Wie erwartet gehen die Meinungen zum neuen Album aus dem Hause Metallica bereits jetzt sehr stark auseinander. Von völlig übertriebener, fanatischer Lobhudelei bis zu grundlosem Niedermachen ohne schlüssige Argumente ist alles dabei - wobei man sich zu diesem Zeitpunkt von den Bewertungen nicht allzu sehr täuschen lassen darf. Viele davon (sowohl positive als auch negative) wurden geschrieben, als gerade mal 2 - 3 Songs bekannt waren. Auch wurde die Bewertungsplattform wieder mal in ein Diskussionsforum verwandelt, was in Reaktionen auf Rezensionen natürlich legitim und erwünscht ist, aber als Bewertung selbst ein völlig verfälschtes Bild schafft... das sollte man beachten, wenn man sich die Durchschnittswertung ansieht.
Zu "Death Magnetic" selbst wurde bereits viel geschrieben, eines muss man als halbwegs objektiver Fan aber konstatieren: von einem absoluten "Meisterwerk" (und wenn ich von einem solchen spreche, meine ich "Master Of Puppets" und "Ride The Lightening") ist der aktuelle Output doch recht weit entfernt. Festmachen möchte ich diese Meinung daran, dass die CD für meine Ohren wie eine merkwürdig uninspirierte Mischung aus sämtlichen bisherigen Metallica-Perioden klingt.
Es gibt (zum Glück wenige) Versatzstücke aus "St. Anger" - vor allem was die stimmliche Qualität mancher"Passagen und einige Drum-Figuren betrifft (vor allem "The End Of The Line"). Auch die "Load"- bzw. "Reload"-Phase ist an einigen Stellen im Gitarrensound zu erkennen.
Die Länge der Stücke erinnert wiederum vornehmlich an "...And Justice For All", auch die Vertracktheit und der grundsätzliche Stil mancher Kompositionen entspricht diesem Klassiker ("Broken, Beat & Scarred", "The Day That Never Comes"). Auch das mittlerweile wohl schon recht bekannte "Cyanide" und "The Judas Kiss" können für die "neuen" Metallica-Verhältnisse durchaus überzeugen. Als wirklich sehr gut gelungen empfinde ich das Instrumental (bei mir eine Ausnahme, da ich sonst Stücke mit Gesang bevorzuge) "Suicide & Redemption", das es in meinen Ohren fast (!) mit "Orion" aufnehmen kann.
Zum Glück gibt es diesmal - ganz im Gegensatz zu "St. Anger" eigentlich keine Totalausfälle zu verzeichnen. Lediglich "The Unforgiven III" fällt meiner Meinung nach stark ab, vor allem weil man - dem Titel entsprechend - ständig Vergleiche zu den Vorgängern sucht. Fündig wird man kaum, was wohl vor allem am fehlenden, zwingenden Refrain liegt.
Warum es trotz einiger gutklassiger Songs trotzdem nur 3 Sterne gibt, hat folgende Gründe: die Referenzwerke von Metallica liegen nun mal in den 80igern, und wenn ich zwei CDs habe, auf denen groß "Metallica" steht, ist es doch legitim, eine besser und eine schlechter zu finden, auch ohne sie direkt (also vom Stil her) miteinander zu vergleichen. Wenn man "Ride The Lightening" mit 5 Sternen bewertet und als Meisterwerk bezeichnet, kann man "Death Magnetic" einfach nicht die gleiche Wertung einräumen. Das liegt für mich zum einen an jenem schwer fassbaren und sich einer Analyse widersetzendem Begriff des Songwriting, das bei Liedern wie "For Whom The Bell Tolls" oder "Master Of Puppets" sofort dieses außergewöhnliche Gefühl erzeugt, das den neuen Songs einfach fehlt. Zum anderen hat die neue CD für mich einfach den oben genannten Retrospektiv-Charakter, der versucht, alle Schaffensperioden der Band auf einem Album, zum Teil in einem Lied, zu vereinen. Dieses Vorhaben mag Geschmackssache sein, ich finde es jedenfalls nicht so gelungen, zum Teil klingen die Songs dadurch wie Coverversionen.
Insgesamt empfinde ich "Death Magnetic" als Durchschnitt, im Verhältnis zum Metallica-Gesamtwerk. Eine starke Verbesserung gegenüber "St. Anger" ist es aber allemal.