Vorweg, ich spiele seit mindestens 15 Jahren Rollenspiele, aber mit "Runes of Magic" habe ich mich erstmals an ein Online-Spiel herangewagt. Ich kann also keine Vergleiche mit anderen Online-Spielen anstellen, aber dafür eine objektive und unvoreingenommene Rezension verfassen.
Ich habe eine 16000er DSL-Leitung und hätte also auch die Downloadversion des Spiels herunterladen können, habe mich jedoch für die ansprechende Boxversion entschieden, da ich gerne einen ordentlichen Datenträger und ein gedrucktes Handbuch haben wollte. Die Box kann ich uneingeschränkt empfehlen. Neben der DVD in einer Papphülle enthält sie das sehr gute und leicht verständliche Handbuch sowie eine zusammengefaltete Karte der Spielwelt. Per Code (auf der Rückseite des Handbuchs) sind die enthaltenen Ingame-Extras freischaltbar. Das habe ich allerdings noch nicht ausprobiert, da sie nur einmal für den aktiven Charakter freigeschaltet werden können und ich nicht sicher bin, ob mein Spielheld schon der endgültige sein wird.
Die Installation lief unter 32-Bit-Vista problemlos und sehr einsteigerfreundlich. Wenn Eingaben erforderlich sind, leitet das Handbuch leicht verständlich durch die Account-Erstellung und Registrierung. Nach der Registrierung erhält man eine Mail mit einem Link, den man zur Bestätigung anklicken muss. Ist die Installation dann abgeschlossen, startet automatisch der Autopatcher, der das Spiel auf die aktuellste Version bringt. Das hat bei mir ziemlich lange gedauert, mindestens eine halbe Stunde. Erst dann ist der Button für den Spielstart verfügbar. Ist man "drin", folgen Anmeldung, Serverauswahl und Charaktererstellung. Alle Vorgänge sind im Handbuch hervorragend beschrieben. Unangenehm aufgefallen ist mir, dass man zu diesem Zeitpunkt noch keinen Zugriff auf die Spieloptionen hat, also noch keine Grafikauflösung einstellen kann. Seinen ersten Charakter muss man also wohl oder übel in der lausigen Minimalkonfiguration erstellen. Ist man dann im Spiel und kann endlich die Grafikauflösung anpassen, ist man entweder enttäuscht oder aber überwältigt vom Aussehen des Spielcharakters. Die Auswahlmöglichkeiten sind vielfältig, zwar deutlich von japanischen Anime-Comics inspiriert, aber es gibt auch genügend Variationen für mitteleuropäische Gesichtszüge. Es kommt schon vor, dass man im Spiel gleichen Gesichtern begegnet, aber dann haben sie immerhin andere Frisuren oder Haarfarben, so dass die Individualität durchaus erhalten bleibt.
Eine Sache jedoch stört mich bei der Charakterverwaltung sehr: Ein ausdrücklich gelöschter Charakter verschwindet nicht endgültig vom Server, zumindest nicht sofort, das heisst, ein einmal vergebener Name kann kein zweites Mal vergeben werden, nicht einmal, wenn der Charakter gelöscht wurde. Das ist ärgerlich, denn ich habe meinem ersten Testcharakter schon den "besten" Namen verpasst, und als ich meinen neuen "wahren" Spielhelden in die Welt hinaus schicken wollte, musste ich ihn mit einem Namen "zweiter Wahl" abspeisen.
Im Spiel angekommen, ist es ratsam, vorsichtig mit dem Ausprobieren zu sein. Die Steuerung ist zwar denkbar einfach, im Grunde kann man alles nur mit der Maus erledigen. Mit zunehmender Routine macht man dann von den zahlreichen Tastaturbefehlen Gebrauch, aber grundsätzlich nötig ist es nicht. Auch im Spiel gibt es eine gute Hilfefunktion, die hilfreiche Hinweise geben kann. Für einen Online-Neuling wie mich hätte es aber noch ausführlicher sein können. Als ich meine erste Einladung erhielt, einer Gruppe beizutreten, wusste ich zum Beispiel nicht, wie man darauf antworten konnte und so musste ich verlegen ablehnen.
Das Startgebiet ist eine ruhige Gegend und bietet erste Aufgaben, um sich ein paar Erfahrungspunkte zu verdienen. Es gibt hier noch keine aggressiven Gegner, sie setzen sich nur zur Wehr, wenn man sie angreift. Für mich war es neu und schwierig zu akzeptieren, dass man seinen Spielstand nicht sichern kann, also ist behutsames Vorgehen gefragt. Mal so eben sein gesamtes Geld beim Händler für ein paar neue Klamotten auszugeben, feststellen, dass sie einem nicht gefallen und dann kurzerhand neu laden funktioniert im Onlinespiel nicht. Ausgegebenes Geld ist weg, und der Wertverlust beim Zurückgeben der gekauften Ware beträgt satte 90 Prozent. Also ist man gut beraten, seine Entscheidungen sorgfältig zu treffen. Wenn man das akzeptiert und sich danach richtet, kommt (zumindest bei mir) eine defensive Spielweise heraus. Man sucht sich gezielt leichtere Gegner, ist nicht zu stolz im Ernstfall mal wegzulaufen, übernimmt nicht voreilig irgendwelche Quests und geht sparsam mit seinem Geld und den kostbaren Ausrüstungsgegenständen um. Es besteht auch kein Grund zur Eile, ich konnte bisher nicht feststellen, dass es einen Zwang zu irgendwelchen Quests gibt. Ein Quest, der ab Stufe 5 freigeschaltet ist, muss deshalb nicht zwangsläufig sofort in Stufe 5 angenommen werden. Man kann sich getrost etwas länger im Startgebiet aufhalten und seinen Charakter mit dem Verhauen von einfachen Gegnern auf eine höhere Stufe aufleveln, um die Quests dann mit einem entsprechend gestärkten Charakter anzunehmen. Ebenso ist es ratsam, die gewonnenen Talentpunkte nicht wild drauflos zu verskillen, sondern abzuwarten, welche interessanten Talente erst mit zunehmendem Stufenanstieg freigeschaltet werden.
Durch die beschriebene Spielweise habe ich die kostenpflichtigen Inhalte aus dem Item-Shop in keinster Weise vermisst. Ich brauchte keinerlei zusätzliche Tränke oder Upgrades, ein permanentes Reittier halte ich für Luxus und ob es auf eine individuelle Ausstattung der eigenen Wohnung wirklich ankommt, mag ich nicht beurteilen. Sollte ich mal ein erlesenes Sahnestück von Rüstung finden, werde ich sie aber bestimmt optisch aufwerten, um sie einzigartig zu machen. Das ist dann natürlich kostenpflichtig.
Alles in Allem macht "Runes of Magic" viel Spass und ist sehr einsteigerfreundlich. Abstürze oder Fehler gab es bei mir bisher nicht. Das Spiel ist überwiegend kampforientiert, Charaktere mit Schwerpunkt auf Kampf haben es demnach deutlich leichter. Die Grafik entspricht nicht ganz dem, was man aus heutigen Vollpreis-Solospielen kennt, aber die Landschaft ist ganz ordentlich geraten und die Charaktere sehen sogar konkurrenzlos gut aus. Für Leute wie mich, die einen ersten Blick auf ein Onlinespiel riskieren wollen, ist es geradezu ideal. Und die knallharten Rollenspieler mit Erfahrung können sich ja selbst ein Bild machen.