Es gibt (mehr oder weniger gute) Spiele (speziell im Horror-/Action-Genre), die sind bekannt für ihren hohen Blutzoll. Daneben auch Spiele, die eine unheimliche, beängstigende, sehr bedrohliche Atmosphäre bieten. Dann wären da noch jene Games, die den Spieler mit vielen und ordentlichen - direkten oder subtilen -Schockmomenten zuzusetzen wissen.
Und zu guter Letzt gibt es noch seltene Meisterwerke, die all diese drei Spiele-Gruppen-Zutaten in einem einzigen Titel abdecken.
"Dead Space" IST so ein seltenes Meisterwerk.
Das Spiel handelt von dem Bergbauraumschiff USG Ishimura, das sich in einem fernen Bereich der Galaxis aufhält und den Geheim-Auftrag hat, ein fremdes, außerirdisches Artefakt auf dem Planeten Aegis VII zu bergen. Der Funk-Kontakt mit dem Schiff ist seit längerem abgebrochen, der Grund dafür unbekannt.
Aus diesem Grund wird die USC Kellion mit einer Handvoll Technikern (die über den wahren Aufenthaltsgrund der Ishimura nichts wissen) hingeschickt, um nach dem Rechten zu sehen und die Funkprobleme zu beheben. Ein Crew-Mitglied ist der Ingenieur Isaac Clark, in dessen Rolle der Spieler schlüpft.
Unter widrigen Umständen auf der Ishimura angekommen, stellt die Crew fest, dass das Schiff herrenlos im All umhertreibt, von ihrer 1000-köpfigen Besatzung fehlt jede Spur... Doch Isaac und seine Kollegen sind NICHT allein. Blutrünstige außerirdische Wesen, die Necromorphs, attackieren Isaac und trennen ihn so vom Rest der Crew. Auf sich allein gestellt, kämpft er um sein eigenes Überleben und versucht gleichzeitig, die grausige Wahrheit über die Necromorphs und den Grund ihrer Anwesenheit zu ergründen...
"Dead Space" ist ein Survival-Action-Adventure par excellence, das es so in dieser Form noch nie zuvor gegeben hat. Kenner diese Genres würden diesen Titel automatisch mit dem Klassiker "Resident Evil" im Vergleich ziehen, aber das wäre nur im Ansatz zutreffend.
Sicher, aufgrundes vieler bekannter Elemente lassen sich beide Spiele in Verbindung bringen:
u.a. die äußerst blutige Präsentation, die unverblümte Darstellung der Brutalität, der Einsatz bewusst eingespielter Schreck-Momente.
Aber es sind auch viele Horror-Stilmittel eingebaut worden, die man eher aus "Silent Hill", "Alone in the Dark" und ähnlichen Genre-Vertretern kennt:
das beklemmende Zusammenspiel aus Licht, Schatten und absoluter Finsternis, eine unheilvolle Mischung aus nervenzerrender Spannungsmusik und klug eingesetzten Soundeffekten, die die panische Stimmung dieses Survival-Trips enorm steigert, und eine wendungsreiche, sehr erwachsene und kompromisslose Story.
Dazu gibt es noch viele schön eingebaute Physik-Rätsel und das eigens für dieses Spiel entwickelte "Dismemberment"-Feature, ein Kampfsystem, bei dem der Spieler die Möglichkeit bekommt, die Gegner in ihre Glieder-Einzelteile zu zerlegen.
Von diesem Feature hängt stets das Überleben der eigenen Spielfigur ab, denn ein einfaches "Abknallen" der Gegnerhorden bringt überhaupt nichts. Nur durch taktisches Vorgehen und dem richtigen Timing schafft man es, die Gegner z.B. durch Abtrennen der Beine in ihrer Fortbewegung zu verlangsamen und ihnen nach und nach den "Rest zu geben".
Ich persönlich habe selten, wenn überhaupt ein Spielerlebnis in der Art erfahren, wie dies "Dead Space" bietet. Es gab nicht selten die Situation, dass ich nach einer guten Spielstunde eine "Zwangspause" einlegen musste, weil die Schockeffekte oftmals so richtig an die Nieren gehen *g*. Einfach Horror pur !!!
Ständig hat man das Gefühl, das gleich hinter der nächsten Ecke etwas lauert, hinter der vorliegenden Tür irgendwas passieren muss, dass man sich auf den bzw. die nächsten Gegner vorbereiten muss... Der Puls ist ständig am Flattern, die Nerven zum Zerreissen angespannt, und wenn man sich in den nächsten Level-Abschnitt fortbewegt... Passiert oftmals nichts !!!
Und umgekehrt ertappt man sich selbst dabei, dass man in einem sicher geglaubten Bereich leichtsinnig umherwandert... Und mir nichts, dir nichts von einem oder mehreren Necromorphs derart überrascht wird, dass man vor Schreck fast das Gamepad aus den Händen fallen lässt.
Dieses beklemmende Gefühl begleitet einen ständig, denn die Macher hinter "Dead Space" wissen geschickt mit der Angst des Spielers zu spielen. Die Spannung ist von Anfang bis zum Ende des Spiels stets am oberen Limit, das umliegende Geschehen bedingt durch die eingeschränkte Perspektive (Third-Person, oberhalb der Schulter des Spiele-Charakters) stets furchteinflößend, da man immer erst etwas hört, ehe man etwas sieht.
Zur Technik hinter dem Spiel ist zu sagen, dass "Dead Space" eine verdammt gute Grafik-Engine bei recht moderaten Hardware-Anforderungen auf dem Bildschirm zaubert, die auch in voller Gänze zeigen kann, was sie zu leisten vermag, da Statusanzeigen für Lebensenergie, Munition und Items geschickt an der bzw. um die Figur herum "eingebaut" wurden. Die düstere Musik und die tolle Soundkulisse lassen das Spielerherz (nicht nur der Schocks wegen) höher schlagen und sind insbesondere über eine Surround-Anlage ein Genuß, die Steuerung wurde einfach und effektiv umgesetzt.
Auch ist noch zu erwähnen, dass das Spiel absolut bugfrei daherkommt, was in der heutigen Videospiel-Zeit fast schon ein kleines Wunder für sich ist.
"Dead Space" ist ein Must-Have-Titel für jeden Game-Freund, der auf schaurige Spielerlebnisse steht und sich auch gerne (und oft !) erschrecken lässt. Das Spiel ist ungemein packend inszeniert, verlässt sich aber gleichzeitig nicht allein auf seine blutige Thematik / Präsentation, sondern weiss all seine Vorzüge und Stärken gekonnt einzusetzen, was unterm Strich ein Horror-Erlebnis der Spitzenklasse zum Vorschein bringt.