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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dead Man River ' Eine fieberhafte Reise auf dem Fluß der Fantasie., 20. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Dead Man River (Gebundene Ausgabe)
George R. R. Martin, dass ist natürlich für viele sein High-Fantasy-Zyklus um das Lied von Eis und Feuer. Nachdem ich diesen regelrecht verschlungen habe begab ich mich auf die Suche nach mehr Lesestoff von G. R.R.M. Dabei stand auf meiner Wunschliste "Fevre Dream" (Orginaltitel) an erster Stelle. Dead Man River ist die neuaufgelegte Fassung von Fiebertraum, das vor Jahren schon einmal auf Deutsch erschienen ist. Martin erzählt hier in die Geschichte des Flußschiffers Abner Marsch, der vor dem Ruin steht und seinem verhängnisvollen Zusammentreffen mit Joshua York, einen geheimnisvollen, schwerreichen, Aristokraten ungewisser Herkunft. Dieser ermöglicht es Abner Marsh seinen Traum vom größten und schnellsten Raddampfer auf dem Mississippi, doch noch zu erfüllen. Doch zu welchem Preis? Zu spät merkt Abner Marsh worauf er sich bei diesem Handel eingelassen hat. Doch seine eigene Begierde reißt ihn immer tiefer in den Abgrund. Typisch George Martin, ändern sich im Lauf der überaus spannenden Geschichte die Charaktere, Ansichtsweisen und Motivation der Akteure. Grenzen verfließen. Ist das Böse wirklich so urböse wie es scheint oder wird es auch nur von inneren Zwängen getrieben. Überleben um jeden Preis? Martin erzählt meiner Meinung nach die Geschichte ohne diesen moralischen Aspekt. Vielmehr vermischt er die Genres Twainschen-Mississippi -Abenteuers mit denen des Stokerschen-Vampir-Horror. Und das verflucht gekonnt. Das Grauen nimmt nie überhand, hängt jedoch latent über dem Geschehen, genauso wie die Schwüle über dem Mississippi und entlädt sich heftig, wie die Gewitter über dem Fluss. Beim Lesen hatte ich öfters so Retro-Lese-Erlebnisse, wenn es so etwas überhaupt gibt. Wie damals, als ich noch jung war und die Bücher von Twain, Stoker nächtens verschlang, war ich gefangen in der Geschichte und wollte immer wissen wie es weitergeht. Und das ist Martins Fähigkeit die Leser bei der Stange zu halten. Und wie er einen mitnimmt in dieses schwüle Südstaaten-Feeling über dem der Hauch des Schreckens steht ist bemerkenswert. Dead Man River ist bestimmt nicht Martins größter Wurf. Aber dennoch, packend und dicht geschrieben. Martin hat sich in den Jahren weiterentwickelt und das ist auch gut so. Hätte ich Fevre Dream zuerst gelesen, vielleicht hätte ich beim 'Lied' doch noch länger gezögert. So, ist es eine prächtige Ergänzung und ein Lesespaß für kalte Winternächte. Seltsamerweise kommen mir diese Gedanken immer nur nachts und sie verschwinden jedes Mal mit dem Morgengrauen.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Historischer Vampirroman mit Anspruch, 29. Juni 2008
George R. R. Martin, bekannt durch seine Reihe >Das Lied aus Eis und Feuer<, bietet uns mit dem 1982 erschienen >Fiebertraum< einen seiner früheren und besten Romane. Wo der Büchermarkt in letzter Zeit mit zahlreichen erotischen und flachen Vampirgeschichten versorgt wird, ist es umso erfreulicher, dass Bücher wie >Fiebertraum< immer noch als Licht im Dunkel ihren Platz finden. Im Jahre 1857 steht Abner Marsh, Flussschiffer auf dem Mississippi, wegen einer Frostkatastrophe vor dem Ruin. Plötzlich schlägt ihm der vermögende Geschäftsmann Joshua York ein verlockendes Geschäft vor: Mit einem großen Kapital soll das schnellste und prächtigste Dampfschiff des Mississippis gebaut werden. Marsh ergreift die Möglichkeit, seinen lange gehegten Traum umzusetzen und bald beginnt die Jungfernfahrt der Fevre Dream - Fiebertraum. Abners wahrgewordener Wunsch wird getrübt, als Gerüchte um seinen Partner York laut werden: Nur bei Nacht treibt er sich öffentlich herum und mysteriöse Gefährten werden ohne Absprache an Bord genommen. Nach einiger Zeit wird klar, dass York kein menschliches Wesen ist und den Fluss bereist, um die Angehörigen seiner Rasse zu sammeln. Welchen Plan verfolgt York wirklich und wie wird Abner sich entscheiden? Martins Sprache und Schreibstil in >Fiebertraum< ist meiner Meinung nach noch besser als in >Das Lied von Eis und Feuer<, was vielleicht an der Übersetzung liegt. Abner Marsh ist ein untypischer Antiheld, beleibt, hässlich und störrisch und doch hat er bewundernswerte Prioritäten. Alle Charaktere sind nicht zuletzt durch die guten Dialog authentisch dargestellt. Sour Billy, der sich nach einem Leben als Vampir verzehrt, ohne zu wissen ob ihm dieser Wunsch jemals erfüllt wird und dennoch alles dafür tut und Julian, bei dem man niemals weiß wozu die Mischung aus Autorität, Intelligenz und Wahnsinn ihn treibt. Dabei ist besonders die Entwicklung der ungewöhnlichen Beziehung zwischen Abner und Joshua interessant. >Fiebertraum< ist auch ein Historischer Roman und was für einer! Die Beschreibungen der Dampfschiffe und Schwierigkeiten sowie Notwendigkeiten bei ihrer Benutzung und Befahrung des Mississipis sind so lebendig beschrieben, dass es glatt ein Interesse an Dampfschiffen in mir geweckt hat. Eindrucksvoll wird auch Das New Orleans des mittleren 19. Jahrhunderts geschildert und die damalige Gesellschaft mit ihrer Sklaverei aufgezeigt. Besonders erfrischend an Martins Buch ist der Umgang mit dem durchgenudelten Thema Vampire. Eine Warnung an alle, die bei der Bezeichnung Vampirroman sogleich an melodramatische Kuschelvampire denken, die in romantische Liebesgeschichten verwickelt sind! Hier sind Vampire eine eigene Rasse und ein Vampir kann wie bei Menschen nur durch Vampireltern geboren werden. Außerdem können Vampire auch erschossen oder ertränkt werden und ähnliches, was jedoch durch eine schnelle Regeneration erschwert wird. Die Blutgier ist in >Fiebertraum< keine zwingende Notwendigkeit und kann einen Vampir auch in eine ethische Krise bringen. Letztendlich gibt es bei Martin auch keine Eingrenzung in "Gut" und "Böse" und bei Vampiren wie Menschen verschwimmen diese Grenzen. Schließlich kann man Martins >Fiebertraum< auch als Parabel auf Andersartigkeit verstehen. Das melancholische Ende ist wunderbar. Gute und überzeugend verfasste Vampirromane sind selten, also zugreifen!
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Über das Volk der Nacht..., 1. September 2008
Als begeisterter Leser von Martins Eis-Feuer-Zyklus lagen die Erwartungen bei seinem Frühwerk "Fiebertraum" (erstmals erschienen 1982) hoch. Doch eine Geschichte über Vampire wollte mir zunächst gar nicht schmecken, da dieser Stoff sehr verbraucht ist und im Allgemeinen voller Klischees steckt. Dass das Buch zweigeteilt ist, kann ich bestätigen (s. Rezension Wöllner). Der erste Teil beschäftigt sich im Grunde mit dem Leben in den 1850er Jahren am großen Strom des Mississipi. Martin zeichnet die amerikanische Gesellschaft zu dieser Zeit nach. Flussdampfer sind die wichtigsten Transportmittel entlang der Wasserstraßen und noch nicht von der Eisenbahn verdrängt. Sklaverei und Rassismus beherrscht die Südstaaten, New Orleans ist funkelnde Weltstadt und dreckiges Molloch zugleich. Abner Marsh, groß, verwarzt und hässlich, Eigner einer Dampfschifffahrtsgesellschaft, steht vor dem Ruin, als er das Angebot eines Joshua York bekommt, ein großes, schnelles Schiff zu bauen. Bis Abner Marsh entdeckt, wer bzw. was Joshua York und seine Gefährten sind, denen Marsh sich unterstellt hat, vergeht etwa die Hälfte des Buches. Gleichzeitig wechselt die Perspektive und einige Kapitel werden aus Sicht eines zweiten Charakters, Sour Billy Tipton, beschrieben, der die Drecksarbeit für den Plantagenbesitzer Julian erledigt, in dem er schöne Sklavinnen und Sklaven kauft, die Julian und seinem Gefolge als Nahrung dienen. Tipton ist schlank und sehnig, ohne Gewissen und verblendet. Aber er ist auch abhängig, willenlos. Ein Versprechen bindet ihn. Die Hauptcharaktere sind also keine strahlenden Helden mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten. Es sind Menschen mit Fehlern, tragisch und einsam. Der zweite Teil führt die zwei Erzählstränge zusammen und die Handlung nimmt Fahrt auf und bekommt Feuer wie ein Dampfschiff, das mit Talg betrieben wird. Der Bug pflügt sich durch das Wasser, der Druck der Kessel ist zum Zerbersten und die Schaufelräder erzeugen eine Wand aus Gischt. Vampire treffen auf einander und es kommt zu Auseinandersetzungen, die einen Meister, einen Ranghöchsten ermitteln: den "Blutmeister". Plötzlich bannt das Buch wie die Augen des Volks der Nacht und die zweite Hälfte ist an einem Tag gelesen. "Fiebertraum" deutet Martins atemberaubende Erzählkunst an, die "Das Lied von Eis und Feuer" so einzigartig macht. Bereits in diesem Frühwerk werden vielschichtige Charaktere mit Stärken und Schwächen von Martin kunstvoll gezeichnet. Kein Schwarz-Weiß-Film, sondern ein schillernder Alptraum voller Tragik und Spannung, das ist Martins "Fiebertraum". Daher vergebe ich vier Sterne, wegen der etwas zu lang geratenen Einleitung und weil das Lied von Eis und Feuer noch besser ist. Ansonsten: Sehr empfehlenswert!
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