Risen 2
Hier mein Fazit:
Story:
Ich will nicht spoilern, aber insgesamt:
Die Story ist nicht der Hammer. Das ist sie aber oft bei Rollenspielen nicht. Auf die Umsetzung
und Inszenierung kommt es an. Die ist bei Risen 2 gelungen - mäßig, aber dennoch gelungen:
Das Kampfsystem
Dies wurde vielfach kritisiert. Meiner Meinung nach zu Recht. Auch sehr schwere Gegner bzw.
welche, die es eigentlich sein sollten, sind fast immer "totklickbar". Der Fernkampf
(Speere / Gewehre) halte ich für overpowerd. Hier stimmt einfach die Balance nicht.
Mit dem Patch ist nun eine Ausweichrolle möglich, die den Stuneffekt nicht verhindert, aber
dem Spieler die Möglichkeit gibt, wieder ins Kampfgeschehen zu kommen, statt sich seinerseits
"totklicken" lassen zu müssen. Eine gute Neuerung.
Das Kampfsystem in Risen fand ich besser, taktischer, dynamischer, variantenreicher - zumindest gegen
Menschen. Wenn der Gegner da auf den Block (Schild) einschlug, "erzitterte" man regelrecht dahinter und lauerte auf seine Gelegenheit.
Das fehlt mir in dieser Form.
Gute Punkte am Kampfsystem sind meiner Meinung nach:
Der Einbau der "schmutzigen Tricks" und: ich kenne kein (Rollen-)Spiel, dass eine
Mischung aus Nahkampf mit einem Schwert oder ähnlichem und einer Pistole so gut und
stimmig in einem solchen Setting zusammengebracht hat.
Die einfache Mechanik der damaligen Pistolen wurde sehr gut umgesetzt, es macht Spaß, mit
Säbel und Pistole gegen den Gegner vorzugehen - weil das irgendwie richtig "piratig" ist.
Atmosphäre / Glaubwürdigkeit:
Von PB ist man atmospährische Spiele gewohnt. Risen war meiner Meinung nach auch hier
besser als sein Nachfolger. Das hängt für mich vor allem mit den teilweise langweiligen
Quests zusammen, aber vor allen Dingen mit den stark vereinfachten bzw. eingeschränkten
Möglichkeiten in der Inszenierung der Welt zusammen. Die Grafik ist für mich nicht so wichtig
(auch wenn ich das Verhältnis zwischen hardwarebedarf und dem was man als Performance zu Gesicht bekommt
nicht stimmig finde) - aber Immersion, die Stimmigkeit der Welt ist es sehr.
PB hat hier für mich deutliche Rückschritte gemacht, z.B.
- kann man nur noch mit wenigen Objekten einfach so interagieren. In einer echten, stimmigen Welt muß das aber
bis zu einem gewissen Grad gewährleistet sein.
- das Schlimmste: das Verbrechensystem (Konsequenzen) existiert nicht wirklich. Zwar verjagen Bewohner den Helden
aus ihren Häusern und es kommt auch zum Kampf, wenn man nicht hinausgeht oder trotzdem klaut. Das
bleibt aber konsequenzenlos - nach kurzer Zeit ist alles vergessen. Da ist man von den PBs einfach
eine bessere, glaubwürdige Umsetzung gewohnt - deshalb auch die Enttäuschung.
- Charakterentwicklung der NPCs: bleibt Mau. Niemand wächst einem wirklich ans Herz, keine
Figur wird als superwichtig betrachtet; die Charaktere bleiben größtenteils einfach
irgendwie blas. Mehr Dramatik und mehr Hintergrundgeschichten wären gut gewesen. Scheinbar hängt
niemandes Herz wirklich irgendwo dran. Es fehlen die Elemente großer und größter Ungerechtigkeit, Fairness
und Unfairness etc. pp. , so dass man gerne etwas mitverteidigt, sich für oder gegen etwas entscheidet.
Trotz der storytechnisch erwarteten Katastrophe ist niemand so wirklich geschockt oder
verzweifelt oder wirklich in Angst, während die Konflikte der Parteien weiter schwelen. Irgend sowas
hätte ich mir gewünscht.
- ein Minuspunkt für die Atmosphäre ganz klar: man kann NPCs (questunabhängig) nicht mehr töten. Das
war früher auch nicht nötig - aber es gehörte halt zur Glaubwürdigkeit, dass ich jemandem
mit einem Schwert ernsthaft verletzten oder gar töten kann - und dann auch die Konsequenzen zu tragen habe
als namenloser Held. Es geht auch nicht darum, npckillend durch die Gegend zu rennen - nur um die
Möglichkeit, dies zu tun. Das wäre glaubhaft gewesen.
- Als amtospährischer Killer entpuppte sich für mich auch die Lächerlichkeit der Belohnungen teilweise.
"Strand gefunden" - 50 Ruhmpunkte (5 Schritte waren dafür nötig oder so). Da kommt man sich als
heldwerdenwollender Leichtmatrose ziemlich veräppelt vor und sowas passiert leider öfter.
- Die Dialoge gefallen mir im Großen und Ganzen ganz gut.
- die schön gestaltete Inselwelt vermag mit manchem Anblick zu begeistern; teilweise kommt richtig
Dschungel- und Karibikfeeling auf. Jedoch stört es die Atmosphäre, wenn so wenig los ist in einem dschungelartigen
Lebensraum. Im wesentlichen gibt es halt eine Affenart, ne Sauerei und ab und an ein Kätzchen zu treffen.
Ach ja, feurige Vögel noch - aber das war es dann auch. Am Strand und questbedingt oder in Höhlen gibt
es dann auch andere. Es geht mir nicht nur um mehr Gegner,
vielmehr hätte ich mir mehr "Ambienttiere" gewünscht. Ab und an ne Ratte oder nen Truthahn - das reicht nicht ganz.
Selbiges gilt für "AmbientNPCs". Auch die (sehr klein ausgefallenen) Siedlungen: sie sind zu
unbelebt. Es sind zu wenige NPCs vorhanden, die ihren Aufgaben und Tagesabläufen nachgehen. Fast alle
die da sind, haben auch irgendeine "Funktion", meist als Questgeber / Wächter. Wenn ich da an
Khorinis denke..... .
- Entdeckungstrieb: ja, bricht immer wieder durch. Man will noch wissen, was am Ende der Wiese liegt,
im Wald ist oder auf jener Anhöhe verbrogen sein könnte. PB enttäuscht hier nicht, es gibt viel zu finden.
Das Problem ist dann, was man findet. Hat man erstmal so weit geskillt, dass man die entsprechenden
Truhen aufbekommt - ist man enttäuscht. Meist ist der angebotene Loot die "Reise" nicht wert gewesen.
Erinnert sich noch jemand, wie man in G2 in dieser Pyramide bzw. auf deren Dach / Spitze dieses geile Schwert fand?
Was man dafür tun mußte und wie lange es dauerte? Wie man andauernd die Beine in die Hand nahm als Held, rannte und
rannte und es dann schließlich doch schaffte? Sowas fehlte mir bei Risen 2.
Skillung:
Auch das ist eher negativ gelöst: das "neue" Skillsystem ist anders aufgemacht, aber das wäre ja okay.
Nicht okay ist, wie wenig Auswirkungen man verspürt, wenn man seinen Helden weiter levelt und ausbaut.
Das war bei Gothic 1 & 2 unerreicht klasse gemacht, auch in Risen war das deutlich besser.
Schnellreisefunktion:
gefällt mir nicht. Man klickt auf einen Ort in der Karte und "schwupps" ist man da. Trägt ebenfalls
nicht zur Glaubwürdigkeit bei - warum die Sache nicht mit einem der herumliegenden Ruderboote erklären?
Das wäre ohne weiteres möglich gewesen, auch wenn man dann manche Orte eben NICHT per Schnellreisefunktion
erreicht hätte - das wäre besser gewesen, als das "schwuppsdaisserja".
Das waren mir so weit die wichtigsten Punkte.
Ich vergebe trotzdem drei Sterne, auch wenn die Rezi hier sehr negativ klingt. Risen 2 macht mir
trotzdem Spaß. Ich hatte trotz allem immer das Gefühl, die Geschichte zu Ende erleben zu wollen.
Und ganz klar, alte Gothicfanromantik schwang und schwingt da mit. Sowohl in der Erwartung
und auch der dadurch bedingten Enttäuschung, als auch in einem gewissen positiven Spielgefühl, dass für mich bisher kaum eine andere Spieleschmiede so gut umgesetzt hat und auch diesmal wieder oft genug
aufflackert, um es durchzuspielen und stellenweise auch sehr zu genießen.
Kaufempfehlung? Von mir ein: "Ja, aber....." .
Was ich dabei auch erwähnen will: Niemand ist wirklich neutral. Die Spiele von PB haben einen
großen Vorteil, der zugleich vielleicht auch ihr größter Nachteil ist oder zu werden droht:
Gothic 1 +2 sind alt, und "wir" GothicFans sind mitgealtert. Wir erinnern uns vielleicht
allzusehr an die großen Momente der (unserer) Spielgeschichte von damals (ähnlich z.B. wie bei
Baldurs Gate; Populous; die Anfänge der Planer-Reihe, Patrizier (2), etc. pp.), die uns die
PBs beschert haben. Umso kritischer, enttäuschter sind wir dann vielleicht. Geht mir mit Musik
ähnlich.
Das macht uns zu unfairen Fans in gewisser Weise - und man kann sich bei einer Bewertung
zwischendurch vielleicht fragen, ob wir manche Dinge als störend empfinden würden in einem
Spiel, wenn wir nicht diese tollen, guten, einmaligen verdammten Momente in Gothic 1 & 2 erlebt hätten.
Die Vergangenheit soll man ruhen lassen - ich kann es nicht wirklich ganz.... - jemand der Risen 2
als erstes und einziges Spiel von PBs spielen möchte, kann gerne noch eine Stern obenauf zählen.