Dieses Buch ist der Hammer ' am Freitag vergangener Woche auf meinem Schreibtisch gelandet, musste ich am Wochenende immer wieder darin blättern, weil es mich magisch anzog. In einem Buch »blättern« bedeutet üblicherweise, seinen Inhalt mehr oder weniger (un)interessiert zu überfliegen. Bei Decodeunicode ist das Blättern Teil des Systems, denn es ist erstens ein Nachschlagewerk und zweitens macht es das Universum Unicode physisch zugänglich. Immerhin sind auf 656 Seiten alle Schriftzeichen der Welt untergebracht, etwas genauer sind das 109.242 Zeichen.
Die Autoren des Nachschlagewerks sind der Mainzer Professor Johannes Bergerhausen, dessen Unicode-Poster in vielen Typografie-Büros hängt (auch bei mir), die Düsseldorfer Designerin Siri Poarangan (beide waren Sprecher auf der Berliner TYPO Designkonferenz 2011) sowie der Programmierer Daniel A. Becker. Gemeinsam mit Ihrem Verlag Hermann Schmidt Mainz ist es ihnen gelungen, den abstrakten Unicode-Kosmos erlebbar zu machen. Es klingt verblüffend, aber weder Poster noch Website (decodeunicode.org) konnten dies bis zuletzt leisten. Das Buch inszeniert den Kosmos der Schriftzeichen wie eine spannende Kreuzfahrt ' mit Farbigkeit, vorzüglicher Navigation, verschiedenen Papiersorten, Zwischenseiten, Essays und Anhängen. Es gliedert sich in die vier Kapitel Unicode (eine reich bebilderte Einführung), Zeichentabellen (alle 109.242 Zeichen auf rund 550 Seiten netto), Schriftsysteme (inklusive aller 111 noch nicht im Unicode aufgenommenen Schriftsysteme) und Anhang.
Das Jahr ist zwar noch nicht zu Ende, aber für Kommunikationsmenschen ist Decodeunicode schon jetzt so etwas wie das Buch des Jahres. Selbst wer sich nicht tagtäglich mit Sprachen und Zeichen beschäftigt bleibt sofort hängen an den liebevoll gestalteten Tabellen und Hintergrundberichten.