Nachdem "Die Tribute von Panem" dystopische Jugendromane zum neuen "Twilight" gemacht haben, sprossen neue Romane und Romanserien dieser Art wie Unkraut aus dem Boden; nur während mich der Vampirboom niemals gepackt hat, bin ich in vielen Fällen angenehm überrascht von den düsteren Zukunftsszenarien, die uns in dem neuen Welt-Lieblingsgenre präsentiert wird. Mit "
The Maze Runner" hat James Dashner eine spannende und vor allem mysteriöse Erzählung geschaffen, die mit Rätseln und Brutalität nicht geizt und ihren Siegeszug in einem noch actionbeladeneren "
The Scorch Trials" fortsetzt. Für Teil 3 versprach er im voraus vor allem eines: Antworten. Leider fühle ich mich nach dem Lesen eher betrogen und ähnlich wie nach dem Finale von "Lost" - während ein paar Antworten präsentiert wurden, ist das meiste doch eher so schleierhaft geblieben, dass die Interpretation eher dem Leser überlassen wird. Wogegen ich mich prinzipiell gar nicht sträuben möchte, nur: Das Ganze wirkte so, als wisse Dashner selbst eigentlich gar keine passablen Antworten oder wie er diese glaubwürdig rüberbringen will.
Dazu folgen *****SPOILER*****
- Ich kann leider überhaupt nicht nachvollziehen, warum Thomas sich dagegen entscheidet, sein Gedächtnis zurückzubekommen - dies wäre meiner Meinung nach sehr essentiell gewesen: Wir erfahren nie, warum er vor den Trials so eifrig mitgewirkt hat, was ihn wirklich dazu bewogen hat, was ihn so eng mit Teresa verbunden hat. Die paar Erinnerungsträume geben uns nur einen dürftigen Einblick. So werden wir um den Thomas, der das Labyrinth miterschaffen hat und eine Schlüsselfigur bei WICKED war, völlig betrogen. Einmal abgesehen von ihm verliert das ganze Gedächtnisprozedere am Ende ohnehin seinen Wert: Wenn man bedenkt, was für ein wichtiger Handlungsstrang das zu Beginn des Romans ist, warum wird das am Ende völlig fallengelassen? Warum redet Thomas nicht mit seinen Freunden, die ihr Gedächtnis zurückbekommen haben, woran sie sich erinnern und wie es ihnen damit geht?
- Genauso wenig kann man die Motive von WICKED ergründen. Gut, sie wollen den Erhalt der Menschheit sichern. Aber all die Variablen aus den Trials verbleiben so letztlich nur eines: Variablen. Auch hier erhält man keine Antworten, was im einzelnen dahintersteckte. Warum man Monster auf Kinder hetzt, warum man ihnen seltsame Dinge auf den Nacken tätowiert, warum Teresa und Aris Thomas in Band 2 so elend verraten mussten, warum Thomas und Teresa die letzten beiden Glader sein mussten. Was mich noch mehr nervt: Wenn es mal einen Augenblick gibt, wo einer der Charaktere ein paar Antworten geben müsste, hat Thomas entweder keinen Bock, sie zu hören, oder sie haben gerade "keine Zeit". Das kam bei mir so an: "Ich, James Dashner, habe eigentlich keine Antwort oder bin zu faul, sie aufzuschreiben."
- Die Liebesgeschichte hinkt. Es ist schade, dass Dashner an die beliebten Liebesdreiecke anderer Jugendromane anschließen musste, aber so richtig befriedigend ist das nicht. Die Schlüsselfigur Teresa verschwindet in Band 3 fast vollständig und Thomas kann sie durchweg nicht entscheiden, ob er sie liebt oder sie nun hasst, und ihr Tod kommt so absehbar und abgehackt, dass er einen völlig kalt lässt.
- Was liefert uns Band 3 stattdessen? Die Zombie-Apokalpyse. Und alles andere wäre gelogen - eine Jagd, eine Actionszene folgt auf die nächste.
*****SPOILER-ENDE*****
Teilweise war ich versucht, mit dem Lesen aufzuhören, aber die Hoffnung auf ein befriedigendes Ende hat mich dennoch vorangetrieben. Das Buch hat auch durchaus Stärken, die ganze Newt-Geschichte zum Beispiel war mutig und gelungen umgesetzt, aber wenn ich daran denke, wie sehr ich Band 1 und 2 verschlungen habe, war der Abschluss der Trilogie äußerst ernüchternd.
Ein wenig Hoffnung bleibt: Im August folgt ein Prequel ("
The Kill Order") - vielleicht gewährt uns dieser Roman ein paar tiefere Einblicke. Aber allzusehr werde ich nicht darauf bauen.
Alles in allem kommt man um Band 3 nicht herum, wenn einem die ersten beiden gefallen haben, aber ich war insgesamt enttäuscht - ein fades Ende einer ansonsten spannenden und gut umgesetzten Trilogie.