das letzte album der mk-I-besetzung zeigt eine band, die vom sixties-pop kommend bereits in der tür zum progrock stand - um dann im letzten moment doch ein haus weiterzugehen, zum hardrock.
und es zeigt eine band, die es bereits nicht mehr gab. simper und evans waren bereits auf kurzarbeit bzw. beim ams angemeldet (hartz IV heißt das in deutschland, glaub ich), als das album erschien. absurd, aber auch später bei deep purple keine seltenheit.
der hardrock, der demnächst kommen sollte, ist hier bereits mehr als eine ahnung, er steht massiv im raum, in form von verhärteten bluesstücken wie "the painter" oder "why didn't rosemary", wo jon lord auf der orgel bereits riffs klopft und blackmore die schnellen töne von der leine lässt.
das ist der entscheidende unterschied zum vorgängeralbum. dort war orchestraler progrock die bestimmende farbe, der blues kam gar nicht vor.
coverversion ist diesmal nur noch eine dabei: "lalena" von donovan. die interpretation fügt dem original wenig neues hinzu, evoziert aber noch einmal wunderbar das lebensgefühl der hippiejahre, einen sound, den sie ab jetzt nicht mehr wollten. abgesehen davon croont hier rod evans fantastisch - wenn der gut war, war er wirklich sehr gut! genau genommen verabschieden sich deep purple mit diesem stück von den sechziger jahren.
schade drum, denn zb mit "bird has flown" zeigen sie, dass sich aus sixties-pop und hardrock durchaus etwas vernünftiges basteln lässt.
das eröffnungsstück "chasing shadows" gilt unter vielen fans als kleiner klassiker, zeigt es doch die richtung für die ganze reise vor. mir ist die nummer aber kompositorisch ein wenig zu stumpf. lustig ist aber der schmissige latin-beat, den ian paice hier nicht restlos unaufdringlich klopft - genau dieser groove kam dann später wieder in "you fool no one" wieder zum vorschein.
als zentrales stück dieses albums gilt zurecht "april", obwohl es am ende steht. hier führen deep purple in kompakter und beindruckender form noch einmal vor, wofür die mk-I-besetzung stand: für orchestralen früh-progrock (jon lord), sixties-folk-pop (evans und simper) und hardrock (blackmore und paice).
die bonstracks sind wie immer ganz interessant, aber klanglich weniger gut. fein aber, dass die hier die famose single-b-seite "emaretta" dazugegeben haben - ein weiterer beleg für die these, dass das crossover aus sixtiespop und hardrock funktioniert hätte.
ewig schade, dass diese besetzung nicht älter werden durfte und wir niemals erfahren werden, was die noch alles hätten leisten können - und das sage ich als fan von mk II und mk III. im grunde genommen sind das ja alles völlig andere bands. offenbar reichte ritchie blackmores geduld und aufmerksamkeitsspanne nie länger als 2,3 jahre und 3,4 alben.
erst seit steve morse kennt deep purple so etwas wie kontinuität, wobei die kreative spannkraft nicht mehr reicht, aus dieser kontinutität echte meisterwerke zu schöpfen. aber immerhin verwalten sie das erbe mehr als anständig.
fazit: die remastered-neuauflagen der ersten drei alben sind klanglich sehr gut und vermitteln ein faires bild einer völlig übersehenen besetzung (bzw. eigentlich eigenen band). diese alben sind erstaunlich gut und charmant gealtert, sie gefallen mir teilweise besser als manches auf späteren arbeiten. auf jeden fall hätten sie es verdient, dass man sie wahrnimmt.