Was auch immer Romero dazu bewogen haben mochte, als Erzähler aufzutreten und dem Episodenfilm seinen Namen zu leihen - es muss eine gehörige Portion Überzeugungskraft dahinter gesteckt haben. Anders lässt sich nicht erklären, wie um alles in der Welt er seine Reputation als Genre-Großmeister so leichtfertig aufs Spiel setzen und so einen langweiligen Low-Budget-Schrott produzieren konnte. Vor allem der erste Beitrag - "Valley of the Shadow" - ist eine verschreibungspflichtige cinematographische Schlaftablette ersten Ranges, neben der Valium zum neuen Red Bull mutiert. Entlang einer belanglosen Story, die ein Grundschüler auf eine McDonald's-Serviette gekritzelt hat, hangeln sich unterirdische Akteure durch einen Dschungel, der das Wort "Studiooptik" neu definiert, und geben sinnfreien Müll von sich, mit dem nicht einmal ein Roger Corman in Verbindung gebracht werden möchte. Handwerklich blamiert sich der Film auf höchstem Niveau - etwa wenn die Frau eine Gewehrsalve "abfeuert", indem sie kurz mit dem Gewehr wackelt, um den Rückstoß zu simulieren; für den nachträglich eingefügten Knall-Sound hat das Geld zwar gereicht, beim Mündungsfeuer aber haben die Produzenten den Sparstift angesetzt. Darüber hinaus quälen miese Gore-Effekte, eine talentfreie Kameraführung und ein grausames Editing den Zuschauer gefühlte zwei Stunden lang, bevor ihn ein völlig hanebüchenes Ende gnädigerweise entlässt.
Die zweite Story, "Wet", verspricht von der Grundidee schon deutlich mehr. Effekte und Dialoge sind alles andere als überragend, aber doch einen Zacken besser als im ersten Kurzfilm; selbiges gilt auch für die Filmmusik und die Darsteller, die zwar immer noch drittklassig agieren, aber wenigstens keine Sammelklage wegen schwerer Körperverletzung zu befürchten brauchen. Tatsächlich hätte aus "Wet" mit einem Regisseur, der sein Handwerk versteht, und einem Drehbuchautor, der ein Gespür fürs Genre hat, ein grundsolider B-Mysteryhorror werden können, der sein mickriges Budget gekonnt kaschiert. Doch die langweiligen Dialoge drücken die Spannung letztendlich zu Boden, irgendwie dümpelt der Film - von einigen Momenten einmal abgesehen - dahin und verschenkt sein Potenzial.
"Housecall" schließlich wurde von Romeros langjährigem Weggefährten Tom Savini inszeniert, der auch für Maske und Splatter-Effekte in "Dawn of the Dead" und "Day of the Dead" verantwortlich zeichnet. Die dritte Erzählung im Bunde fällt durch einen eigenen Oldschool-Look auf, der sich in puncto Flair an den angestaubten Gruselfilmen älterer Jahrgänge orientiert und sich so von den beiden anderen Filmen abhebt. "Housecall" ist sicherlich die atmosphärisch stimmigste der drei "Deadtime Stories", macht jedoch den Fehler, vollständig auf einen Plottwist aufzubauen, der sich schon zu Beginn vorausahnen lässt. So verspielt dieser Kurzfilm seinen "Retro-Charme" zugunsten einer unspektakulär inszenierten Handlung, die dem Zuschauer allenfalls ein müdes Lächeln oder ein Heben der Augenbraue abringen kann.
Die Blu-ray Disc blamiert sich auf voller Länge - nicht nur durch ein fehlerbehaftetes Cover mit falschen Informationen, sondern auch in technischer Hinsicht: Das AVC-kodierte Bild ist über weite Strecken unscharf und ausgesprochen detailarm, dazu gesellen sich ein schwächelnder Kontrast sowie im dritten Film teils massive Treppenbildung. Sieht insgesamt nach einem mageren Upscale aus, von HD weit und breit keine Spur. Auch der Ton lässt zu wünschen übrig: Räumlichkeit will sich kaum einstellen, nennenswerte Effekte sucht man vergebens und im ersten Film stürzt die Dialogverständlichkeit stellenweise drastisch ab. Die deutsche Synchro ist unterirdisch ausgefallen und gibt den Filmen den Rest. An Extras bietet die Disc lediglich Trailer zu den beiden Volumes der "Deadtime Stories" sowie ein Wendecover. Ein schlechter Scherz ist die Kapitelauswahl: Nackte Zahlen, ohne Titel oder Vorschaubilder, so dass die Suche nach einer gewünschten Szene zum Glücksspiel wird.
Fazit:
Gähnend langweiliger Billig-Grusel der entbehrlichen Art, die Leihgebühr in der Videothek um die Ecke nicht wert und eines George A. Romero gänzlich unwürdig. Aber die Meerjungfrau sieht nicht schlecht aus ...