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Unnötig zu sagen, dass man Freileben nur bei den Bischöfen kaufen kann. Und im Land der ungegrenzten Möglichkeiten findet auch unser Neuankömmling D-Tritus sogleich einen Job bei der Zeitung und wird mit der Aufgabe betraut, den Erzbischof zu interviewen. Doch dazu soll es nicht mehr kommen, denn der Erzbischof wird Opfer eines brutalen Mordes, während er erholsam in einem heißen Ölbad seine eingerosteten Glieder schmieren wollte. Zu allem Übel deuten die Spuren am Tatort eindeutig darauf hin, dass der Mörder eines dieser viskosen Geschöpfe ist. Aber D-Tritus macht sich schon auf, das Geheimnis um den rätselhaften Mord zu lösen.
Das Spiel ist grob in zwei Teile geteilt, zwischen denen ihr ständig hin- und her wechselt: Entweder lauft ihr zu Fuß oder fliegt per Raumschiff. In ersterem Falle könnt ihr nicht nur mit anderen Robotern reden, sondern euch in jene verwandeln und/oder diese zerstören. So oder so wird sofort Alarm geschlagen und ihr werdet von Polizisten, sowie kleinen, fliegenden Wachen verfolgt. Erst wenn ihr für mehrere Sekunden aus deren Blickwinkel entronnen seid, wird der Alarm abgeschaltet. Ähnliche Regeln gelten beim Fliegen, mit dem Unterschied, dass hier keine Verwandlung möglich ist, sondern nur die fachgerechte Zerstörung anderer Raumschiffe. Selbstredend habt ihr nach solchen Aktionen ebenfalls die Polizei am Hals.
Einen eigenen Flieger könnt ihr entweder auf den zahlreichen Parkplätzen klauen oder selbst zusammen basteln. Dazu benötigt ihr Baupläne von Schiffen, Motoren und Waffen, welche ihr im Laufe des Spieles erhaltet bzw. sammelt. Jedes Schiff hat ein Maximalgewicht, welches nicht überschritten werden kann. Natürlich kostet euch das Bauen Geld, dieses findet ihr wiederum z.B. bei zerstörten Raumschiffen oder innerhalb des Bankgebäudes. Nicht nur der ominöse Helfer schickt euch von einem Auftrag zum nächsten, zwischendurch stellen euch andere Roboter Aufgaben, denen ihr euch widmen müsst.
Das Design bleibt dabei streng linear, und Bonus-Missionen sind rar. Genau genommen habt ihr nur die Möglichkeit der so genannten Verrückten Wetten, nach deren Absolvierung ihr Waffen-Upgrades erhaltet. Die Missionen an sich variieren von Zerstören bestimmter Ziele, der Suche nach Gegenständen oder Fliegen von Wettrennen.
Scrapland spielt sich in zwei Perspektiven. So darf man in der 3rd Person Ansicht als Roboter durch die unterschiedlichen Szenarien wandeln oder im eigenen (oder gestohlenen) Raumgleiter ins Gefecht ziehen. Doch bei all den Möglichkeiten, die die Designer den Spielern zur Verfügung stellen wollten, haben sie eines dabei vergessen: alles zu einem einheitlich nachvollziehbaren Ganzen zu verbinden.
Man beginnt als D-Tritus und erhält gleich zu Beginn des Spieles den Auftrag, den Erzbischof zu interviewen. Ein kleines schwach ausgerüstetes Raumschiff dient als Fortbewegungsmittel und zudem werden wir in die "Macht" der großen Datenbank eingeweiht. So kann D-Tritus in die Körper von 20 verschiedenen Robotermodellen schlüpfen, was ihm bei seiner Tätigkeit nützlich sein soll. Zudem haben die Roboter auch alle unterschiedliche Eigenschaften. Nutzt D-Tritus einen Wiederherstellungspunkt, kann er in jede beliebige dort verfügbare Figur schlüpfen. Doch er muss aufpassen, damit er nicht von Wachrobotern gescant und damit enttarnt wird, gleichbedeutend mit der Erklärung zum Staatsfeind Nr. 1. Dann hilft nur die Flucht oder ein sicheres Versteck, bis sich die Wachen beruhigt haben. Die verschiedenen Robotermodelle bieten alle ihre eigenen Eigenschaften. Als Bankdirektor kann man den anderen Androiden Geld aus der Tasche ziehen. Als Bürgermeister kann man sie mit „Blah-Blah" ins Koma reden, als kleiner Hefter kommt man in sonst unzugängliche Lüftungsschächte, um dort nach verborgenen Plänen zu suchen, bewaffnete Polizisten haben die Waffenpower, als normaler Polizist kommt man an Sicherheitstüren vorbei oder als Bischof hat man Zugang zur „Großen Datenbank". Besonders nützlich ist die Verwandlung in den Botenroboter, denn seine Fortbewegungsart ist blitzschnell und er kann zudem fliegen, was bei den ständig wiederholenden Dienstbotengängen die „Zeitverschwendung" etwas relativiert.
Und damit wären wir auch schon beim eigentlichen Problem. Die meisten Aufgaben sind Dienstbotengänge. „Hey, D-Tritus, hol mir dies, dann sag ich dir das", worunter die eigentliche Story des aufzuklärenden Mordes mehr als unter geht. Damit man ein Indiz oder in Beweisstück erhält, muss man dem „Lieferanten" vorher gefällig sein. So kommt es, dass man mehr oder weniger „sinnfreie" Dinge ausführen muss, die das vorgegebene Szenario anbietet. Fliege mit dem Raumschiff und erledige 10 Beamtenschiffe, kille 5 Heftmaschinen usw. Dazu gibt es vom Auftraggeber die blödsinnigsten Erklärungen, warum man dies tun soll. Und die Auftraggeber sind auch stets darauf bedacht, dass die Einsatzorte immer möglichst weit auseinander liegen, damit es ja schön lange dauert und die Spielzeit in die Länge gezogen wird. Die Optionen, die das Charakterwechselspiel eigentlich ermöglichen könnte, werden so gut wie nie benutzt.
Oft wird die zu nutzende „Form" vom Auftrag vorgegeben, ohne dass sie eigentlich Sinn macht. Dass man als Polizist verkleidet eine Sicherheitsschranke passieren darf oder nur als Bischof die große Datenbank betreten kann, ist da schon die Ausnahme, hat aber hier mehr die Funktion einer üblichen „Keycard". Es gibt zwar hin und wieder Missionen, in denen man die Charakteroption etwas sinnvoller nutzt, wie z. B. den Klau eines Datenröhrchens als Botenroboter, aber prinzipiell ist die Option absolut unter Wert verkauft.
Haben anfangs die Aufgaben noch ein wenig Spaß gemacht, tendierten sie aber schnell zu einer leidlichen Pflicht und sorgten eher für Langeweile, statt Unterhaltung. Leider findet man auch bei den Action-Raumschiffpassagen ein ähnliches Bild, auch wenn hier die Kampfszenarien noch weitaus mehr Spaß gemacht haben. Jedoch gibt es hier durchweg denselben Tenor. Bis auf die Aufgabenstellung, einen bestimmten Gegner zu erledigen, hin und wieder einmal Geleitschutz zu geben oder gegen Ende des Games Kommunikatorbojen zu zerstören, wird nicht viel Abwechslung geboten. Im Prinzip aber leidet das Gameplay ähnlich wie auch schon in den Robotersequenzen zu sehr an Wiederholung. Und auch der Multiplayer-Modus ist nichts Spektakuläres, wird auf der Xbox doch nicht einmal Xbox Live! Unterstützt.
Grafisch bewegt sich Scrapland auf fast sehr gutem Niveau, doch die Frame-Rate sinkt ständig in den Keller. Glücklicherweise beeinträchtigt diese nie die Spielbarkeit, zudem sind die verschiedenen Gebäude und Straßen sehr stylisch gestaltet. Klares Highlight ist der Sound, zumindest wenn ihr eure X-Box Konsole auf Englisch umgeschaltet habt. Die Originalstimmen vermitteln eine fantastische Atmosphäre und vereinzelte Dialoge sind richtig witzig geraten. Hingegen die deutsche Version mehr einer mittleren Katastrophe gleicht, die einzelnen Sprecher reden viel zu hastig, manche komplett ohne Betonung und ganz speziell D-Tritus ruiniert die tolle Atmosphäre ganz gewaltig. Multilingual gleich bleibt natürlich die Musik, welche mit ihrem Elektronik-Pop am meisten zu begeistern weiß. Hier fehlt es zwar auch an Abwechslung, aber die einzelnen Stücke gehen einem trotzdem nicht auf den Nerv.
Fazit: Scrapland hätte so ein gutes Spiel werden können. Anfangs macht Scrapland sehr viel Spaß, das Szenario ist erfrischend, die Atmosphäre stimmig und der Storyansatz viel versprechend. Allerdings mangelt es an Abwechslung, so manche Mission besteht aus eintönigem herumlaufen und andere wiederholen sich innerhalb kürzester Zeit, ohne dass sich der Verlauf großartig ändert. Immerhin bleibt trotz dieser Fehler der Spaßfaktor noch im grünen Bereich, wer innovative Konzepte mag und über Designschwächen hinwegsehen kann, der könnte Gefallen an Scrapland finden.
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