Dieser Film íst eine Kostbarkeit und "Insel" im umtriebigen Weltgeschehen. Man muß jedoch etwas Muse und Konzentration investieren, um in den vollen Genuß dieses Meisterwerkes von Neuseeland-Regisseur Toa Fraser zu kommen, der den Film auch ein Festival der englischen Sprache nennt. Als Sprecher, der die ganze Geschichte für den Zuhörer/-seher erzählt und zwischen den Dialogen zusammenhält, fungiert Schauspieler Jeremy Northam! (dessen sauberen und nicht zu schnell gesprochenem Englisch man übrigens auch bei der englischen Originalausgabe gut folgen kann. What a beautiful voice!)
Angesiedelt Anfang 20. Jahrhundert in England/Norfolk ist die witzige, zauberhafte und doch total realistische Geschichte um, ja, eigentlich eine Vater-Sohn-Beziehung heute noch genauso aktuell, wie damals.
Ein pflichtbewußter Sohn (Jeremy Northam), leidgeprüft durch das festgefahrene und abgeklärte, scheinbar emotionslose Wesen seines Vaters (Peter O`Toole, yes, Sir!) macht während eines eigentlich nur als Ablenkung für den nörgelnden Vater gedachten Besuches einer Sitzung über die Seelenwanderung die Bekanntschaft von Dean (Dekan) Spanley (Sam Neill), sowie des Kolonisten und "Händlers" Wrather (Bryan Brown). Mit dessen Hilfe kann er den vom Dean bevorzugten sirupartigen Weinlikör Tokay beschaffen, denn nur so ist es Fisk Junior möglich den Dean, der es doch tatsächlich gewagt hat, Fisk Senior die Stirn zu bieten, zur Annahme einer Einladung zum Abendessen zu bewegen. Das Interesse in die ganz besonderen Ansichten eines eigentlich geistlichen Mannes über die Seelenwanderung von Tieren wird bei Fisk Junior extrem gesteigert, als er entdeckt, dass eben besagter Wein den Dekan scheinbar in dessen für andere mysteriöse, unsichtbare Vergangenheit als Hund!? "transportiert" von der er dann mit gelockerter Zunge, Eloquenz und einer faszinierenden Ernsthaftigkeit erzählt! Weitere Dinners, in die, neugierig geworden, auch Wrather und Fisk, Senior mit einbezogen werden, offenbaren dann gar eine Verbindung und einen längst vergessenen Schmerz in der Kindheit des Vaters. Das bringt die harte Schale, die sich der sture, desillusionierte Fisk, Senior nach dem Tod des jüngeren Sohnes im Burenkrieg und seiner an gebrochenem Herzen gestorbenen Frau wenige Jahre zuvor, zugelegt hat, zum Bersten und für Vater und Sohn eine ganz neue, wunderbare Lebensqualität und Beziehung.
Der stille Film lebt von den witzigen, trockenen, man möchte sagen typisch englischen Dialogen, der großartigen Mimik und Ausdrucksform der gesamten Schauspielerriege, der berührenden und außergewöhnlichen "story line" und dem spürbar guten, freundschaftlichen Zusammenspiel der Akteure. (Sam Neill, Peter O`Toole und Jeremy Northam hatten ja schon bei The Tudors Gelegenheit sich kennenzulernen.) Es paßt einfach alles, auch die ruhige, intelligente Regieführung von Toa Fraser tut natülich das Übrige dazu. Schade nur, das in deutschen Kinos solche nicht der "Action-Fraktion" zugehörigen tollen Filme meist ignoriert werden.