Nach ihrem letzten, aufwendig produzierten, bei Fans und Kritikern aber wenig erfolgreichem Album "Enigma" musste man schon fürchten, dass Ill Nino das Schicksal vieler Bands ereilt, die um das Jahr 2000 ein breites Publikum gewannen und nach dem NuMetal-Hype in der Versenkung verschwinden. Mit "Dead New World" gelingt aber die nicht mehr zu erwartende Großtat: der Sound des neuen Albums vereint die rauhe Härte und kompromisslosen Druck des Erstlings "Revolution, Revolucion" mit den eingängigen und pathos-gesättigten Refrains von "Confessions". Das Ergebnis ist ein überzeugendes Amalgam von 11 Tracks, die zum einen eine konsistente Soundwand bilden (woran der Vorgänger mit Mega-Multi-Layer-Recordings und zu vielen Ausflügen ins Akkustische krankte), ohne es dabei an Abwechslung vermissen zu lassen.
An den Markenzeichen der Band hat sich sicherlich wenig geändert: drückender Metal mit Latinelementen gemischt, deftige Rhythmus- & Percussionarbeit dazu und oben drauf ein Christian Machado, der es in Punkto Vielfalt im Vergleich zu seinen teilweise grobschlächtigen Anfängen mittlerweile mit einem Corey Taylor aufnehmen kann. Wenig geändert hat sich leider an den nahezu-banalen Lyrics, aber wer derart viel Kraft und Emotion in seine Vocals legt, dem kreidet man sowas natürlich höchstens als Schönheitsfehler an.
Geschmackssache ist das Smashing-Pumpkins-Cover "Bullet with Butterfly Wings", technisch ohne Frage überzeugend, sicher ein Plus in Hinsicht auf die Bereitschaft zum Experiment, fällt es zwar etwas aus dem Klangewand des Albums, aber weiß nach ein paar Durchläufen auch zu gefallen. Mit "Mi Revolucion" hat man insofern einen typischen Ill-Nino-Song als erste Single gewählt, als hier durchaus ein gewisser Mainstream-Appeal vorhanden ist, der jedoch dem rauheren Albumsound insgesamt vieleicht nicht ganz gerecht wird. Schade, nichtsdestotrotz eine gute Nummer.
Fazit: Songwriterische Durststreckungen und allzu poppig orientierte Hooks der beiden letzten Releases sind vergessen, Ill Nino gehen wieder ordentlich zur Sache und liefern reichlich 40 Minuten bestes Mosh-Material mit dem gewissen Etwas an Eingängigkeit und den unverwechselbaren Zutaten der bewährten Latin-Metal-Rezeptur.
Highlights: "God Is For The Dead", "Bleed Like You", "Ritual", "Killing You, Killing Me"