Es weihnachtete auch 1965, und der US-Plattenfirma der Stones fiel ein, dass man noch rechtzeitig zum Fest ein Album auf den Markt werfen sollte (daher wohl auch der Monatsname im Albumtitel). In Ermangelung neueren Materials sichtete man die Archive und stellte schnell 12 in den USA bis dahin auf Alben unveröffentlichte Songs aus den letzten zwei Jahren zusammen, wobei man sinnigerweise das Cover der englischen "Out of our Heads"-LP verwendete, von der man neben Gotta get away und I'm free auch She said yeah und Talkin' 'bout you übernahm. Drei Jahre nach ihrem Erscheinen äußerte sich Jagger zu der Platte ganz treffend, "December's Children" sei kein Album, sondern lediglich eine Ansammlung von Songs.
You better move on war bereits Anfang '64 auf einer UK-EP erschienen; ich fand immer frappierend, dass die Beatles mit Anna (Go to him) und die Stones mit You better move on zu Beginn ihrer Karrieren zwei solche stilistisch verwandten Songs von Arthur Alexander coverten.
Mit Get off of my Cloud/I'm free und As Tears go by/Gotta get away waren die beiden aktuellen US-Stones-Singles auf dem Album zu finden; letztere wurde sogar erst kurz nach Erscheinen des Albums ausgekoppelt. Für mich war As Tears go by mit Mick als wahrscheinlich (vielleicht neben Keith) einzigem an den Aufnahmen beteiligten Stone und dem Streicherarrangement stilistisch immer die Antwort der Stones auf Yesterday von den Beatles.
Mit Route 66 und I'm movin' on wurden amerikanischen Fans zwei weitere Songs der UK-EP "Got Live if you want it!" zugänglich gemacht (I'm alright war in den USA ein paar Monate zuvor auf "Out of our Heads" erschienen).
Die einzige Rarität auf diesem Album war Muddy Waters' Look what you've done. Larry Williams' She said yeah war ein weiteres typisches Stones-Cover für diese Zeit; in der Interview-CD zu seinem Album "Run Devil run" (auf dem er den Song ebenfalls coverte) erinnert sich Paul McCartney daran, wie er Jagger die Single Mitte der Sechziger vorspielte. Talkin' 'bout you war ebenfalls ein für diese Zeit typisches Chuck Berry-Cover, das auch die Beatles schon zu Cavern- und Star Club-Zeiten im Programm hatten.
Von den Jagger/Richards-Kompositionen bleiben The Singer not the Song und Blue turns to Grey etwas unbeholfen und dröge, während Gotta get away und besonders I'm free mit seinen Eight Days a Week-Reminiszenzen ("hold me, love me") und dem versemmelten Break im Mittelteil immerhin unbekümmerten Beatband-Charme der Mittsechziger verströmen.
Auf diesem (ansonsten in Original-Mono gehaltenen) klanglich hervorragenden Remaster von 2002 erschien einzig Look what you've done wie schon auf einigen '87er CDs wieder in Stereo; schade, dass der ebenfalls dort verwendetete äußerst rare Stereomix von Get off of my Cloud wieder der sattsam bekannten Monoversion weichen mußte; das wäre eine gute Gelegenheit gewesen, ihn zu remastern!
Über den Klang der SACD-Schicht kann ich keine Angaben machen. Angesichts einer Spielzeit von 29 Minuten hätte ich mich aber - wie bei allen Remasters der frühen Stones-Alben - doch sehr gefreut, wenn man ordentlich Material der beiden "Out of our Heads"-CDs (UK & US) mit diesem zu einem richtig ergiebigen Album zusammengefasst hätte; so muss man der Vollständigkeit halber wegen Look what you've done und Blue turns to Grey auch diese CD wieder kaufen; den Rest gibt's auch anderswo.