Hier mal vorweg zur technischen Seite:
Die DVD ist uncut. Wenn man den Film auf Deutsch ansieht, sind ein paar ganz kurze Passagen nur auf Englisch mit Untertiteln.
Das Bild und die englische Tonspur sind sehr gut für einen alten Film.
Die deutsche Tonspur... ist verrauscht und total dumpf. Aber zur Not auch noch erträglich. (Man hat schon schlimmeres erlebt.)
Zum Film:
Der Titel "The Dead Zone", das Cover mit Gewehr und Blutflecken sowie die Altersfreigabe ab 18 lässt hier die Vermutung aufkommen, dass es sich um eine actionreichere und gruselige Kingverfilmung handelt. Tatsächlich gibt es aber nur ganz vereinzelt und kurz blutige Szenen in diesem Film. "The Dead Zone" ist ein ruhiger Film, der sich viel Zeit nimmt für das Porträt eines Menschen mit einer außergewöhnlicher Gabe. Spannung entsteht dadurch, dass man sich als Zuseher fragt, was man selber tun würde, wenn man über die Zukunft Bescheid wüsste.
Christopher Walken spielt hier auf seine genial eindrückliche Art den Englischlehrer Johnny Smith, der nach einem schweren Unfall 5 Jahre im Koma liegt. Als er wieder aufwacht muss er erfahren, dass seine Lebensgefährtin inzwischen jemand anderen geheiratet hat. Während er noch mit seinem Schicksal hadert, entdeckt er, dass er nun die Gabe besitzt in die Zukunft oder die Vergangenheit anderer Menschen zu blicken. Schon bald interessiert sich die Presse für ihn und der Sheriff bittet ihn, bei einem Mordfall mitzuhelfen. Aber Johnny empfindet seine Gabe als einen Fluch, da jede Vision seinen Gesundheitszustand noch weiter verschlimmert. Doch als Menschen, die ihm nahe stehen, in gefährliche Situationen geraten, sieht er sich doch dazu veranlasst seine Gabe einzusetzen, um ihnen zu helfen.
"The Dead Zone" verbringt viel Zeit damit das schwierige Schicksal Johnny Smiths für den Zuschauer verständlich zu machen. Wenn man sieht, wie er das Gehen nach dem Koma neu lernen muss, jede Vision ihn zu krampfhaften Zuckungen bringt und seine einstige Freundin nun in sehr zweifelhafte Kreise gerät, ohne dass er daran etwas ändern könnte, versteht man, dass der unfreiwillige Hellseher sein Schicksal als grausam empfindet und lieber sein Leben vor dem Unfall zurück hätte. Im Verlauf des Films lernt er allerdings mit seiner Gabe umzugehen und erkennt, dass damit auch gute Dinge bewirkt werden können. Somit ist "The Dead Zone" eigentlich eine Geschichte über eine Lebenskrise und deren Überwindung, die durch die übersinnlichen Elemente noch zusätzliche Spannung und Faszination erhält.
Regisseur Cronenberg versteht es das ganze gekonnt zu inszenieren. Die Darstellungen von Johnnys Visionen sind packend und doch nicht übertrieben. Christopher Walken gelingt es hier einen sehr ungewöhnlichen Helden darzustellen, der die meiste Zeit des Films mit seiner Angst und seiner Trauer kämpfen muss. Sympathisch macht ihn, dass er nicht versucht Kapital aus seiner Gabe zu schlagen und sich schließlich, als es wirklich hart auf hart kommt, dafür entscheidet, die Moral über seine eigenen Interessen zu stellen.
Martin Sheen brilliert hier übrigens in der Darstellung eines populistischen Politikers der sich anschickt der nächste U.S. Präsident zu werden. Auf diese Art enthält "The Dead Zone" auch einige kritische Anspielugen auf die politische Situation der U.S.A. und wird zu einer Art Plädoyer für die Kraft des Gewissens. Es ist eine Geschichte, die einen auffordert das moralisch Richtige zu tun, auch wenn der Preis dafür sehr hoch sein mag.