Der Ort Deadwood wurde 1876 gegründet und ist weniger ein Dorf als vielmehr ein improvisiertes, aus dem Boden gestampftes Lager von Goldsuchern und anderen Abenteurern. Die Hoffnung in den von Sioux-Indianern besetzten Black Hills Gold zu finden zieht die schrägsten Galgenvögel in diese schnell wachsende Kleinstadt. Der Ort ist schmal, wirkt meilenlang und mitten durch fliesst der namensgebende Bach Deadwood. Die Strasse ist voller Dreck und Morast und jeder erdenkliche Abfall wird einfach auf die Gassen geworfen. Man landet nicht ohne Grund an einem gottverlassenen Ort wie diesem, bei manchen ist es ist das Schicksal, bei anderen die Gier die Goldsucher, Revolverhelden und Hurentreiber ganz magisch in dieses Dorf zieht. Ein lasterhafter Ort wie aus dem Alten Testament der Bibel und zwar aus dem Teil als Gott zornig wurde, hier ist nichts und niemand immun oder unantastbar. Diese Geschichte handelt von legendären Berühmtheiten wie Wild Bill Hickok, Charley Utter oder Calamity Jane die heutzutage eine mystische Aura umgibt und doch ist es der Ort Deadwood der die heimliche Hauptrolle in dieser Geschichte inne hat.
Wer sich für dieses Buch interessiert muss sich von den verklärten und romantisierten Vorstellungen des Wilden Westens lösen. Vergesst Karl May und den idealisierten Winnetou, die idyllische Bonanza-Serie, den heldenhaften John Wayne oder was euch sonst gerade beim Bergriff Wilder Westen in den Sinn kommt. Dies ist eine Erzählung die das Leben um 1875 schildert wie es war - hart, gnadenlos, unbarmherzig, unmenschlich und deutlich trister als man vermuten könnte. Der Autor Pete Dexter schreibt die Geschichte ohne Pathos und Heldenverehrung und es bleibt schlussendlich das wahre eher nüchterne Gesicht des Wilden Westens übrig. Er erzählt die Ereignisse in einer knochentrockenen Art die ich erst nach ein paar Tagen nach Leseschluss voll zu würdigen weiss. Während des Lesens wirkt sie unscheinbar und eintönig, aber jetzt nach ein paar Tagen trifft mich die volle Wucht des Buches, der Stil passt wie die Faust aufs Auge zum Inhalt und dort wo es vulgärer hätte beschrieben werden können nimmt sich der Autor (ein bisschen) zurück und setzt dafür dort ganz starke Akzente wo es zur Dramatik passt. Die Sprache ist teilweise derb, etwas fläzig und der Autor hat einen pechschwarzen, morbiden Humor den er immer wieder einfliessen lässt.
Dieses Buch richtet sich an Erwachsene und eher männlichen Leser und eignet sich nicht für Jugendliche, es gibt etliche Passagen die als frauenfeindlich bezeichnet werden können (sie sind aber historisch korrekt). Ich denke, es braucht etwas Lebenserfahrung und Reife damit man das Gelesene einordnen kann und ausserdem würde ich es ausschliesslich Viellesern empfehlen. Meiner Meinung braucht es einfach eine gewisse Leseroutine und Vergleichsmöglichkeiten damit man den den Roman als Ganzes zu honorieren weiss. Natürlich ist eine gewisse Affinität zu Western hilfreich und Flasche Whiskey sollte auch bereit stehen. Ah, und falls ihr den Roman lesen solltet, grüsst bitte meine heimliche Lieblingsfigur den Flaschenfreund recht herzlich von mir.