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Die Idee, Grindhouse neu aufleben zu lassen, ist an sich schon nicht gerade umwerfend, denn warum man künstlich einen Film schlechter machen soll, um ein Feeling heraufzubeschwören, das man nur in schäbigen Kinos der 70er Jahre haben konnte, macht nicht wirklich Sinn. Was Tarantino hier macht, ist nichts anderes, als einer Zeit nachzuhängen, die längst vergangen ist. Er ist wie der Sportcrack in der Schule, der im Leben nichts erreicht hat und sich stattdessen an die gute alte Zeit erinnert. Dabei hat Tarantino ein Drehbuch und damit einen Film abgeliefert, der absolut indiskutabel ist. Wäre er nicht Tarantino, kein Studio hätte dieses Skript verfilmt. Und wäre er nicht Tarantino, jedes Studio hätte ihm einen solchen Film um die Ohren gehauen. "Death Proof" ist in sich nicht stimmig. Es vergehen geschlagene 40 Minuten, bis die Handlung wirklich einsetzt. Bis dahin sitzen Stuntman Mike und all seine späteren Opfer in einer Bar und reden, wie es Tarantinos Art nun mal so ist, über rein gar nichts. Interessanterweise sabotiert Tarantino seinen eigenen Ansatz auch gleich wieder, denn während die Art des Films deutlich nach den 70er Jahren aussieht und auch die Klamotten und Haare jener Ära zu entstammen scheinen, benutzt man doch auch Handys. Damit endet der Film irgendwo im zeitlichen Nirvana. Nach der Hälfte kippt der Film, 14 Monate sind vergangen und Stuntman Mike sucht neue Opfer. Diese zweite Hälfte ist etwas besser, auch wenn sich Tarantino hier auch nicht zurückhalten kann und sinnentleerte Dialoge am laufenden Band produziert. Die Action der Verfolgungsjagd kann dann für milde Unterhaltung sorgen. Wer Grindhouse- oder B-Filme der 70er oder 80er Jahre sehen will, der sollte einfach in die Videothek seines Vertrauens gehen und sich x-beliebige Actionkracher aussuchen. Da diese Film schlecht sind, weil ihre Macher rein gar nichts können, sind sie im Endeffekt auch spaßiger. Tarantinos "Death Proof" ist von A bis Z geplanter Trash, der aber - und darum scheitert er - bemüht und unwirklich erscheint. Fazit: Karrieretiefpunkt von Quentin Tarantino
Moviemans Kommentar zur DVD: Technisch gewollt mies zusammengestoppelt, so dass man hier nur schwer richtig werten kann. Der Ton hätte auf jeden Fall wuchtiger sein können und müssen.
Bild: Die Bewertung des Bildes fällt hier natürlich schwer, da vieles, was sonst zu enormem Punktabzug führt, hier natürlich gewollt ist. So ist die Vorlage grauenhaft erhalten, hat Dropouts am laufenden Band, Laufstreifen, Kratzer, Dreck - was auch immer man sich vorstellen kann. Dies betrifft aber nur die erste Hälfte des Films, die zweite wartet mit deutlich besserem Bild auf. Die Farben sind aber dennoch etwas grell. Dazu kommt ein weitgehend rauscharmes Bild und ein auffälliger Kontrast, der besonders zum Überstrahlen neigt. Die Schärfe ist teils ziemlich mager ausgefallen, aber auch hier gilt, dass die erste Hälfte schlimmer aussieht als die zweite (00:21:22; Haare).
Ton: Auffällig an der deutschen Fassung ist ein blecherner Hall, der vermutlich Absicht ist, auch wenn er im Original nicht vorhanden ist. Dazu kommen Knacksen in der Tonspur, Tonrisse und ein Surroundmix, der nur bei der Autoverfolgungsjagd am Ende echte Wirkung entfaltet. Ansonsten ist das Geschehen ziemlich ruhig gemischt, wobei große Strecken des Films ohnehin nur aus sinnfreiem Gelaber bestehen. Die Musik wird schön über die verschiedenen Kanäle angespielt, der Bass haut nur bei den Crashs am Ende richtig rein.
Extras: Es gibt eine kleine Musikauswahl und den Trailer. Das ist mager, aber wer will, kann sich ja noch mit der 2-Disk-Special-Edition erfreuen. --movieman.de
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"Gemessen an dem, was Quentin Tarantinos neuer Film vermutlich sein möchte, nämlich nicht nur eine ehrenwerte Verbeugung vor den
sleaze movies der Grindhouse-Ära, sondern ganz sicher auch eben selbst ein Vertreter des schmuddeligen Exploitation-Kinos, scheitert er grandios. "Death Proof" wäre so und wohl bestimmt auch nicht so ähnlich kaum in einem schäbigen Double Feature mit urigen Zombies, irren Highwaykillern oder satanischen Teufelsweibern gelaufen, denn er ist ganz einfach - viel zu gut. Und das ist in der Tat ein Problem: Da kann Tarantino das Filmmaterial so kokett verunstalten wie es ihm beliebt, hier einen Drop Out reinsetzen und da ein paar Cigarette Burns platzieren, den Ton knacksen und springen lassen oder das Bild auch mal eben beabsichtigt unbeabsichtigt schwarzweiß tünchen. Doch das nimmt seinem Film nicht jene Widersprüchlichkeit, die ihm den angepeilten Status eines Klassikers verwehren wird.
Ganz egal, ob es sich nun um "Vanishing Point", "Gone in 60 Seconds" oder "Death Race 2000" handelt, sie alle besitzen etwas, das "Death Proof" ganz gewiss fehlt: Nichts. Mit geringen Budgets, wenig talentierten Darstellern und meist überaus beschränkten Dialogen sind sie doch nur auf das Wesentliche aus, ohne geistige Umschweife und ohne Rücksicht auf Verluste - Sex(ismus) und Gewalt(verherrlichung) bestimmen die Handlung, das Mittel als Zweck begriffen, um in den Mitternachtsvorstellungen ein paar schnelle Dollar zu scheffeln. So arbeitet Tarantino nicht, trotz seiner enormen Sympathie fürs Genre. Sein Film orientiert sich nur in der amüsant infantilen Dramaturgie an den Vorbildern, manch ästhetische Verunglimpfung inbegriffen (das überrote Blut, das in gleichmäßigen Streifen auf den Scheiben des Autofensters klebt, zählt noch zu den gelungenen Details), und stellt sich mit bemerkenswertem Bewusstsein gewohnt selbst aus:
Wir machen hier Old School-Retro-Grindhouse-Kino, ganz postmodern und selbstreflexiv. Basta!
Nur hätte es da ein wenig mehr Konsequenz gebraucht. Tarantinos Dialoge sind viel zu clever, mehrdeutig und verschachtelt, sein visueller Stil wesentlich zu elegant, gerissen und ausgefeilt, um auch nur für eine Minute als Möchtegern-Schund funktionieren zu können. Sein Gespür für den richtigen Ton einer jeden Szene, die großartige Musikauswahl und überhaupt die Fähigkeit, etwas grundsätzlich Banales zum Gegenstand eines ganzen Handlungsabschnittes zu machen und somit quasi aus dem Nichts heraus eine innere Spannung zu evozieren, das alles ist eben nicht
sleazy,
campy oder
cheap, sondern einfach wunderbar unterhaltsam, sympathisch, hochwertig. Und auch wenn Tarantinos Film bestenfalls als Edel-Hommage durchgeht, so ist er als Nicht-Grindhouse-Film letztlich sogar Teil eines eigenständigen, (post)modernes Actionkinos, als Film mit unbestrittenen Qualitäten, die für sich genommen viel zu erwähnenswert sind, als dass sie einfach ignoriert werden könnten.
Da tut es "Death Proof" womöglich nur gut, dass er nach dem katastrophalen Einspielergebnis des Double Feature-Projekts ähnlich wie auch Robert Rodriguez' "Planet Terror" separat vermarktet wird, in einer längeren und souveräneren Version. Denn einerseits erscheint die Ambition des Films nicht mehr ganz so misslungen, wenn er aus dem Kontext des "Grindhouse"-Spektakels gelöst wird, vor allem aber gliedert sich "Death Proof" für sich genommen bereits in zwei Teile. Nachdem Kurt Russell, der lange nicht mehr so gut war wie in der Rolle des
Maniac on the Loose Stuntman Mike, die drei vermeintlichen Heldinnen zur Strecke gebracht hat, erzählt der Film die nahezu gleiche Geschichte noch ein zweites Mal, mit anderen (starken) Frauen im Mittelpunkt und einem irren Schlussgag. Was sich hier irgendwo zwischen quietschenden Autoreifen, augenzwinkerndem Feminismus und schwungvollen Jukebox-Plattitüden bewegt, ist nichts weiter als gewollter, aber doch schwer amüsanter Retro-Trash, der Tarantinos Versprechen nach dem zweigeteilten "Kill Bill" dann sogar doch noch ein wenig einlöst: Zwei Filme zum Preis von einem. Danke vielmals.
--- Rajko Burchardt (Mr. Vincent Vega)"