Die Entdeckung der DNA während des Kalten Krieges führte zu einem Wettrüsten in Sachen biologischer Waffen und Biotechnologie. Als eine Genmutation in einer manipulierten Tomatensorte eine Pandemie auslöste, die einen Großteil der Weltbevölkerung hinwegraffte, traten die übernatürlichen Bewohner der Erde in die Öffentlichkeit. Allein sie waren gegen die Krankheit immun und konnten so die Zivilisation aufrechterhalten. Mittlerweile ist so etwas wie Normalität eingekehrt, auch wenn die Angst vor Biotechnologien (und Tomaten) nach wie vor groß und das Miteinander von Menschen und Inderländern von (fatalen) Spannungen geprägt ist.
Rachel Morgan liebt ihre Hexenkunst, Tomatensauce, schwarzes Leder und ihre Arbeit als IS-Agentin, dem Äquivalent der Inderländer zum FIB. Doch aufgrund ihrer - nun ja - Direktheit steht sie auf der Abschussliste ihres Bosses. Rachel kündigt bzw. wird gefeuert (sie und ihr Boss sind sich da nicht ganz einig) und ihre Freundin Ivy schließt sich ihr gleich mit an. Das Problem ist, dass Ivy eine lebende Vampirin ist und die beste Agentin, die das IS je hatte. Da das IS nicht für seine Zimperlichkeit bekannt ist, setzt es ein Kopfgeld auf die junge Hexe aus. Rachel sieht ihre einzige Chance zum Überleben darin, dass sie den mächtigen und aalglatten Unterweltboss Trent Kalamack zu Fall bringt um so ihren guten Ruf wieder herzustellen.
DEAD WITCH WALKING ist der Auftakt zum Erfolgszyklus von Kim Harrison. Zwischen Alternate History und Dark Fantasy angesiedelt, verspricht der Zyklus schaurig-schöne Unterhaltung mit viel Action, interessanten Ideen und spritzigen Humor. Zudem kann er sich von Band zu Band steigern.
Rachel ist eine Protagonistin, hinter der die anderen Figuren schon mal verschwinden. Sie ist tough, aber noch nicht abgehärtet oder verbittert und möchte ihr Leben genießen. Da sie ein ziemlicher Hitzkopf ist, tut sie sich verdammt schwer Kompromisse einzugehen. Diese sind in ihrer Beziehung zu Ivy jedoch ständig von Nöten, da die lebende Vampirin "anders gepolt" ist und ständig gegen ihren Blutdurst ankämpfen muss. Der interessanteste und liebenswürdigste Charakter ist Jenks, der Pixie mit dem großen Mundwerk und einer Horde von Kindern - einfach süß!
Fairerweise muss ich erwähnen, dass die Kriminalgeschichte eher mäßig ist. Wie Rachel und Ivy dem Unterweltboss nachspionieren etc. ist noch sehr interessant und spannend, der Abschluss jedoch enttäuschend (Trent begeht einen dummen Fehler, der seinem Charakter gar nicht entspricht). Was soll's, DWW ist dennoch sehr empfehlenswert. Also, unbedingt probieren!
Der Zyklus im Überblick: DEAD WITCH WALKING (BlUTSPUR von Heyne); THE GOOD, THE BAD AND THE UNDEAD; EVERY WHICH WAY BUT DEAD; A FIST FULL OF CHARMS; FOR A FEW DEMONS MORE