Antiquitätenexperte Jack und Cate, die amerikanische Nichte seiner Chefin, machen sich von London zu einem alten Landsitz auf, um dort eine Auktion vorzubereiten. Beide sind damit beschäftigt, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten, und auch Endsleigh House hat eine dunkle Vergangenheit: in den 1940er Jahren ist von dort Diana "Baby" Blithe, eine berühmte Debütantin ihrer Zeit, unter mysteriösen Umständen verschwunden. In zwei getrennten Handlungssträngen werden die Geschichten von Cate und Diana erzählt, die einige Parallelen aufweisen.
Kathleen Tessaros Romane lese ich ganz gern. Sie sind nicht besonders tiefgründig und bleiben einem nach dem Lesen nicht allzu lange im Gedächtnis, aber sie bieten nette Unterhaltung für zwischendurch. Am besten hat mir bisher
The Flirt gefallen. "The Debutante" fällt dagegen deutlich ab. Der Anfang ist so richtig schlecht - klischeebeladen und vorhersehbar. Cate und Jack wirken wie Pappfiguren aus der untersten Stereotypen-Schublade: zwei wunderschöne Menschen mit wahnsinnig tragischer Vergangenheit, die verletzt und zutiefst enttäuscht wurden und nun nicht mehr an die Liebe glauben. Die sich anbahnende Romanze zwischen den beiden ist quasi ab Seite 1 für wirklich jeden erkennbar (außer natürlich Cate und Jack selbst...). Beste Voraussetzungen für unterdurchschnittliche Chick-Lit, von der es schon mehr als genug gibt. Nach etwa 50 Seiten hätte ich das Buch am liebsten wieder ins Regal gestellt, denn das ist überhaupt nicht meine (Lese-) Welt. Irgendwie habe ich aber durchgehalten, und allmählich ging es mit der Geschichte etwas aufwärts. Wirklich gut wurde sie zwar nicht, aber zumindest besser als der Anfang vermuten (bzw. befürchten) ließ.
Nach diesem (für mich) schwer verdaulichen Anfang wird die Story etwas interessanter. Während man nach und nach mehr darüber erfährt, weshalb Cate aus New York geflohen und unter welchen Umständen Jacks Frau gestorben ist, findet Cate ihrerseits langsam die Hintergründe für Dianas Verschwinden heraus. Wer auf sensationelle und wahnsinnig originelle Enthüllungen hofft, hofft zwar vergebens, aber das Ganze ist zumindest halbwegs unterhaltsam und liest sich flüssig. Das liegt vor allem an Tessaros sehr angenehmem Schreibstil. Während die Handlung in der Gegenwart eine klassische Erzählstruktur hat, wird die von Diana in Einzelepisoden und in Form von Briefen erzählt. Das macht die Lektüre (zumindest sprachlich) abwechslungsreich und hat mir ganz gut gefallen.
Am Ende werden natürlich alle offenen Fragen beantwortet und trotz der diversen Dramen steuert alles auf das in solchen Fällen offenbar unvermeidbare Happy End zu. So steigt zum Schluss hin dann auch der Kitschpegel wieder deutlich an. Das hat mich etwas genervt, und ich war ganz froh, dass da das Ende schon in Reichweite war.
Fazit: Nur knappe drei Sternchen für ein Buch, das meist vorhersehbar und oft kitschig ist, aber ein paar ganz gute Ideen enthält und ansprechend geschrieben ist. Wer Tessaro noch nicht kennt, sollte allerdings mit einem anderen Roman von ihr anfangen. Welcher ist eigentlich egal - die Vorgänger sind allesamt besser als dieser.