Neun Jahre ist es her, dass Six Feet Under "Maximum Violence" veröffentlicht haben, nicht nur das erste Album ohne Gründungsmitglied Allen West (den Ex-Obituary-Klampfer), sondern m. E. auch das beste - bis jetzt! Denn war der Vorgänger "Commandement" (2007) gegenüber der umstrittenen "13" (2005) schon eine deutliche Steigerung, brennt "Death Rituals" ein Death-Metal-Feuerwerk ab, dass es eine wahre Freude ist!
Der Opener "Death By Machete" beginnt mit einem für SFU-Verhältnisse schon fast progressiven und slayeresk anmutenden cleanen Gitarrenlick à la "Spill the Blood", gleiches gilt im Prinzip auch für das unheilsschwangere Outro "Crossing the River Styx". "Crossroads to Armageddon" könnte fast als düsteres Soundexperiment im Stile der alten Slipknot durchgehen, inklusive halb geflüstertem cleanen (!!!) Gesang (ja, von dem Chris Barnes!), in "Bastards" wandelt man auf Motörheads Spuren (auch wenn's ein Crue-Cover ist ;-) )und "Eulogy for the Undead" wartet mit einem Shoutchor und arabesken Elementen auf, die an Pro-Pains "Prophets of Doom" erinnern. Wow!
Mal ganz ehrlich: Wer hätte Six Feet Under so eine Entwicklung zugetraut?! Oder nennen wir es vielleicht lieber "Horizonterweiterung", denn die Änderungen halten sich soweit im Rahmen, dass man einerseits positiv überrascht wird, mischen sich aber andererseits mit bekannten Elementen. So bietet beispielsweise "Seed of Filth" gewohnte SFU-Kost, "Crematorium" versucht nach einem kurzen Bass-Intro das Durchschnittstempo zu pushen und "Shot in the Head" - einer meiner Favoriten - beginnt mit einer Nachricht, die auf einen Anrufbeantworter gesprochen wird und wohl als programmatisch für das neue und auf absolut unerwartete Weise genial ausgefallene Album gedeutet werden kann:
"[...] by the time you discover what you believe to be the truth there will be no one left to save, because I have perfected my killing technique!"
Für absolute Puristen mag das etwas irritierend sein, so wie nach "Reign in Blood" "South of Heaven" auf manche Slayer- und "The Code is Red..." auf manche Napalm-Death-Fans gewirkt haben mag. Denn als es hieß, dass SFU wieder ins Studio gehen, um ein neues Album aufzunehmen, ließ man nicht das Geringste verlautbaren, dass das neue Album derart vielseitig ausfallen würde. Die Überraschung ist echt gelungen! Tja, liebe Metallica, so geht das! Nicht erst künstlich einen Hype generieren und die Klappe aufreißen, um dann ein zwar grundsolides aber unspektakuläres Album abzuliefern, das die geschürten Erwartungen nicht erfüllen kann!
Für mich ist "Death Rituals" zusammen mit Benedictions "Killing Music" die (Death-)Metal-Platte des Jahres 08!
P. S. Wer dem Digi-Pack das normale CD-Case vorzieht und auf die Bonustracks, welche aus lediglich drei live-Versionen älterer Songs bestehen, verzichten kann, kann gleich zur normalen Version greifen und brauch die limited edition gar nicht erst großartig zu beachten.