Eins vorweg: Die Spielfilmversion von Death Note besteht aus 2 Teilen, von denen der erste einfach nur als "Death Note" und der zweite als "Death Note - The Last Name" verkauft wird. Das Doppelpack "Death Note 1 & 2" deckt die Geschichte komplett ab.
Für Fans des nervenaufreibenden Animes des gleichen Titels ist wichtig zu wissen, dass die gesamte Handlung der Serie hier auf zwei jeweils 2stündige Spielfilme verteilt wurde.
HANDLUNG: Kein Anime hat mich je mit so einer packend geschriebenen Story beeindruckt wie Death Note - ein nervenzerfetzender Detektiv/Psycho/Mystery-Thriller vor einem fantastischen "Was wäre wenn"-Hintergrund: Was passiert, wenn ein einzelner Mensch ultimative Macht über Leben und Tod erhält und dabei unerkannt bleiben kann? Der Protagonist von Death Note verfällt dieser Versuchung der absoluten Macht in dem Glauben, Gutes zu tun - er exekutiert willkürlich verurteilte Verbrecher, aber auch Freigesprochene und nur Verdächtigte. Schnell entbrennt ein tödliches Duell eines genialen Meisterermittlers gegen den nicht minder genialen selbsternannten Richter/Henker/Massenmörder.
Die Faszination von Death Note entfaltet sich in der perfekten Balance dieser beiden Kontrahenten, die sich mit allen Mitteln gegenseitig zur Strecken bringen wollen. Der Protagonist, dem (noch) nichts nachgewiesen werden kann, sucht seinerseits die Nähe des Ermittlungsteams, um die Verdächtigungen gegen ihn zu entkräften. Dabei werden von beiden Seiten immer wieder Pläne innerhalb von Plänen geschmiedet, mehrfache Täuschungen und Fallen aufgestellt, Dialoge mit doppelten Böden zum Schlagabtausch genutzt. Der Zuschauer ist laufend auf mehreren Ebenen unterwegs und fiebert dem Umschlagen dieses empfindlichen Gleichgewichts entgegen, das oft nur scheinbar in die offensichtliche Richtung kippt. So wird man ständig auf maximaler Spannung gehalten, denn die Vorhersehbarkeit der meisten anderen Animes und Filme bekommt man bei Death Note nicht! Ich habe nach dem Tod einer zentralen Figur im Anime bis zur letzten Episode immer wieder aufflackernde Zweifel gehegt, ob der Verstorbene nicht doch wieder auftaucht und enthüllt, wie seine Ermordung nur sorgfältig fingiert worden ist, um seinen Gegner aus der Reserve zu locken. Solche Höchstspannung kenne ich von keiner anderen Serie.
All dies hat der Film sehr schön vom Anime übernommen, und Fans der Serie werden zahlreiche Kameraeinstellungen und Dialogzeilen wiedererkennen, die äußerst sorgfältig 1:1 adaptiert wurden und damit fast alles bewahren, was den Anime so großartig gemacht hat.
Lediglich das Ende traute sich der Regisseur umzukrempelt, um den Fans der Serie wieder einen dieser herrlichen Schockmomente zu bereiten, welche den Anime so unverwechselbar machen. Die neue Wendung ist maßgeschneidert und gefällt mir sogar besser als das Vorbild. Im Prinzip habe ich dieses Ende von den letzten Folgen der Serie die ganze Zeit erwartet und bekomme hier so späte Genugtuung ;-)
UMSETZUNG: Mit den Schauspielern steht und fällt das Ganze, und bis auf den Hauptdarsteller sind hier alle Figuren perfekt besetzt. Besonders Kontrahent "L" wird in all seiner genialen Verschrobenheit absolut makellos gespielt und man vergisst völlig, dass man nicht den Anime sieht. Leider finde ich den Darsteller des Protagonisten Light nicht besonders gelungen, weil ihm oft die verschlagene Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit der Vorlage fehlt - die Hauptfigur bleibt damit etwas blass für mich. Allerdings liegt das nicht nur am Schauspieler, sondern auch am Fehlen typischer Anime-Elemente wie Freezeframes (nach Manga-Vorbild) mit Zeitlupenzoom und innerer Monolog aus dem Off, der im Anime viel dazu beiträgt, dem Zuschauer die Hauptfigur nahezubringen. Im Film sähe das zu albern aus, also ließ man es weg. Schade, dass diese Stilmittel nicht durch etwas Funktionsgleiches ersetzt wurden, denn so sieht man Light zu sehr von außen und kann sich nicht so gut mit ihm identifizieren. Damit stehe ich als Zuschauer von Anfang an stärker auf der Seite von "L", was die Geschichte weniger packend macht. Im Anime war es nämlich gerade das Hin- und Hergerissensein zwischen dem Vertreter von Recht und Ordnung einerseits und dem Mutigen, der die Sache in die eigene Hand nimmt andererseits, welche mich zum Mitfiebern mit beiden Figuren brachte. Na ja, aber vielleicht fehlt mir ja auch nur die herrliche Ungewissheit des ersten Sehens, die leider einfach nicht wiederholbar ist... ;-)
Über solche nervigen Deppenfiguren wie Dummchen Misa Misa kann man generell streiten, aber immerhin wird ihre naive Hörigkeit gegenüber dem Protagonisten gut herausgearbeitet und sie bleibt - genau wie im Anime - für die Autoren lediglich Mittel zum Zweck, der Hauptfigur Light Handlungsmöglichkeiten zu schaffen.
Die beiden Shinigami (oder Todesengel) sind sehr schön als computergenerierte Figuren umgesetzt worden und sehen 100%ig aus wie direkt dem Anime entsprungen (nur eben detaillierter und komplexer beleuchtet).
Insgesamt wurde hier großer Wert auf eine absolut vorlagengetreue Umsetzung gelegt. Außer beträchtlichen Kürzungen (die aber immer sinnvoll bleiben) ist die einzige Abweichung vom Anime/Manga die Streichung zweier zentraler Figuren und deren Handlungsstränge gegen Ende der Serie, die für meinen Geschmack im Vorbild aber ohnehin ziemlich drangeklebt wirkten, um noch ein paar Episoden mehr aus dem Stoff quetschen zu können. Um die beiden ist es nicht schade.
TECHNIK: Die full HD-Auflösung der blu-ray wird meist gut ausgenutzt. Trotzdem sind öfters deutliche Unschärfen von seiten der Kamera zu bemerken, an welche aber immerhin die computergerenderten Figuren angepasst (d.h. künstlich unscharf gefiltert) wurden - so fallen diese optisch nicht aus dem Gesamtbild heraus und bleiben stets glaubwürdig.
AUSSTATTUNG: Die Untertitel in z.T. etwas hölzernem Englisch sind zweckmäßig, verraten aber den nicht-englischen Übersetzer. Eine englische Tonspur wie auch deutsche Untertitel gibt es nicht, also Vorsicht beim Kauf!
Die gute Stunde Bonusmaterial kommt auf DVD in niedriger Auflösung daher und besteht zumeist aus hinter-den-Kulissen-Drehs mit recht wenig Kommentar. Für mich war wenig Interessantes dabei, was aber auch an unterschiedlichen Erwartungshaltungen zwischen japanischen und westlichen Zuschauern liegen mag. Zu viel Höflichkeit, zu wenig Klartext. Aber das ist bei Hollywood auch nicht anders - da fällt es bloß nicht so auf, weil man es gewohnt ist.
FAZIT: Eine schöne Umsetzung des Animes, die mit einem besseren Hauptdarsteller hätte perfekt werden können.
ÜBERBLICK:
+ sehr akribische Umsetzung des fantastischen Animes
+ genialer "L"-Darsteller
+ Längen der Serie (gegen Ende) nicht übernommen
+ zentrales Duell zwischen Light und "L" perfekt fokussiert
+ abgewandeltes Finale wird der Story voll und ganz gerecht
- etwas blasser Hauptdarsteller (Light), dadurch
- unausgewogene Sympathien mit den Kontrahenten
- technische Umsetzung (Kameraschärfe) nicht immer perfekt