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Die Suche nach Fragen oder Antworten in dem schier unendlichen Dickicht von Sounds und kühnen Ideen ist gar nicht so einfach. Das erging am Anfang auch Gitarrist Kyp Malone so. Als er zum ersten Mal das von Sänger Tunde Adebimpe und Sitek aufgenommene OK Calculator hörte, wurde ihm ganz schwindelig. Kyp wusste nicht, wohin sich die beiden mit ihrer Band entwickeln wollten, war aber neugierig genug und von dem neuen Sound dermaßen angefixt, um sie weiter im Auge zu behalten. "Aspects of OK Calculator are genius," sagt Malone, "but it isn't as laser-focused as Young Liars. Eine gewisse Portion Skepsis gegenüber dem Projekt TV On The Radio blieb dennoch.
Das änderte sich erst mit den Demos zur ersten richtigen ersten Platte Young Liars. Der Sound bestand von nun an nicht nur aus wilden Ideen, die in ihrer Ungestümtheit aneckten, sondern hatten auch System. Epochaler Pop wie Starring At The Sun oder die Ballade Blind deuteten schon früh darauf hin, dass man es hier mit einer Band zu tun hat, die einen noch über die nächsten Jahre beschäftigen wird. Das sah Kyp Malone ähnlich und stieg als Vollzeitmitglied bei der Band ein. Komplettiert wurden TV On The Radio dann durch Bassist Gerard Smith und Drummer Jaleel Bunton, da man dringend eine komplette Live-Besetzung brauchte.
"We had a gig in Iceland where we needed a full band so we asked the two best guitar players we knew, Gerard and Jaleel, to play drums and bass," erklärt Sitek. "It's absurd that Kyp and I are even holding a guitar when Jaleel and Gerard are fucking bananas at playing it."
Vielleicht erklärt gerade dieser Zustand den kreativen Spielraum der Band. Jedes Bandmitglied beherrscht das Instrument des anderen, was den Entstehungsprozess eines Songs zu einer durch und durch organischen Sache werden lässt.
"Music is the most flexible medium in the world for me. There is no shortage of ideas; the hard part is not following each whim. It takes most bands an album to get to a high track count. I can go from 4 to 96 in a day, without question. I'm track hungry, really. A lot of stuff isn't even an instrument", beschreibt Sitek die Arbeit seiner Band.
Mit dem Schichten von Sounds begannen TV On The Radio auf ihrem 2006 erschienenen Album Return To Cookie Mountain, dessen vollen Sound man nur durch Kopfhörer in seiner Gänze erfassen konnte. Auf ihrem neuen Album Dear Science treiben sie das Multi-Tracking auf die Spitze. Der Album-Opener Halfway Home ist ein typisches Beispiel dafür. Ein langes, getriebenes Intro läutet ein Album ein, das viele wahrscheinlich nur mit einem Wort beschreiben werden: Wahnsinn!
Dear Science ist ein an Einflüssen reiches Album geworden und eine echte Herausforderung für seinen Hörer. Auf Dancing Choose hört sich Tunde wie ein Battle-Rapper an, Shout Me Out setzt sich aus einem Drum & Bass Rhythmus zusammen und Stork & Owl klingt wie der Soundtrack zu einem Film Kopfkino für Fortgeschrittene. "If people are listening to us because we're dark and brooding, great," sagt Sitek, "But I think there's a greater percentage looking for us to do something different with every album. Some of the darkest songs on Dear Science are the more upbeat ones. Like 'Crying' is fucking heavy, dude."
Für Tunde Adebimpe war die Arbeit am neuen Album auch ein Stück weit Trauerbewältigung, da in dieser Zeit einige Familienmitglieder und Freunde starben. "It's like Bukowski once said, 'I write all of this stuff to get away from it,'" fügt Adebimpe hinzu, "Writing is a meditation, an exercise to put away all these painful things.
Deshalb ist Dear Science noch lange kein Album für dunkle Seelen geworden, die sich in ihrem Selbstmitleid laben, sondern ein Werk voller Genialität und Hoffnung, das seine Hörer fühlen lassen will, wie großartig Musik sein kann. Ein bewegenderes Album wird man in 2008 nicht mehr hören dürfen; schon jetzt ist Dear Science auf dem besten Weg zum Klassiker.
Kurzbeschreibung
Was für ein Meisterwerk! Manchmal groovt es wie Prince in seinen besten Zeiten, dann blitzt die Genialiät eines Michael Jackson in der Thriller-Aera auf und später rockt es doch noch wie Velvet Underground ganz früher. Mehr Musikalität war nie! Dabei wusste das Quintett aus New York schon immer mit vielfältigen Sounds und von Jazz über Soul bis Rock changierenden Stilen den Musikfan zu entzücken, doch nun gehen sie einen Riesenschritt weiter in Richtung Popmusik; zwar bleibt das Material vielschichtig, aber auch immer transparent. Da bleibt es auch nicht aus, dass sich eine Beinahe-Ballade zwischen die unwiderstehlich treibenden Beats der potentiellen Tanzflachenfüller einschleicht.
Seit dem 2004 mit dem Shortlist Music Prize ausgezeichnetem Debüt-Album Desperate Youth, Blood Thirsty Babes ist viel passiert: David Bowie adelte das zweite Album 2006 mit seiner Anwesenheit und prompt gelang nicht nur in den USA der kommerzielle Durchbruch. Zuletzt veredelte die Band um Über-Produzent David Sitek als Gäste das Album der Schauspielerin Scarlett Johannsson.
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