Deadwood Season 1, Volume 1 enthält folgende Episoden:
-Lebenslüge
-Lebenslüge 2
-Gerüchte
-Requiem für einen Blasenstein (Meine persönliche Lieblingsfolge von Season 2.1.)
-Komplikationen
-Ein hoher Preis
Die Serie spielt ein Jahr nach der ersten Staffel und Deadwood hat sich von einem heruntergekommenen, dreckigen Goldgräberlager zu einer, nunja, aufstrebenden, dreckigen Goldgräberstadt entwickelt. Die Spannungen zwischen Al Swearengen und Seth Bullock verschärfen sich zusehends. Zudem ist der neugewählte Sheriff Bullock eine Beziehung mit der Witwe Alma Garret eingegangen, die in der durchtriebenen Kleinstadt Deadwood kaum geheim gehalten werden kann. Besonders nicht, da die Techtelmechtel im Hotel des intriganten, ewig herumschnüffelnden E.B. Farnum abgehalten werden, der seine neuen Informationen sofort in die Welt herausposaunt. Der neu eingetroffene Geologe Francis Wolcott (ein fiktiver Charakter) unternimmt einige Versuche, für einen Mr Hearst, ergiebige Claims abzukaufen und entpuppt sich dabei als gnadenlos gestört. Joanie Stubbs eröffnet ein eigenes Bordell, Mr. Wu hat Probleme mit einem chinesischen Konkurenten aus San Francisco und und und.
Nebenhandlungen gibt es zahlreiche. Manchmal führen sie später zu der eigentlichen Haupthandlung und manchmal dienen sie lediglich dazu die Serie anderweitig spannend zu halten und manche Handlungsstränge verlaufen gar ganz im Sande.
Wird Deadwood an Dakota angeschlossen oder bekommt ein anderes Territorium den Zuschlag? Wie ergeht es Seth Bullocks Beziehung zu Mrs. Garret, nachdem Bullocks Frau unerwartet in Deadwood eintrifft? Alles Fragen und für meinen Geschmack ein wenig zu viel Handlung. Besonders, da die Protagonisten in ausschweifenden und Metapherüberfluteten Sätzen reden. Die Zugehörigkeitsfrage von Deadwood wird über Boten geklärt, deren Nachrichten die Hauptpersonen deuten müssen. Sehr viel Gerede, unterbrochen von brutaler Action, die aber glücklicherweise nicht zu häufig vorkommt und somit dem Realismus nicht schadet. Wer sich mit der echten Geschichte des "Wilden Westens" abseits von Italowestern und Karl May Kitsch auskennt, weiss, dass es nur selten zu Gunfights kam und noch seltener wurden die Leute dabei tödlich getroffen. Diese Realität wird in Deadwood zum Glück auch in Staffel 2 weiterhin gezeigt.
Was haben wir hier also?
Positiv:
1. Wir haben eine sehr realistische Serie mit überzeugenden Kostümen und hervorragenden Kulissen. Deadwood besticht durch brilliante Schauspieler in glaubwürdigen Rollen. Besonders genial Ian McShane (Al Swearengen), Powers Boothe (als durchtriebenen, widerlichen Saloonbesitzer Cy Tolliver) und häufig vergessen und mein Geheimtipp, Dayton Callie (Charlie Utter). Zusätzlich ist so ziemlich jeder der anderen Schauspieler und Schauspielerinnen gut bis genial.
2. Die Sprache ist weiterhin sehr authentisch und schwankt zwischen philosophisch und vulgär.
3. Neu eingeführte Personen passen sich gut in die Serienfolge ein.
4. Angenehm politisch unkorrekt und damit historisch korrekt. Klar sind frauenfeindliche Sprüche, rassistische Beleidigungen und brutale Gewaltszenen nicht jedermanns Sache und das sollten sie auch nicht sein. Aber in dieser Serie passt es einfach! Besonders der offene Rassismus der amerikanischen Pioniere wird hier deutlich gezeigt und nicht beschönigt.
5. Stellenweise brillianter Humor. "Da schleicht eine Nagetierähnliche Gestalt um deine Fässer, Joanie!" "Lass ihn, das ist der Bürgermeister!"
Negativ: Leider ein paar Gründe warum es, für mich, nicht mehr zu 5 Sternen gereicht hat.
1. Die Handlung ist zu verworren, teilweise verliert man jeden Überblick über die Geschehnisse.
2. Die Dialoge sind extrem anspruchsvoll und sehr metaphernbehaftet. Einige Charaktere entwickeln dabei eine Sprachgewandheit, die ihnen nicht zusteht und die nicht zu ihnen passt.
3. Zuviele Nebenhandlungen, die nicht weiterführen oder nur Nebencharaktere bedienen, die nicht weiter in die Serie passen.
4. Seth Bullock gerät in einigen Folgen zum absoluten Nebendarsteller und bleibt leider erstaunlich blass. Auch seine Partnerschaft mit Sol Star wird nur unwesentlich vertieft. Schade, hätten diese beiden Charaktere doch besonders nach den ersten drei Folgen mehr Potenzial entwickeln können.
Alles in allem hat mich diese Serie trotz ihrer Kompliziertheit gefesselt und ich freue mich auf Staffel 3. Wer Staffel 1 kennt, darf Staffel 2 nicht verpassen. Wer die Serie noch nicht kennt, sollte UNBEDINGT mit Staffel 1 beginnen.