Bernard Cornwell meint es einfach nicht gut mit seinem Serienhelden Uhtred, dem ruppigen Krieger aus Northumbria: da lässt er ihn jetzt seit sechs Bänden kreuz und quer durchs mittelalterliche England hetzen, immer auf der Suche nach nordischen Invasoren, denen man die Köpfe einschlagen kann, und er gestattet seinem in die Jahre gekommenen Protagonisten, der mit 45 Lenzen inzwischen das für die damalige Zeit geltende Rentenalter längst überschritten hat, einfach nicht erwachsen zu werden. Unser vertrauter Begleiter für beinahe ein halbes Jahrhundert englischer Geschichte hat immer noch eine Schwäche für schlanke Schönheiten, üppige Gelage und gepflegte Raufereien mit skandinavischen Haudegen. das erledigt der Held immer noch in spätpubertärer Kraftmeierei, und trotz zahlreicher Schicksalsschläge wie den Verlust diverser Lebensabschnittspartnerinnen ist Uhtred ein psychisch erstaunlich stabiler, um nicht zu sagen stagnierender Typ, der einfach keine sichtbare Entwicklung durchmacht.
in den vorangegangenen Rezensionen wurde Cornwell ja schon als Schreibfabrik bezeichnet, was in gewisser Weise auch zutrifft. Der Autor ist augenscheinlich kein Freund literarischer Experimente, bei ihm kommen mit vorhersehbarer Zuverlässigkeit immer die gleichen Zutaten auf den Tisch bzw. ins Buch.
Dennoch muss man Bernard Cornwell zugestehen, dass er sich mit unbestreitbarem Talent und Fleiss seine eigene Marktnische geschaffen hat, ein kleines literarisches Wirtschaftswunder, das auf geräuschlose Art wie geschmiert läuft. Eines muss man ihm lassen - er kann auf konventionelle Weise Historienromane verfassen, die ohne viel Schnickschnack auskommen und oft packende Geschichten erzählen.
Der Grundgedanke dieser Romanserie, den sächsischen Kämpfer Uhtred als gewitzten Pragmatiker darzustellen, der sich selten mit einem schlechten Gewissen belastet, ist durchaus gelungen, nur ändert sich weder die Persönlichkeit noch die Perspektive, was nach den erwähnten sechs Bänden recht unglaubwürdig wirkt. Und da die Geschichte als Rückblick eines Greises erzählt wird, der immer noch amüsiert auf seine "Jugendsünden" blickt, steht zu befürchtem, dass sich dies auch bei den folgenden Bänden nicht ändern wird. Und mit dem Weggang Alfreds des Großen, der - siehe Titel - in diesem Band die Serie verlässt, verliert unser grimmiger Recke auch einen Antipoden, der seine Charakterisierung stimmiger und auch witziger gestaltet hatte.
Ein bewährtes Grundrezept ist die eine Sache, dagegen lässt sich schlecht etwas sagen - nur das dieses ständig unverändert aufgeköchelt wird, macht aus einem ursprünglich leicht verdaulichen Appetithappen eine ziemlich fade Angelegenheit. die hundertste Kampfszene im Aufguss ist ein Genuss, auf den man durchaus verzichten kann. Bei dieser Serie hat man im Grunde genommen spätestens ab dem dritten Band eine Abwärtstendenz feststellen können, die mit diesem sechsten Band hoffentlich ihren Tiefpunkt gefunden hat - ansonsten kann man auf die Folgebände getrost verzichten.