Die Jungs von Animation Arts haben mit dem fesselnden "Geheimakte Tunguska", dem mitreißenden "Geheimakte 2: Puritas Cordis" und dem abenteuerlichen "Lost Horizon" die mit Abstand besten Adventurespiele unserer Zeit erschaffen. Nun kehren Nina und Max in "Geheimakte 3" zurück. Endlich!
Meine Freundin und ich hatten uns vorgenommen, das Spiel an einem Tag durchzuspielen. Wir haben es geschafft! Und sind auf eine Spielzeit von über 8 Stunden gekommen, natürlich die Pausen zwischendurch nicht mitgezählt.
Meine Freundin hat in mühsamer Kleinarbeit einen Kommentar zum Spiel verfasst, an dem ihr euch am Ende der Rezension ergötzen dürft.
Selbstverständlich hat man gewisse Erwartungen an Spiele-Fortsetzungen. Ich habe unter anderem eine verschwörungsreiche, abstruse und extrem unterhaltsame Geschichte, schöne Render-Grafiken, aberwitzige Flachwitze von Nina und die Geheimakte-typischen Rätselketten erwartet. Leute? All das wurde erfüllt! ... Naja, fast.
"Geheimakte 3" erzählt eine ereignisreiche, wirklich abgefahrene Geschichte, die mich zu keiner Sekunde gelangweilt hat. Im Gegenteil: sie hat mich durchweg gefesselt.
Besonders gut hat mir die Dynamik direkt zu Beginn gefallen. Man wird, wie schon in den Vorgängern, direkt in's Geschehen gerissen und man muss ständig wissen, wie es weiter geht. Sehr gelungen!
Anders als in den Vorgängern wird diese Art von Dynamik das gesamte Spiel über beibehalten. Das mag leicht Abschrecken, da die einzelnen Kapitel in Teil 1 und 2 recht gemütlich verlaufen sind, aber glaubt mir - das, was "Geheimakte 3" hier bietet, ist Spielmotivation non stop! Vor allem Neulinge im Adventure-Genre werden mit diesem Spiel ihre helle Freude haben. Man kommt verblüffend flott voran und die Geschichte wird zunehmend spannend. Aber um ehrlich zu sein sind einige Kapitelübergänge doch ein bisschen Sprunghaft für meinen Geschmack. Oftmals werden sogar Schwarzblenden statt Zwischensequenzen eingesetzt, vor allem in den letzten Kapiteln. Ausgefeilte Filmreife sieht jedenfalls anders aus. Da haben die Vorgänger meiner Meinung nach mehr bieten können.
Die Grafik ist Augenschmaus pur! Besonders in diesem Bereich bleibt Geheimakte 3" seinen Vorgängern treu. Der Detailgrad ist extrem hoch und die zahlreichen Schauplätze sind authentisch inszeniert. Das Spiel unterstützt sogar HD-Auflösungen, was bei "Geheimakte 2: Puritas Cordis" für Probleme bei den Gegenständen gesorgt hat, die dann bei einer 16:9-Auflösung einfach mal aus der Bildfläche verschwunden sind.
Bei den Animationen der Charaktere hat sich nicht viel getan. Meiner Meinung nach hätte man sich bei der Lippensynchronisation noch ein bisschen mehr Mühe geben können, aber da man die Charaktere nur sehr selten sprechend aus der Nähe zu sehen bekommt, ist dies nichts weiter von Belangen. Die Charaktermodelle sind hübsch anzusehen und fügen sich nahtlos in die Spielwelt ein. Besonders die Gesichter sehen viel besser aus als noch in den Vorgängern. Wo Nina im zweiten Teil in Spielgrafik noch einen etwas zerknautschten Gesichtsausdruck hatte, zeigt sie in "Geheimakte 3" ihre grünen Augen in voller Pracht und schaut beispielsweise im Flugzeug mit nachdenklicher Miene in ihre Unterlagen. In den Zwischensequenzen jedoch, sind die Charaktere gewohnt perfekt inszeniert.
Für manch einen mag sich das Spiel rein optisch auf einem veralteten Niveau bewegen, für mich jedoch stimmt hier einfach alles. Zwar fehlt dem einen oder anderen Schauplatz etwas an Leben, aber im Großen und Ganzen habe ich mich vor allem grafisch wieder voll und ganz in die Geheimakte-Welt einlassen können. Einfach stark!
Die Rätsel sind in der Geheimakte-Serie als "sehr abstrus", "umständlich" und "kreativ" bekannt. Ich liebe das! Die Dynamik der Rätselketten ist einmalig, da machen die Entwickler wirklich alles richtig - außer in Geheimakte 3". Hier machen sie zwar nicht alles falsch, aber leider zu wenig alles richtig. Ergibt dieser Satz überhaupt noch einen Sinn? Egal.
In Nina's drittem Abenteuer begegnen ihr und dem Spieler überwiegend Kombinationsrätsel, die allesamt nachvollziehbar und gut durchdacht sind. Auch die sogenannten "Puzzles" und Herausforderungen, bei denen man den Schwierigkeitsgrad auswählen kann, sind wirklich gut in die Handlung integriert worden. Leider fühlte ich mich stellenweise ziemlich unterfordert. Wo man in den Vorgängern noch unendlich viele Gegenstände einsammeln musste, um eine einzige, noch nicht mal für die Handlung ausschlaggebende Aufgabe zu erledigen, geht das Rätseldesign im dritten Teil einen offensichtlichen, wenn auch logischeren Weg als noch in den Vorgängern. Dennoch: ich habe das überfüllte Inventar schon ein wenig vermisst. Warum diese Gegenstandshascherei auf diversen Spiele-Plattformen als Tiefpunkt" bezeichnet wurde, kann vermutlich kein einziger Geheimakte-Fan nachvollziehen.
Nichtsdestotrotz befindet sich das Rätseldesign von Geheimakte 3" auf einem anständigen Niveau, von dem sich einige Entwickler ruhig mal eine Scheibe abschneiden dürfen. Man weiß stets was zu tun ist und das nervige "Das geht nicht" oder "Das funktioniert nicht", was in diversen Adventures (die lieber ungenannt bleiben sollten) den Spielspaß absolut gebremst hat, ist bereits in Geheimakte Tunguska" ein absolutes Tabu. Die Entwickler wissen einfach, wie man den Spieler motiviert. Sie bleiben sich treu und das ist einfach bemerkenswert. Großes Lob!
Wo wir gerade schon mal bei Spielmotivation sind, komme ich direkt mal zum Punkt "Gameplay". Der Spielekomfort wird im dritten Teil der meistverkauftesten Adventure-Serie wieder einmal ganz groß geschrieben. Die Hotspot-Funktion, die das Anzeigen aller relevanten Gegenstände ermöglicht, ist ein bewährtes Feature und erweist sich vor allem für unerfahrene Spieler immer wieder als tolle Spielhilfe.
Das Tagebuch, welches in Teil 1 und 2 die wichtigsten Ereignisse prägnant und anschaulich zusammengefasst hat, fehlt in Geheimakte 3" leider komplett. Die aus "Lost Horizon" bekannte kommentierte Spielehilfe wurde übernommen. Nett, aber da tanzt der dritte Teil der Geheimakte-Reihe nun vollkommen aus der Reihe. So ein Tagebuch hat etwas Nostalgisches, was mich stark an die guten, alten Meisterwerke "Syberia" und "Still Life" erinnert. Ich habe die Tagebucheinträge verschlungen, da sie sogar meist noch mehr Informationen enthalten, als die Rahmenhandlung im Spielverlauf preisgibt.
Alles in Allem ist "Geheimakte 3" ein technisch einwandfreies Game, was ohne Onlinezwang oder jeglichen Unnötigkeiten daher kommt. Das Spiel ist bei mir nie abgestürzt und Bugs konnte (und wollte) ich nicht finden. Alles astrein.
Zum Sound gibt es vor allem eines zu sagen: ganz große Stärke des Spiels!
Nina Kalenkow hat eine neue Synchronsprecherin erhalten, was auch einige Monate vor Release des Spiels angekündigt wurde. Zunächst war ich skeptisch, aber nach den ersten Spielmomenten mit der Heldin habe ich kaum noch einen Unterschied bemerkt. Die neue Sprecherin macht ihren Job wahnsinnig gut und bringt Emotionen gekonnt rüber. Auch dem von mir so geliebten Geheimakte-Humor ist die Sprecherin gewachsen. Die gut eingebauten, meist herrlich flachen Sprüche kommen locker flockig rüber und wirkten auf mich zu keiner Zeit bemüht. Ich war mir stets sicher - das ist die Kalauer-Nina, die da über meinen Monitor flimmert. Grandios!
Auch die anderen Sprecher sind sehr gut bis brillant und hauchen den ausreichend animierten Charakteren Leben ein. Schade nur, dass man viel zu kurz mit einigen Nebencharakteren interagiert. Vor allem bei "Geheimakte 2: Puritas Cordis" habe ich beinahe gelegen vor Lachen, wenn sich Nina zum Beispiel auf einem Passagierschiff mit einem Paparazzi über eine defekte Waschmaschinenklingel, die eigentlich gar nicht wirklich defekt ist, sondern abmontiert wurde, fast die Haare rausreißt. Klingt absurd, ist es auch! Und genau das liebe ich an Geheimakte so sehr. Situations- und Holzhammer-Komik ohne Grenzen. Herrlich! Das fehlt in "Geheimakte 3" leider ein bisschen, tut dem ansonsten aber sehr guten Spiel keinen Abbruch.
Der Sound besteht aber nicht nur aus Sprechern - nein, die Musik gehört auch dazu! Und die ist in diesem Teil, meiner Meinung nach, noch bombastischer und epochaler als in den Vorgängern! Sollte eine Audio-CD mit dem offiziellen Soundtrack erscheinen, möge mir Amazon bitte Bescheid geben, egal wie! Dem Komponisten Thorsten Engel gebührt mein größtes Lob! Auch für den herausragenden Soundtrack von "Lost Horizon" ist er verantwortlich. Was für ein Typ!
Die Soundkulisse im Atmosphäre-Bereich ist ebenfalls super gut gelungen. Das Zirpen der Grillen in der Türkei, das Kriegsgeschrei im Alexandria 48 v. Chr. oder die lautstarken Hafengeräusche auf einem verschifften Flugzeugträger - das Spiel lebt!
Auf die Geschichte möchte ich nicht näher eingehen, nur eines möchte ich vorwegnehmen: nehmt, wie schon bei Teil 1 und 2, nicht immer alles so ernst, dann unterhält das Spiel einfach noch viel mehr. Der abgefahrene, zum Ende hin sehr verworrene Plot ist spannend, actiongeladen (trotz Mangel an Cutscenes) und voller Verschwörungs-Mystery-Kram. Abenteuer pur!
Insgesamt wirkt das Spiel im Nachhinein vielleicht etwas überschaubar und kurz, aber meiner Meinung nach sollte man ein Adventure nicht auf diese Weise betrachten.
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