Endlich ein Echtzeit-Strategie-Titel mit modernem Hintergrund. Und was könnte da näher liegen, als George W.s "Krieg gegen den Terror"...
Natürlich waren die Herausgeber um Political Correctness besorgt, weshalb letztendlich keine der 3 Parteien (World Forces unter westlicher Führung, China, Terrorgruppe "Der Orden") als "die Bösen" dasteht, sondern sich im Lauf der Hintergrundgeschichte eine 4. Fraktion als Drahtzieher entpuppt.
Stärke des Spiels sind eindeutig die vielen modernen Einheiten, natürlich bei allen 3 Parteien unterschiedlich, die durch ihre Fähigkeiten begeistern. Da gibt es Panzer, die sich einnebeln können, gepanzerte Reparaturfahrzeuge, Pickups mit Raketenwerfern, die selbst stärkste Panzer schrotten können und diverse Hubschrauber mit mächtigen Raketenwaffensystemen, aber selbst auch anfällig gegen Boden-Luft-Raketen. Hinzu kommen diverse Infanteriearten und Helden mit Spezialfähigkeiten. Das alles ist gut ausbalanciert, alle 3 Kampagnen machen Spaß und sind abwechslungsreich.
Die Missionen sind in der 1. Kampagne noch recht einfach und kurz, werden aber im Laufe des Spiels immer umfangreicher und anspruchsvoller.
Wie beim Entwickler Monte Cristo (Afrika Korps vs. Desert Rats, D-Day, 1944) schon bekannt, gibt es auch hier fast immer versteckte Missionsziele, die durch zusätzliche Missionspunkte Verstärkungen ermöglichen, sowie die Möglichkeit, gegnerische nicht zerstörte Fahrzeuge zu übernehmen und zu reparieren.
Die Grafik ist auf dem neuesten Stand. Die Kamera lässt sich vollständig rotieren und zoomen. Dies lässt fantastische Blicke z.B. vom Boden zur Spitze des Eiffelturms zu, während man daneben die Hubschrauber in der Luft sieht.
Allerdings verschlingt diese Art von Grafikengine auch gewaltige Hardware-Ressourcen. Ich habe einen P4 2,8/1 GB RAM/GeForce 6200 128 MB. Mit diesem keineswegs veralteten System muss man die Grafikeinstellungen schon fast alle nach ganz unten schrauben, um halbwegs flüssig spielen zu können. Empfehlenswert wäre auf jeden Fall eine 256-MB-Grafikkarte.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man für RTS wirklich so grafiklastig programmieren muss?!
Wermutstropfen neben den hohen Hardwareanforderungen waren auch die zahlreichen Bugs in der alten Version 1.02. Der zur Verfügung stehende Patch behebt laut Beschreibung fast nur Multiplayerprobleme, weshalb ich ihn gar nicht ausprobiert habe.
Auf jeden Fall hatte ich in mehreren Missionen Probleme mit Einheiten, die sich nicht mehr bewegen ließen. Besonders bitter war das in einer Mission, in der man zuletzt sämtliche Truppen aus dem Kampfgebiet evakuieren sollte. Da ich mehrere Einheiten nicht mehr bewegen konnte und sämtliche Feinde bereits eliminiert hatte, konnte ich die Mission nicht beenden und musste von vorn beginnen.
Auch hatte ich ca. 5 Abstürze, die natürlich immer ärgerlich sind.
Geradezu lachhaft waren in Missionen mit vielen Einheiten die endlos langen Zwischenspeicherzeiten und auch die langen Ladezeiten der einzelnen Missionen.
Die Hintergrundgeschichte war zwar fantasievoll, aber etwas unglaubwürdig und verworren. Das spielt für mich bei einem RTS-Spiel aber nicht die entscheidende Rolle.
Wenn die Bugs in einer aktuellen Version behoben oder minimiert sind und der Spieler ein starkes PC-System hat, dann bekommt man ein gutes und mit neuartigen Einheiten übersprudelndes RTS-Spiel, das mit 23 Missionen auch eine ordentliche Länge hat (vor allem für einen Monte-Cristo-Titel).
Der 2. Weltkrieg wurde mittlerweile ausführlich genug behandelt - Zeit für mehr moderne RTS-Spiele!