Dear Reader

Top-Alben von Dear Reader



Song-Bestseller von Dear Reader
Sortieren nach:
Topseller
1-10 of 61
Song Album  
30
30
30
30
30
30
30
30
30
30

Videos


Bilder von Dear Reader
Bereitgestellt von den Künstlern oder deren Vertretern.

Neuester Tweet

dearreadermusic

 Just Announced: Berlin, Germany - Oct 2 at Berlin Independent Night http://t.co/v9oBZmSQ6D


Biografie

Wenn Tom Schilling seit letztem Jahr in dem großartigen Debüt Film „Oh Boy“ durch Berlin driftet, dann sucht er seinen Koffein-Fix zumeist zu einem sehr swingenden Jazz Soundtrack, der den vielen absurden Situationen, in denen er sich unversehens findet, immer eine wunderbare Leichtigkeit verleiht. Doch wenn es mal kontemplativer zugeht, wenn die Szenerie nachdenklicher und die Ziellosigkeit über das Lockere die Oberhand gewinnt, dann hört man jedes Mal einen sehr schönen und stillen Piano Score. Diese Musik stammt aus der Feder und den Händen von Cherilyn MacNeil, einer jungen Dame aus ... Lesen Sie mehr

Wenn Tom Schilling seit letztem Jahr in dem großartigen Debüt Film „Oh Boy“ durch Berlin driftet, dann sucht er seinen Koffein-Fix zumeist zu einem sehr swingenden Jazz Soundtrack, der den vielen absurden Situationen, in denen er sich unversehens findet, immer eine wunderbare Leichtigkeit verleiht. Doch wenn es mal kontemplativer zugeht, wenn die Szenerie nachdenklicher und die Ziellosigkeit über das Lockere die Oberhand gewinnt, dann hört man jedes Mal einen sehr schönen und stillen Piano Score. Diese Musik stammt aus der Feder und den Händen von Cherilyn MacNeil, einer jungen Dame aus Südafrika, die unter dem Namen DEAR READER Musik macht und von der man mit Fug und Recht behaupten kann, dass sie mittlerweile auch in Berlin angekommen ist. Sie lebt und arbeitet im Kreativ-Zentrum ‚du jour’ Neukölln, tourt regelmäßig durch die Republik und den Rest von Europa, erobert Herzen im Sturm, wenn sie auf der Bühne nur den Mund aufmacht und komponiert nicht nur Musik für Berlin Filme, sie zahlt sogar ihre Steuern hier. Und wenn die Distanz erstmal groß genug ist, dann liegt die Beschäftigung mit der fernen Heimat ja geradezu auf der Hand. So erschien sie also im Sommer 2012 bei ihrem Label und verkündete in ihrem unfassbar guten Deutsch: „Ich fange jetzt mal mit meinem neuen Album an. Es wird überwiegend sehr spärlich zugehen. Hauptsächlich meine Stimme, etwas Piano und Schlagzeug...und dann noch etwas mehr von meiner Stimme. That’s it. Und es wird thematisch um Südafrika gehen.“ Ende des Zitats. Jetzt, nur zwei Jahreszeiten später, hat Cherilyn ihre Ankündigung wahr werden lassen und legt nun ihr neues Werk vor, das dritte DEAR READER Album: „RIVONIA“.

Eines fällt sofort auf, es geht musikalisch ganz anders zu als sonst bei DEAR READER. Eines der wesentlichen Instrumente diese Platte ist tatsächlich Cherilyns Stimme, die sie kunstvoll übereinander türmt, untereinander schiebt, nebeneinander stellt und, wo es ihr nötig erscheint, mit anderen talentierten Sängern und Sängerinnen ergänzt. Zudem sind die Songs, wie angekündigt, meistens nur spärlich mit Piano und Schlagwerk akzentuiert. Zumindest für die ersten Sekunden des jeweiligen Songs. Doch dann ist es ist doch noch etwas mehr geworden. Sie hat sich einfach ein paar der besten Musiker der Stadt geleistet. Oder eine musikalische Familie von Holzbläsern aus Leipzig. Sie hat ihnen vorgesummt und gesungen, was sie gerne von ihnen hätte. An Küchentischen und in feuchten Kellern haben sie ihr ins Mikro gespielt, ohne jemals das ganze Lied zu hören. Sie summte, und ihre Gegenüber bliesen in ihre jeweiligen Trompeten, Oboen oder Fagotte, oder spielten auf ihren Geigen und sonstigen Instrumenten. Oder aber sie sangen nur eine kleine, kurze Figur, bzw. Textzeile. Um dann im Studio zu einem vielstimmigen Chor zusammengesetzt zu werden, der sich noch nie in echt getroffen hat...

Und dann ist da der Drummer, noch nie so prominent wie auf diesem Album, eine Säule, eine sehr verantwortungsvolle Rolle, ein großes Problem, wen soll man da fragen? Enter Earl Harvin, den fabelhaften Drummer der Tindersticks. Wenn er nicht gerade auf Tour ist, lebt er im Norden von Berlin. Mit Earl kam der Groove, kamen die großen Pauken, mit Earls intuitivem Drumming entstand das organische Gerüst dieser Platte im Studio in Neukölln. Der Rest blieb noch monatelang in Cherilyns Kopf und kam erst nach und nach dazu. Bis all die Spuren aus ihrem Kopf raus waren, und aufgenommen waren. Dann kam noch ein Großmeister seines Faches hinzu: Eli Crews, ein Mixer in Brooklyn, bekannt für seine Arbeiten mit Tuneyards, WHY? und Deerhoof. Eli war Feuer und Flamme und stürzte sich mit der gleichen Wucht in die Endabmischung, mit der nur wenige Tage später der Hurricane Sandy seinen Strom abstellte und alles kurzzeitig zum Stillstand brachte. Am Ende aber dieses langen Entstehungsprozesses voller Aufs und Abs steht eine DEAR READER Platte, die auf völlig andere Art und Weise als ihre Vorgänger in sich ruht.

Mit ihrem 2009er Debüt „Replace Why With Funny“ begeisterte das (damals noch) Duo mit seinem eleganten Kompromiss zwischen federleichter Musik und abgrundtiefen Texten. Doch nicht nur in den Liedern zerbrachen Beziehungen, auch die beiden Bandmitglieder gingen bald ihre eigenen Wege. Während Darryl Torr weiterhin in Südafrika blieb, zog es Cherilyn MacNeil wie gesagt nach Berlin. Seitdem ist DEAR READER nur noch Cherilyn MacNeil. War es eigentlich schon immer. Nur ist es jetzt offensichtlicher. Etwas mehr als zwei Jahre später ist mit „Idealistic Animals“ der Nachfolger erschienen, gemeinsam mit Produzent Brent Knopf (Menomena) schuf sie eine Instrumentalisierung, die sich wie ein sorgvoller Schutzwall um die leicht zerbrechlichen Texte baut. Es ging um Glaubensverlust, existenzielle Selbstzweifel und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben, „Idealistic Animals“ war aus einer echten und heftigen, zwei Jahre andauernden Depression geboren. Und „RIVONIA“? Ist quasi die Rückkehr ins Leben (bitte dazu auch „Back From The Dead“ anhören, mit diesem herrlich triumphalen Finale). Ist ein beeindruckender Return To Form. Auf „RIVONIA“ rückt Cherilyn MacNeil ihr Ensemble gerne mal in die Nähe eines Musicals und lässt sie zu Harvins Pauken aus dem vollen schmettern. Doch in den intimeren Momenten geht es ruhiger und konzentrierter zu als je zuvor. Obendrein: es ist ganz allein ihre Platte. Die letzten DEAR READER Alben wurden immer von einem außenstehenden Produzenten angeleitet. Diese hier nicht. Dies hier ist 100% DEAR READER. So wie sie sich das ausgedacht hat, von vorne bis hinten.

Sie hat sich sogar sehr viel dabei gedacht. „RIVONIA“ ist benannt nach dem Johannesburger Viertel, in dem Cherilyn aufwuchs. Doch es gab auch die „Rivonia Trials“, die Schauprozesse infolge derer Nelson Mandela und die komplette Führungsriege des damals noch illegalen ANC für Jahrzehnte auf die Gefängnisinsel Robben Island verbannt wurde. Auf einer Farm in eben diesem Rivonia wurden die meisten von ihnen auf einen Schlag verhaftet. Mutmaßlich, weil ein kleiner Junge versehentlich ihr Versteck preisgab. Eins der stärksten Stücke des Albums „Took Them Away“ singt sie aus der Sicht eben dieses Jungen. „Teller Of Truths“ wiederum singt sie aus der Sicht des Beraters Gala, der den Zulu König Shaka für einen Moment mit ein paar klaren Worten zur Raison bringen konnte. Sie besingt den glorreichen Moment der ersten freien Wahlen nach dem Ende der Apartheid in dem Song „27.04.1994“. Sie erzählt eine Geschichte über ihren Ur-Ur-Ur-Großvater, der mit Mahatma Ghandi in Südafrika zusammenarbeitete (in „Man Of The Book“), sie widmet den ungezählten, ausgebeuteten Arbeitern in den Gold-Minen von Johannesburg gleich den Eröffnungssong dieses Albums. Und sie endet das Album mit dem imposanten „Victory“, einer, nicht missverstehen, „Anti-Battle–Hymne“ zweier Kriegs-Parteien, die sich ihren Siegeswillen zusichern, im festen Glauben, dass ihr „Gott“ nur auf ihrer Seite ist. Klingt wie ein Traditional, gehört aber auch zu Cherilyn MacNeils neuem musikalischen Spektrum. Ein imposantes Finale zu einem Album, das eine tolle, untypische Erweiterung des standardisierten Folk Kanons bietet. Sie entwickelt musikalisch eine völlig eigene und außergewöhnliche Klangsprache und räumt inhaltlich ihren Charakteren in bester Storytelling Tradition viel, viel Raum ein, ohne jemals den Fokus zu verlieren. „RIVONIA“ ist dabei aber kein vertontes Geschichtsbuch und auch nicht der Versuch südafrikanische Vergangenheit aufzuarbeiten. Das kann eh kein Pop Album leisten. Es ist bei aller Konzeption immer noch ein extrem persönliches Album. Das bereits erwähnte „Back From The Dead“ ist da nur beispielhaft mit seiner doppelten Bedeutung. Einerseits den Gefangenen von Robben Island gewidmet, andererseits ebenso ein Lied über das irgendwie, irgendwann bei sich selber Ankommen. Glück.

Diese Biografie wurde von den Künstlern oder deren Vertretern bereitgestellt.

Wenn Tom Schilling seit letztem Jahr in dem großartigen Debüt Film „Oh Boy“ durch Berlin driftet, dann sucht er seinen Koffein-Fix zumeist zu einem sehr swingenden Jazz Soundtrack, der den vielen absurden Situationen, in denen er sich unversehens findet, immer eine wunderbare Leichtigkeit verleiht. Doch wenn es mal kontemplativer zugeht, wenn die Szenerie nachdenklicher und die Ziellosigkeit über das Lockere die Oberhand gewinnt, dann hört man jedes Mal einen sehr schönen und stillen Piano Score. Diese Musik stammt aus der Feder und den Händen von Cherilyn MacNeil, einer jungen Dame aus Südafrika, die unter dem Namen DEAR READER Musik macht und von der man mit Fug und Recht behaupten kann, dass sie mittlerweile auch in Berlin angekommen ist. Sie lebt und arbeitet im Kreativ-Zentrum ‚du jour’ Neukölln, tourt regelmäßig durch die Republik und den Rest von Europa, erobert Herzen im Sturm, wenn sie auf der Bühne nur den Mund aufmacht und komponiert nicht nur Musik für Berlin Filme, sie zahlt sogar ihre Steuern hier. Und wenn die Distanz erstmal groß genug ist, dann liegt die Beschäftigung mit der fernen Heimat ja geradezu auf der Hand. So erschien sie also im Sommer 2012 bei ihrem Label und verkündete in ihrem unfassbar guten Deutsch: „Ich fange jetzt mal mit meinem neuen Album an. Es wird überwiegend sehr spärlich zugehen. Hauptsächlich meine Stimme, etwas Piano und Schlagzeug...und dann noch etwas mehr von meiner Stimme. That’s it. Und es wird thematisch um Südafrika gehen.“ Ende des Zitats. Jetzt, nur zwei Jahreszeiten später, hat Cherilyn ihre Ankündigung wahr werden lassen und legt nun ihr neues Werk vor, das dritte DEAR READER Album: „RIVONIA“.

Eines fällt sofort auf, es geht musikalisch ganz anders zu als sonst bei DEAR READER. Eines der wesentlichen Instrumente diese Platte ist tatsächlich Cherilyns Stimme, die sie kunstvoll übereinander türmt, untereinander schiebt, nebeneinander stellt und, wo es ihr nötig erscheint, mit anderen talentierten Sängern und Sängerinnen ergänzt. Zudem sind die Songs, wie angekündigt, meistens nur spärlich mit Piano und Schlagwerk akzentuiert. Zumindest für die ersten Sekunden des jeweiligen Songs. Doch dann ist es ist doch noch etwas mehr geworden. Sie hat sich einfach ein paar der besten Musiker der Stadt geleistet. Oder eine musikalische Familie von Holzbläsern aus Leipzig. Sie hat ihnen vorgesummt und gesungen, was sie gerne von ihnen hätte. An Küchentischen und in feuchten Kellern haben sie ihr ins Mikro gespielt, ohne jemals das ganze Lied zu hören. Sie summte, und ihre Gegenüber bliesen in ihre jeweiligen Trompeten, Oboen oder Fagotte, oder spielten auf ihren Geigen und sonstigen Instrumenten. Oder aber sie sangen nur eine kleine, kurze Figur, bzw. Textzeile. Um dann im Studio zu einem vielstimmigen Chor zusammengesetzt zu werden, der sich noch nie in echt getroffen hat...

Und dann ist da der Drummer, noch nie so prominent wie auf diesem Album, eine Säule, eine sehr verantwortungsvolle Rolle, ein großes Problem, wen soll man da fragen? Enter Earl Harvin, den fabelhaften Drummer der Tindersticks. Wenn er nicht gerade auf Tour ist, lebt er im Norden von Berlin. Mit Earl kam der Groove, kamen die großen Pauken, mit Earls intuitivem Drumming entstand das organische Gerüst dieser Platte im Studio in Neukölln. Der Rest blieb noch monatelang in Cherilyns Kopf und kam erst nach und nach dazu. Bis all die Spuren aus ihrem Kopf raus waren, und aufgenommen waren. Dann kam noch ein Großmeister seines Faches hinzu: Eli Crews, ein Mixer in Brooklyn, bekannt für seine Arbeiten mit Tuneyards, WHY? und Deerhoof. Eli war Feuer und Flamme und stürzte sich mit der gleichen Wucht in die Endabmischung, mit der nur wenige Tage später der Hurricane Sandy seinen Strom abstellte und alles kurzzeitig zum Stillstand brachte. Am Ende aber dieses langen Entstehungsprozesses voller Aufs und Abs steht eine DEAR READER Platte, die auf völlig andere Art und Weise als ihre Vorgänger in sich ruht.

Mit ihrem 2009er Debüt „Replace Why With Funny“ begeisterte das (damals noch) Duo mit seinem eleganten Kompromiss zwischen federleichter Musik und abgrundtiefen Texten. Doch nicht nur in den Liedern zerbrachen Beziehungen, auch die beiden Bandmitglieder gingen bald ihre eigenen Wege. Während Darryl Torr weiterhin in Südafrika blieb, zog es Cherilyn MacNeil wie gesagt nach Berlin. Seitdem ist DEAR READER nur noch Cherilyn MacNeil. War es eigentlich schon immer. Nur ist es jetzt offensichtlicher. Etwas mehr als zwei Jahre später ist mit „Idealistic Animals“ der Nachfolger erschienen, gemeinsam mit Produzent Brent Knopf (Menomena) schuf sie eine Instrumentalisierung, die sich wie ein sorgvoller Schutzwall um die leicht zerbrechlichen Texte baut. Es ging um Glaubensverlust, existenzielle Selbstzweifel und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben, „Idealistic Animals“ war aus einer echten und heftigen, zwei Jahre andauernden Depression geboren. Und „RIVONIA“? Ist quasi die Rückkehr ins Leben (bitte dazu auch „Back From The Dead“ anhören, mit diesem herrlich triumphalen Finale). Ist ein beeindruckender Return To Form. Auf „RIVONIA“ rückt Cherilyn MacNeil ihr Ensemble gerne mal in die Nähe eines Musicals und lässt sie zu Harvins Pauken aus dem vollen schmettern. Doch in den intimeren Momenten geht es ruhiger und konzentrierter zu als je zuvor. Obendrein: es ist ganz allein ihre Platte. Die letzten DEAR READER Alben wurden immer von einem außenstehenden Produzenten angeleitet. Diese hier nicht. Dies hier ist 100% DEAR READER. So wie sie sich das ausgedacht hat, von vorne bis hinten.

Sie hat sich sogar sehr viel dabei gedacht. „RIVONIA“ ist benannt nach dem Johannesburger Viertel, in dem Cherilyn aufwuchs. Doch es gab auch die „Rivonia Trials“, die Schauprozesse infolge derer Nelson Mandela und die komplette Führungsriege des damals noch illegalen ANC für Jahrzehnte auf die Gefängnisinsel Robben Island verbannt wurde. Auf einer Farm in eben diesem Rivonia wurden die meisten von ihnen auf einen Schlag verhaftet. Mutmaßlich, weil ein kleiner Junge versehentlich ihr Versteck preisgab. Eins der stärksten Stücke des Albums „Took Them Away“ singt sie aus der Sicht eben dieses Jungen. „Teller Of Truths“ wiederum singt sie aus der Sicht des Beraters Gala, der den Zulu König Shaka für einen Moment mit ein paar klaren Worten zur Raison bringen konnte. Sie besingt den glorreichen Moment der ersten freien Wahlen nach dem Ende der Apartheid in dem Song „27.04.1994“. Sie erzählt eine Geschichte über ihren Ur-Ur-Ur-Großvater, der mit Mahatma Ghandi in Südafrika zusammenarbeitete (in „Man Of The Book“), sie widmet den ungezählten, ausgebeuteten Arbeitern in den Gold-Minen von Johannesburg gleich den Eröffnungssong dieses Albums. Und sie endet das Album mit dem imposanten „Victory“, einer, nicht missverstehen, „Anti-Battle–Hymne“ zweier Kriegs-Parteien, die sich ihren Siegeswillen zusichern, im festen Glauben, dass ihr „Gott“ nur auf ihrer Seite ist. Klingt wie ein Traditional, gehört aber auch zu Cherilyn MacNeils neuem musikalischen Spektrum. Ein imposantes Finale zu einem Album, das eine tolle, untypische Erweiterung des standardisierten Folk Kanons bietet. Sie entwickelt musikalisch eine völlig eigene und außergewöhnliche Klangsprache und räumt inhaltlich ihren Charakteren in bester Storytelling Tradition viel, viel Raum ein, ohne jemals den Fokus zu verlieren. „RIVONIA“ ist dabei aber kein vertontes Geschichtsbuch und auch nicht der Versuch südafrikanische Vergangenheit aufzuarbeiten. Das kann eh kein Pop Album leisten. Es ist bei aller Konzeption immer noch ein extrem persönliches Album. Das bereits erwähnte „Back From The Dead“ ist da nur beispielhaft mit seiner doppelten Bedeutung. Einerseits den Gefangenen von Robben Island gewidmet, andererseits ebenso ein Lied über das irgendwie, irgendwann bei sich selber Ankommen. Glück.

Diese Biografie wurde von den Künstlern oder deren Vertretern bereitgestellt.

Wenn Tom Schilling seit letztem Jahr in dem großartigen Debüt Film „Oh Boy“ durch Berlin driftet, dann sucht er seinen Koffein-Fix zumeist zu einem sehr swingenden Jazz Soundtrack, der den vielen absurden Situationen, in denen er sich unversehens findet, immer eine wunderbare Leichtigkeit verleiht. Doch wenn es mal kontemplativer zugeht, wenn die Szenerie nachdenklicher und die Ziellosigkeit über das Lockere die Oberhand gewinnt, dann hört man jedes Mal einen sehr schönen und stillen Piano Score. Diese Musik stammt aus der Feder und den Händen von Cherilyn MacNeil, einer jungen Dame aus Südafrika, die unter dem Namen DEAR READER Musik macht und von der man mit Fug und Recht behaupten kann, dass sie mittlerweile auch in Berlin angekommen ist. Sie lebt und arbeitet im Kreativ-Zentrum ‚du jour’ Neukölln, tourt regelmäßig durch die Republik und den Rest von Europa, erobert Herzen im Sturm, wenn sie auf der Bühne nur den Mund aufmacht und komponiert nicht nur Musik für Berlin Filme, sie zahlt sogar ihre Steuern hier. Und wenn die Distanz erstmal groß genug ist, dann liegt die Beschäftigung mit der fernen Heimat ja geradezu auf der Hand. So erschien sie also im Sommer 2012 bei ihrem Label und verkündete in ihrem unfassbar guten Deutsch: „Ich fange jetzt mal mit meinem neuen Album an. Es wird überwiegend sehr spärlich zugehen. Hauptsächlich meine Stimme, etwas Piano und Schlagzeug...und dann noch etwas mehr von meiner Stimme. That’s it. Und es wird thematisch um Südafrika gehen.“ Ende des Zitats. Jetzt, nur zwei Jahreszeiten später, hat Cherilyn ihre Ankündigung wahr werden lassen und legt nun ihr neues Werk vor, das dritte DEAR READER Album: „RIVONIA“.

Eines fällt sofort auf, es geht musikalisch ganz anders zu als sonst bei DEAR READER. Eines der wesentlichen Instrumente diese Platte ist tatsächlich Cherilyns Stimme, die sie kunstvoll übereinander türmt, untereinander schiebt, nebeneinander stellt und, wo es ihr nötig erscheint, mit anderen talentierten Sängern und Sängerinnen ergänzt. Zudem sind die Songs, wie angekündigt, meistens nur spärlich mit Piano und Schlagwerk akzentuiert. Zumindest für die ersten Sekunden des jeweiligen Songs. Doch dann ist es ist doch noch etwas mehr geworden. Sie hat sich einfach ein paar der besten Musiker der Stadt geleistet. Oder eine musikalische Familie von Holzbläsern aus Leipzig. Sie hat ihnen vorgesummt und gesungen, was sie gerne von ihnen hätte. An Küchentischen und in feuchten Kellern haben sie ihr ins Mikro gespielt, ohne jemals das ganze Lied zu hören. Sie summte, und ihre Gegenüber bliesen in ihre jeweiligen Trompeten, Oboen oder Fagotte, oder spielten auf ihren Geigen und sonstigen Instrumenten. Oder aber sie sangen nur eine kleine, kurze Figur, bzw. Textzeile. Um dann im Studio zu einem vielstimmigen Chor zusammengesetzt zu werden, der sich noch nie in echt getroffen hat...

Und dann ist da der Drummer, noch nie so prominent wie auf diesem Album, eine Säule, eine sehr verantwortungsvolle Rolle, ein großes Problem, wen soll man da fragen? Enter Earl Harvin, den fabelhaften Drummer der Tindersticks. Wenn er nicht gerade auf Tour ist, lebt er im Norden von Berlin. Mit Earl kam der Groove, kamen die großen Pauken, mit Earls intuitivem Drumming entstand das organische Gerüst dieser Platte im Studio in Neukölln. Der Rest blieb noch monatelang in Cherilyns Kopf und kam erst nach und nach dazu. Bis all die Spuren aus ihrem Kopf raus waren, und aufgenommen waren. Dann kam noch ein Großmeister seines Faches hinzu: Eli Crews, ein Mixer in Brooklyn, bekannt für seine Arbeiten mit Tuneyards, WHY? und Deerhoof. Eli war Feuer und Flamme und stürzte sich mit der gleichen Wucht in die Endabmischung, mit der nur wenige Tage später der Hurricane Sandy seinen Strom abstellte und alles kurzzeitig zum Stillstand brachte. Am Ende aber dieses langen Entstehungsprozesses voller Aufs und Abs steht eine DEAR READER Platte, die auf völlig andere Art und Weise als ihre Vorgänger in sich ruht.

Mit ihrem 2009er Debüt „Replace Why With Funny“ begeisterte das (damals noch) Duo mit seinem eleganten Kompromiss zwischen federleichter Musik und abgrundtiefen Texten. Doch nicht nur in den Liedern zerbrachen Beziehungen, auch die beiden Bandmitglieder gingen bald ihre eigenen Wege. Während Darryl Torr weiterhin in Südafrika blieb, zog es Cherilyn MacNeil wie gesagt nach Berlin. Seitdem ist DEAR READER nur noch Cherilyn MacNeil. War es eigentlich schon immer. Nur ist es jetzt offensichtlicher. Etwas mehr als zwei Jahre später ist mit „Idealistic Animals“ der Nachfolger erschienen, gemeinsam mit Produzent Brent Knopf (Menomena) schuf sie eine Instrumentalisierung, die sich wie ein sorgvoller Schutzwall um die leicht zerbrechlichen Texte baut. Es ging um Glaubensverlust, existenzielle Selbstzweifel und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben, „Idealistic Animals“ war aus einer echten und heftigen, zwei Jahre andauernden Depression geboren. Und „RIVONIA“? Ist quasi die Rückkehr ins Leben (bitte dazu auch „Back From The Dead“ anhören, mit diesem herrlich triumphalen Finale). Ist ein beeindruckender Return To Form. Auf „RIVONIA“ rückt Cherilyn MacNeil ihr Ensemble gerne mal in die Nähe eines Musicals und lässt sie zu Harvins Pauken aus dem vollen schmettern. Doch in den intimeren Momenten geht es ruhiger und konzentrierter zu als je zuvor. Obendrein: es ist ganz allein ihre Platte. Die letzten DEAR READER Alben wurden immer von einem außenstehenden Produzenten angeleitet. Diese hier nicht. Dies hier ist 100% DEAR READER. So wie sie sich das ausgedacht hat, von vorne bis hinten.

Sie hat sich sogar sehr viel dabei gedacht. „RIVONIA“ ist benannt nach dem Johannesburger Viertel, in dem Cherilyn aufwuchs. Doch es gab auch die „Rivonia Trials“, die Schauprozesse infolge derer Nelson Mandela und die komplette Führungsriege des damals noch illegalen ANC für Jahrzehnte auf die Gefängnisinsel Robben Island verbannt wurde. Auf einer Farm in eben diesem Rivonia wurden die meisten von ihnen auf einen Schlag verhaftet. Mutmaßlich, weil ein kleiner Junge versehentlich ihr Versteck preisgab. Eins der stärksten Stücke des Albums „Took Them Away“ singt sie aus der Sicht eben dieses Jungen. „Teller Of Truths“ wiederum singt sie aus der Sicht des Beraters Gala, der den Zulu König Shaka für einen Moment mit ein paar klaren Worten zur Raison bringen konnte. Sie besingt den glorreichen Moment der ersten freien Wahlen nach dem Ende der Apartheid in dem Song „27.04.1994“. Sie erzählt eine Geschichte über ihren Ur-Ur-Ur-Großvater, der mit Mahatma Ghandi in Südafrika zusammenarbeitete (in „Man Of The Book“), sie widmet den ungezählten, ausgebeuteten Arbeitern in den Gold-Minen von Johannesburg gleich den Eröffnungssong dieses Albums. Und sie endet das Album mit dem imposanten „Victory“, einer, nicht missverstehen, „Anti-Battle–Hymne“ zweier Kriegs-Parteien, die sich ihren Siegeswillen zusichern, im festen Glauben, dass ihr „Gott“ nur auf ihrer Seite ist. Klingt wie ein Traditional, gehört aber auch zu Cherilyn MacNeils neuem musikalischen Spektrum. Ein imposantes Finale zu einem Album, das eine tolle, untypische Erweiterung des standardisierten Folk Kanons bietet. Sie entwickelt musikalisch eine völlig eigene und außergewöhnliche Klangsprache und räumt inhaltlich ihren Charakteren in bester Storytelling Tradition viel, viel Raum ein, ohne jemals den Fokus zu verlieren. „RIVONIA“ ist dabei aber kein vertontes Geschichtsbuch und auch nicht der Versuch südafrikanische Vergangenheit aufzuarbeiten. Das kann eh kein Pop Album leisten. Es ist bei aller Konzeption immer noch ein extrem persönliches Album. Das bereits erwähnte „Back From The Dead“ ist da nur beispielhaft mit seiner doppelten Bedeutung. Einerseits den Gefangenen von Robben Island gewidmet, andererseits ebenso ein Lied über das irgendwie, irgendwann bei sich selber Ankommen. Glück.

Diese Biografie wurde von den Künstlern oder deren Vertretern bereitgestellt.

Verbessern Sie diese Seite

Sie sind der Künstler, das Label oder das Management des Künstlers? Über Artist Central können Sie dieser Seite eine Biografie, Fotos und mehr hinzufügen und die Diskografie bearbeiten.

Feedback

Sehen Sie sich die häufigsten Fragen zu unseren Künstler-Seiten an
Senden Sie uns Feedback zu dieser Seite