...ist dieser elfte Band von noch ausstehenden zwei.
Langjährige Leser dürften aufatmen, serviert Harris uns eine gelungen Geschichte von altgewohnter Stärke - die Plots sind schlüssig, die Charaktere stark und der ersehnte Sarkasmus kehrt zurück. Positiv fällt somit auch die Hauptprotagonistin auf, die, nach der SVM-Zeitschleife, vor Wochen noch ungenießbar war, sich im Tief suhlte, habe wir hier eine Wiederauferstehung der anderen Art. Alte und neue Charaktere flanieren über die Seiten, erfüllen uns mit Unmut oder tiefster Befriedigung. Zudem schleust Harris zwei Bekannt aus ihrer ersten Buchreihe in das SookieVERSUM ein: Lily Bard und Jack Leeds.
Buchinhalt:
Von Ruhe und Frieden kann das kleine Bon Temps nur träumen, als eines Abends ein Anschlag auf das Merlottes stattfindet. Mit kleinen Blessuren und einem ständig mürrischen ,, Ehemann'', stolpert die Gedankenleserin in den Kleinkrieg zwischen den ansässigen Vampiren. Wenn nicht gerade Eric und Pam ihre Gefechte bestreiten, hängt auch schon Victor wie ein riesiges Damoklesschwert über deren Köpfen. Durch List und einer neu bezogenen Position, setzt er alles daran Eric zu schwächen. So hat die Eröffnung zweier neuer Clubs Auswirkungen auf das Fangtasia & Merlottes, wobei Sam durch das drohende Unheil (und den angerichteten Schaden) mit Geldproblemen kämpft. Zudem bemächtigt sich der neue Regent von Louisiana ausufernder Methoden, wobei auch die Fairies für seine Zwecke herhalten.
Doch neben diesen Sorgen läuft das Leben weiter, und Sookie entstaubt ihre Ansichten genauso wie den heimischen Dachboden - mit ungeahnter Wende. Doch mit dem Fund verstärkt sich Sookies Zweifel an den lieben Verwandten und Mitbewohnern. Claude scheint ganz eigene Ambitionen zu haben, während Dermot als abgestelltes Möbelstück Sookies Alltag bereichert. Als dann Hilfe von Amelia winkt, beschreitet hastig Miss Stackhouse einen ersehnten Weg - zum Ärger ihres Wikingers. Resultierend daraus, macht Alcide dem Vollweib seine Aufwartung, die bei ihr auf wenig Gegenliebe stößt. Dieses Intermezzo läßt Frau nicht auf sich sitzen und zieht die nötigen Konsequenzen: zurück bleibt ein tatkräftig euphorischer Dermot sowie ein zugestopftes e-Mail Postfach.
Zwischen einem Abstecher bei Hunter, Taras Babypartyvorbereitung, Sandras Vendetta und Victors ,,Renteeintritt'', findet Sookie Zeit das Holligans aufzusuchen - mit einem gestrandeten Sammelsurium von Elfen, Fairies und Mischlingen. Antworten erhält die Telepathin keine, erfährt aber den Grund, wieso ihr Liebster die letzten Wochen zum Crinch mutierte. Bevor sie ihren Ärger Dampf macht, ergibt sich eine große Problemerschließung, die in einem Showdown des Fangtasias endet. Vor d. heimischen Pforte lauert dann aber auch schon der nächste Schlag...
Zwischenbilanz:
Seit DITF dürfte ca. ein Monat vergangen sein, der für den Leser signifikante Antworten, aber auch umso mehr Fragen bereithält. Erfahren wir doch endlich woher Sookies Fähigkeit stammt und Appius zweideutige Anspielungen, Eric und Sookies Beziehung auf Probe stellt. Neben diesen darf Amelia ihren Künsten frönen, erlöst den Leser und Sookie von nagenden Zweifeln - und gefährdet letztlich die Beziehung zu ihrer Freundin. Leider kommt die Vampirpolitik zu kurz, was aber sicher in den zwei letzten Bänden kulminiert.
Der moralische Kompaßunterschied von Supras & Menschen stützt alle Handlungsstränge.
Harris Projizierung thematisiert erneut Homos*xualität, Inzest und Rassentrennung (Spezies).
So hat Alcide einen kleinen Gastauftritt: Durch seine jüngste Aktion, zündet bei Sookie ein längst überfälliges Feuer, wessen sengende Flammen auch andere (zu Recht) verzehrt. Neben Bob, Jannalynn, Judith, Sandra Pelt, Hunter, Bubba, Jason & Tara (beide haben minimale Erwähnung) und - wie gewohnt- Sam, trifft man auch auf den Dämonenanwalt Mr. Cataliades wieder. Jüngster offenbart uns ein ganz besonderes Geständnis. Neuzugänge finden wir vor allem unter den Menschen, wobei alle ihren Beitrag zu Erics und Sookies großem Ziel leisten. Überraschend enthüllt Pams neuster Eroberung eine ,,Schwäche'', verschafft der Vampirin sorgenvolle Nächte und unschöne Szenen mit ihrem Schöpfer. Doch auch die Loyalität zu Sookie fordert mehr als Erics Selbstbeherrschung. Für ein wenig boshafte Heiterkeit sorgt auch der Elf Bellenos, dem weitere Auftritte garantiert sind. Undurchsichtig kommt Erics neuer Tagesmann daher: Mustapha Khan.
Königin Freya erhält eine Randerwähnung, wenn auch bedeutsam.
Neue Erkenntnisse gibt es über Nialls wahres (!) Desinteresse hinsichtlich Jason, wie auch die beständige Zusammenarbeit und der Zeitpunkt mit Eric. Nähere Beleuchtung erfährt Sookies Familienbackground. Mißbilligend sieht man dagegen Sookies berufliche Stagnation, wie auch Sams Drang, seiner Freundin und Finanzspritze Entscheidungen zu diktieren; dabei hat der Gestaltwandler genug eigene Probleme, wozu wohl später auch Jannalynn gehören wird. Erwartungsgemäß huldigt d. Fangtasia-Schlacht eher der TV Szenerie ''TrueBlood''.
Zum verstärkten Fokus zählt nun die Magie, welche durch Hexen u. Fairies präsent ist. Dagegen präsentiert Harris die Telepathin u. deren Ex Lover Bill im neuen Glanz - man mag es kaum glauben, spricht letzterer dem Leser aus vollem Herzen -, bewegt er Sookie zur Räson, als diese bewährte Zügel aufzäumt. Überhaupt unterzieht man Mister Compton einer Rehabilitation, die 100%-ig Ausbauung findet.
Egal ob Appius Plan (der vorerst einfach begründet wird), Sandras Anschläge, Claudes Ambitionen oder Victors Feldzug: sie alle werden durch Fintans Vermächtnis in den Schatten gestellt. Obendrein lauert im heimischen Wald eine verführerische, wenn auch unzugängliche Option für Claude & Co. Ob es sich zur Sorge entwickelt, wird die Zukunft zeigen.
Zurück bleibt der Leser mit Fragen, wie wohl Felipe auf jüngste Vorkommnisse reagiert und wie E/S ihr Glück bewahren. Auch Sookie geerbtes Kleinod, das Cluviel Dor, ebnet neue Wege. Egal in welchem Fall, die Chancen auf Sturm stehen gut.
Fazit:
Im stetigen Tempo treibt Harris den roten Faden voran, verliert dabei nie den Blick auf die Nebenstränge; mit Spannung blättert sich das Buch von ganz alleine und macht Hunger auf mehr. Nach Jahren der Enttäuschung darf der resignierte SVM-Leser wieder zugreifen. Die letzten Jahre liefen nebenher mehrere Projekte v. Harris, was der Reihe abträglich war. Mittlerweile - wohl auch wegen Harris Cut hierzu - kann sich dieser Band mit den ersten Exemplaren messen. Mit DEAD RECKONING dürfte der Leser versöhnt werden. Hoffen wir, die ausbleibenden Bände halten dieses Niveau.
Nach zweimaligen Studieren vergebe ich daher gerne fünf Sterne. \(^o^)/