Es ist schwierig, über diesen Film mit den gängigen "Gefällt mir gar nicht bzw. gefällt mir sehr" Bewertungskriterien zu urteilen. Dieser Film ist zu ernst und hat eine zu gewichtige Thematik zum Inhalt, als dass wir ihn nach unserem persönlichen Geschmack beurteilen könnten.
Eines ist sicher: Wer von vornherein gegen die Perversion der Todesstrafe ist, der ist es nach diesem Film umso mehr. Matthew Poncele ist ein Mörder, der schließlich mit seinem Gewissen nicht mehr zurechtkommt. Er zeigt Reue, wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben. Aber zu diesem Zeitpunkt ist die mörderische Todesmaschinerie längst nicht mehr zu stoppen.
Würde wenigstens ein Mensch ihn von eigener Hand richten, oder würde eines der Angehörigen der Opfer seine Rache an ihm nehmen, das würde die Sache zwar nicht besser machen, hätte aber wenigstens noch eine menschliche Attitüde. Statt dessen zwingt uns der Regisseur, zum ohnmächtigen Zuseher einer vollkommen entmenschlichten und automatisierten Hinrichtung durch die Giftspritze zu werden. Nicht mehr der Henker beschmutzt seine Hand, nur noch die Automatik ist zur Rechenschaft zu ziehen. Am Schluss stirbt einer, der gerade den ersten Schritt auf dem Weg zur Läuterung getan hat - und keinen interessiert es.
Dieser Film ist eine gewaltige Anklage. Beschuldigte werden von vollkommen Fremden nach Recht und Gesetz verurteilt, jahrelang in ständiger Todesangst aufbewahrt und schließlich eines Morgens hingerichtet. Demütigender und unwürdiger geht es nicht.
Ich kann es verstehen, wenn die Mutter eines ermordeten Kindes im Gerichtssaal Rache nimmt. Die Perversion im Auftrag der Gesellschaft ist weder zu verstehen noch zu verzeihen. Möge man diesen Film im Gedächtnis bewahren!
Aber sogar dieser Film wird als Konsumware gehandelt. Ich habe ihn einmal im Kino gesehen und das soll auch das letzte Mal gewesen sein. Würde ich ihn nochmal anschauen (und am besten noch im Privatfernsehen mit Werbeunterbrechung), so würde ich ihn wahrscheinlich als sehr guten Film in einer Reihe anderer sehr guter Filme betrachten. Nee, nee, einmal hat gereicht.