Nun gut, "Decas" ist sicherlich nicht die wichtigste und unbedingt beste CD, die As I Lay Dying je veröffentlicht haben. 3 neue Tracks, 4 Cover-Songs, 1 Medley aus Songs des ersten Albums und 4 Remixe.
Ich fange einfach mal am Ende an, damit ich mir das Beste bis zum Schluss aufheben kann: Die 4 Remixe sind tatsächlich ziemlich unnötig. Am interessantesten ist noch der "Wrath Upon Ourselves"-Remix von Ben Weinman (The Dillinger Escape Plan), das aber auch nur, weil er tatsächlich wie eine Mischung aus dessen Band, AILD und Breakcore klingt. Zumal dafür tatsächlich der gesamte Song auseinandergenommen und skizzenhaft wieder zusammengesetzt wurde. Die sonstigen Remixe sind - zumindest in meinen Ohren - so uninteressant, dass ich nicht wüsste, warum ich die Remixe mehr als einmal freiwillig hören sollte. Was für Remixe von Metal-Songs aber so ungewöhnlich ja nun auch nicht ist.
Das Medley ist eine Neuaufnahme einiger Songparts aus dem ersten Album der Band, "Beneath the Encasing of Ashes", das bereits als Teil der "A Long March: The First Recordings"-Compilation wiederveröffentlicht wurde. Die Idee ist ganz nett, ich persönlich hätte mir da allerdings vielleicht eher gewünscht, dass die Band ein paar komplette Songs des Albums neu aufnimmt.
Damit wären wir bei den Cover-Songs. Das Slayer-Cover "War Ensemble" ist bereits vom (kostenlosen und durchaus empfehlenswerten) "Homefront"-Videogame-Soundtrack bekannt und sehr ordentlich, die Judas-Priest-Cover "Hellion" und "Electric Eye" zeigen eindrucksvoll, woher die melodischen Gitarrenleads im AILD-Sound kommen. Sehr überraschend ist allerdings das Descendents-Cover "Coffee Mug", da ein Punk-Einfluss bei As I Lay Dying doch eher selten herauszuhören ist. Es ist aber schon interessant, der Band zur Abwechslung mal dabei zuzuhören, wie sie sich durch einen straighten Punk-Song prügelt.
Die drei neuen Songs wiederum stellen das Herzstück der CD dar. Cool finde ich, dass diese wie eine Verbindung aus dem alten, "typischeren" Metalcore-Stil ("Frail Words Collapse", "Shadows Are Security") und dem etwas technischeren, Metal-lastigeren neueren Material ("An Ocean Between Us", "The Powerless Rise") klingen. Dabei sind die Songs selbst denen auf den Alben kein Stück unterlegen, von Ausschussware kann man keineswegs sprechen. "Paralyzed" pendelt zwischen Groove und Melodie, "From Shapeless to Breakable" ist definitiv unter den härtesten Songs, die die Band jemals geschrieben hat (und kommt auch ohne Clean-Gesang, dafür aber mit einem netten Gitarren-Solo in der Songmitte und einem massiven Breakdown am Ende aus) und "Moving Forward" wäre mit seinem relativ verschachtelten Songwriting und den vielen Wechseln zwischen Clean-Gesang und Shouts auch auf "An Ocean Between Us" positiv hervorgestochen.
Alles in allem ist "Decas" sicherlich nicht für jeden ein zwingender Kauf - As-I-Lay-Dying-Fans machen allerdings nichts falsch damit, zumal zu den guten neuen Songs und den netten Cover-Versionen (die Remixe klammere ich jetzt mal aus, weil man die im Endeffekt eh nicht unbedingt öfter hört und sie somit keinen Mehrwert bieten) auch noch ein schönes Digipack inklusive Booklet mit den Texten zu allen neuen Songs (auch dem Medley) kommt. Auf die nächsten 10 Jahre As I Lay Dying!