Reiner Kunze zählt zu den herausragendsten zeitgenössischen deutschen Lrikern. Das ahnte wohl auch das MfS als es 1968 einen operativen Vorgang unter dem Decknamen „Lyrik" begann. Doch wie zynisch das Vorgehen war kann man erst erahnen wenn man die von Kunze zusammengestellten Bruchstücke seiner über 3000 Seiten fassenden Stasi-Akte gelesen hat. Das Unbeschreibliche, die Kaltblütigkeit, der ganz banale Wahnsinn des DDR-Alltags und seines Geheimdienstes wird überdeutlich. Kunze macht in der Auswahl teilweise nur drei oder vier Zeilen zählender Texte die komplette und oft auch einfach aberwitzige Überwachung plastisch. Äußerst gut fand ich, daß Kunze die Texte nicht kommentiert, allenfalls kurze Erklärungen anfügt. Das läßt den Leser allein im Nacherleben dieser Zeit und verhindert daß er sich nur als Beobachter fühlt. Die durch dieses Buch nacherlebbar gemachten Jahre sind für Menschen, die nie in einem solchen System gelebt haben, wahrscheinlich absolut unvorstellbar und für die Ex-DDR-Bürger eine Herausforderung sich mit der eigenen Rolle auseinanderzusetzen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)