu verfolgen. Man muss nur nah genug an Station/Schiff hinfliegen und mit "c" den Kommunikationskanal öffnen - der entsprechende Gesprächparter ist eindeutig mit dem Symbol markiert. Man kann einen kurzen Blick auf die Mission werfen, weitere Informationen erhält man nach der Annahme ... was ich korrekt finde, denn unter uns, wer würde jeden dahergeflogenen Abenteurer alles offenbaren?
Noch besser - die Hauptmission bzw. Nebenmissionen werden dem Spieler angezeigt - man geht auf das Spielermenü > Missionen > sieht die Auswahl, kann die Details einsehen und - das finde ich genial - das Leitsystem (!) aktivieren. Das Leitsystem zeigt dem Spieler, durch welches Tor er fliegen muss, welches Schiff gemeint ist, etc. In diesem komplexen Spiel ein mehr als sinniges Feature. Wer selbst suchen will, der kann das System deaktiveren.
Wo ich schon Hauptmissionen erwähnt habe - auch hier gibt es ein Symbol, ein blaues aufgeschlagenes Buch - man wird diesmal wirklich geführt. Im Vergleich zu X3R wo es praktisch nichts gab, eine positive Verbesserung des Gameplays. Die Hauptmissionen sind brauchbar bis gut auf den Weg gebracht. Fehler sind mir jetzt nicht negativ aufgefallen. An die Qualität von Freelancer kommt X3TC bei nicht heran, aber a) es ist ganz okay und b) im Vergleich zum Vorgänger ein gigantischer Unterschied.
Somit alles fluffig im Sektor Omicron Lyrae? Nun, die Performance könnte ein bisserl besser sein, den X3TC schaut nicht so viel besser aus, wobei diverse Objekte schon komplexer bzw. neu gestaltet wurden (man wird also vieles neu entdecken - Schiffe, Stationen, etc). Dennoch, manchmal fehlt es ein wenig am flüssigen Gameplay, mitunter stoppt der Bildaufbau, dauert ein paar Sekunden und es geht weiter (passierte bis dato aber selten). Beschweren kann ich mich ansonsten (noch) nicht, mein AMD Athlon64 4000 (Single Core), 2GB, ATI 3850 machen einen guten Job mit Default Settings auf 1650x1080.
Liest sich bis dato recht gut, nicht? Darf ich etwas zitieren? Ich kann einfach nicht anders...
Gbase.ch-Fazit zu X3TC "Darüber hinaus hat es Egosoft endlich mal geschafft, ein halbwegs fehlerfreies Spiel auf den Markt zu werfen. Waren die Vorgänger noch Wochen nach der Veröffentlichung von kleinen Käfern verseucht, ist Terran Conflict stabil und meistens logisch"
Egosoft-News zu Patch 2.0 "Seit der Veröffentlichung des Updates auf Version 1.4 sind bereits einige Monate des geduldigen Wartens ins Universum gegangen und nun endlich könnt Ihr die Version 2.0 für X3: Terran Conflict runterladen. Dieses Update durchlief eine sehr viel umfassendere Testphase, als es üblich ist"
Zuerst - ich weiss nicht, welche Egosoft-Spiele die Schweizer bisher im Griff hatten, aber "kleine Bugs" und "Wochen" sind soweit von der Realität entfernt, wie ein interstellarer Pizza-Lieferservice für Khaak. Wenn dann Egosoft sich dann noch brüstet, man habe eine Testphase gefahren, welche "umfassender war, als üblich", dann bedeutet das wohl ... es hat sich jemand tatsächlich mal das Spiel angeschaut?! Ich gebe zu, dass ist recht bissig formuliert, aber angesichts der Bugdichte bei Release des Games, kann man als leidensfähiger Spieler nicht nur wegstecken. Ja, mit Release 2.0 hat sich einiges wohl gebessert, ganz rund läuft es aber nicht.
Einen CTD (Crash to Desktop) hatte ich bisher nicht, obwohl es schon komisch ist ein "eingefrorenes" Spiel vor sich zu haben oder der Sprung durchs Tor präsentiert kleine Ewigkeiten einen schwarzen Schirm. Zerstörte Savegames hatte ich auch nicht (noch?) bzw. liessen mich bis dato Quest-Missionen ins Nirwana landen (mit der Freude nochmals anzufangen). Noch nicht. Es läuft, aber da ist immer dieses komische Kribbeln im Nacken...
So stieg ich einmal aus, um ein Schiff zu übernehmen - das Fadenkreuz war weg, auch der Einstieg in das eigene Schiff änderte das nicht ... erst der Sprung ins nächste System half. So richtig ätzend war die Nutzung der Funktion "Sammle Waren im Sektor" - das Flugi soll also alle verwertbaren Trümmer von Gegnern einfangen. Ich kam nicht mehr aus dem Autopilot heraus. Andocken unmöglich, es wurden Gegner angesteuert, dann plötzlich eigene Schiffe, dann wieder Trümmern, dann ... die Hölle, ich war so baff, dass ich minutenlang zusehen musste. Ein Restart war nötig. Es sind solche nervigen Kleinigkeiten, welche dicht unter der Oberfläche schlummern und darauf warten gefunden zu werden. Da ich aus dem Qualitätsmanagement komme, dachte ich mir "der arme Tester, vermutlich schaute er aus zig Anforderungen, Performance- und Lasttests nicht mehr heraus". Mich hat das wirklich berührt, weil ich diesen Irrsinn kenne ... und zählte im Manual 16 Leadtester und 55 Tester? Bitte?! Wie waren die Vorgaben? "Flieg von Handelshafen nach Menelaus Paradies" - "Fertig, per Autopilot, kein Crash" - "Okay, der nächste Tester". Tester sollten durchaus auch prüfen, ob die Handhabung nachvollziehbar ist und dies monieren. WIe kann es sein, dass man/ich anfänglich immer aus Versehen abdockte? Ah, weil per Default diese Funktion markiert ist ... statt bestätigen, dockt man ab und darf dann wieder brav anfliegen. Man hangelt sich durch die neue Menüstrukturen (schaut nett aus) und fragt sich regelrecht, ob es vorher nicht besser war. Das Staffel-Management (bis dato wenig genutzt), zeigt auch nur eine halbherzige Umsetzung, ich muss aber zugeben, dass in der X3-Welt man manches (insbesondere das kämpfen) selbst machen sollte.
Wie gesagt, damit kann man leben - grundsätzlich läuft das Spiel, aber in der Geschwindigkeit mit der Egosoft die Qualität und Bedienbarkeit verbessert, wird man sich vermutlich noch im Jahr 2025 fragend den Kopf kratzen.
Davon abgesehen ... diese X-Schwächen sind ja fast schon "Kult", dezenter Masochisten-Charme kommt auf ... kommt man an X3TC nicht vorbei. Denn die Komplexität, das "echte" Gefühl in einem lebendigen Universum unterwegs zu sein, die massiven Möglichkeiten - dem sollte man sich stellen und Spaß haben. Den hat man auch. Aber Egosoft muss endlich verstehen, dass "Qualität" kein Wunsch der Anwender ist, sondern Bedingung. Würde David Braben endlich mal Elite4 herausbringen, könnte hier vielleicht mehr Motivation entstehen die Release-Qualität nicht am Compile-Button enden zu lassen...