>> Dead and Gone << - lakonisch zutreffend.
Nach langer Überlegung, beurteile ich auch d. neunten Sookie - Band.
Vorab: Wer Sinn für urbane/rural Fanatsy hat, der sollte sich die Sookie Bücher zu Gemüte führen. Doch seit gewarnt: Die >> Sookie Stackhouse - Reihe << vollzieht eine Metamorphose und schweift bald schon in berechenbare Gefilde ab. Doch um alle Handlungen zu verstehen, muß man die chronologische Reihenfolge schon einhalten. Zum besseren Verständnis finden sich in jedem Band Querverweise wieder.
Was der Titel verspricht, das spiegelt auch die Geschichte wider.
Ein Charakterwandel muß zugestanden werden; aber ich war schon etwas verdutzt, wie unsere Telepathin hier auftritt. Sicher, die hiesigen Ereignisse überschlagen sich, und im Gegensatz zu den vergangenen Auseinandersetzungen, in denen Sookie nur als Statist agierte, ist sie dieses Mal der Auslöser für das große Ereignis in diesem Buch. Ein Faktor an dem ich Anstoß nahm: die Buchlänge & hastig abgehandelten Einzelstränge wichtiger Storyplots. Ein schnell abgehakter Gesamteindruck bleibt. (Ideenmangel?) Frau Harris hatte gewarnt, dieses Buch sei düsterer angehaucht als die Vorgänger. Nun, kommt immer auf die Sichtweise an; doch hier ist einfach die abgestumpfte Art & Weise der Hauptprotagonistin auffällig, genauso wie die Sterberate oder Weggang einiger Charaktere, die wir kennen und eventuell lieben gelernt haben. Dieser Prozeß ist unumgänglich, wirkt hier aber wie das Abstreichen einer Einkaufsliste.
So wird auch am Schluß ersichtlich, wie der Geschichtenverlauf eigentl. hätte enden sollen - hätte Fr. Harris ihren Buchvertrag nicht verlängert. Aus den ursprünglich ZEHN geplanten Büchern, sind nun mehr (vorerst) 13. Bände geworden, was dem derzeitige akuten Vampirhype zugrunde liegt. Und die TV - Umsetzung >> True Blood <<, ist in den USA auf den vorderen Rängen.
Zum Buchinhalt:
Die Wergeschöpfe treten an die Öffentlichkeit und scheinen während des Buches damit keine besonders großen Wellen heraufbeschworen zu haben - bis jetzt. Sam muß auf Grund familiärer Überschlagungen kurzfristig weg und überläßt Sookie die Leitung. Derweil ziehen sich die Vampire aus L.A. zurück, jetzt wo sie ihre Ansprüche & Regelungen einigermaßen über die Bühne gebracht haben. Doch den Versuch - Oh Überraschung!- sich Sookie unter den Nagel zu reißen, wurde nicht ausgelassen, was ihr Blood Bounded- Kumpel Eric zu vereiteln wußte. Die Art auf die er es tat, war allerdings nicht gerade Frl. Stackhouse's Wahl.
Sookie erfährt mehr über die eigene u. Erics Familiengeschichte. Und ein kurzer, wenn auch unnötiger Besuch, wird vom Wertiger Quinn vollzogen. Doch Quinn wird schnell aus Eric Territorium vertrieben, damit ER endlich seine ''Ansprüche'' geltend machen kann. Eric u. Sookie verbringen eine Liebesnacht, wobei Sookie sehr ''herzlich'' rüberkommt. Die beiden sind nun mehr ein Paar. (Was Eric/ Sookie - Fans nicht allzu schnell in Euphorie versetzen sollte, da man noch deutlich merkt, wie labil Frl. Stackhouse mit der Gesamtsituation umzugehen scheint.) Sam, der mittlerweile zurück ist, erfährt von Sookies neuster Verbindung zu Eric, und bringt dies -mehr als deutlich- zum Vorschein.
Sookies Nochschwägerin Crystal wird ermordet aufgefunden, weshalb man ihren Bruder Jason verdächtigt. Ein Mordversuch von Seiten ihrer ehemaligen Freundin Arlene & der FotS, kann auch abgewendet werden. Und als wäre Sookie nicht geplagt genug, trifft auch noch das FBI in Bon Tempes ein.
Doch das Ganze kulminiert mit dem Auftauchen der gegnerischen Elfenpartei ihres Urgroßvaters Niall, die Sookie und alle 'Elfenmischlinge' für eine Perversion u. Schwächung des Elfenvolkes halten. (Diskriminierung unter Supras ist, wie bei den Menschen, ganz hoch im Kurs.) Nun erfährt Sookie, warum Niall Jason nichts abgewinnen kann. Der Showdown endet mit einem Krieg der beiden Elfenlager, wobei mit Toten nicht gespart wird.
Der Schluß soll einen Cliffhanger andeuten. Schmerzlich zu kurz kommt Pam, die neben Eric, die facettenreichste Persönlichkeit in den Büchern darstellt. Bill wird hier zum Nutzen des Geschichtenverlaufs als neuaufkommender Sympathieträger dargestellt. *hüstel* (Der Zweck heiligt die Mittel.)
Unpassend: Bill wird glorifiziert. Denken wir nur mal rückblickend an seine infantile und zeitlich unpassende, in Band acht, getätigte Aussage Eric gegenüber: WER Sookie mehr liebe und was man dafür täte. ,Wie alt sind wir gleich noch mal?!?' Sein vorzeitiges Ableben hätte enorme Auswirkungen auf die Leserschaft. Die verzweifelt aufrechterhaltene Dreiecksbeziehung, Bill-Sookie-Eric, soll auch weiterhin rotieren. Und vergessen wir ja nicht all die anderen Nebenbuhler: Sam, Alcide u. Quinn.
Die TV - Umsetzung, ist keineswegs vergleichbar mit dem monoton & infantilen ''Twilight'' (und deren Nachzügler von Gleichgesinden) u. seinen stereotypischen Figuren. Die Serie richtet sich eher an das reife Publikum. Die Serie basiert & orientiert sich nur im Groben(!) an d. Romanen. Auffallend, die Entwicklung der Bücher mit der TV Variante; man bekommt den Eindruck, Fr. Harris richtet die Geschichte auf einen vorteilhaften Serienverlauf aus - weniger Witz und Charme, mehr Aktion. (Hinweis: Sie hat das hiesige Buch vergangenen September -zum Serienbeginn- nochmals überarbeitet, wobei das Skript dem Verleger bereits vorlag. Zufall?!?) Auch die Charaktere bekommen in den Büchern auf wunderliche Weise seltsame Gesichtszüge aufgebürdet. Ein großer und genialer Pluspunkt: die fiktive TV Serienfigur Jessica.
Ablegerbuchserien zu "Southern Vampire Series", sind -abgesehen von den jährlichen Randgeschichten- auch schon in Bearbeitung.
Man weiß nicht so genau, wo dieser Band einzureihen ist - weder Fisch, noch Fleisch. Zurück bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Ich bin einfach enttäuscht: die schnelle u. kurze, beinahe gehetzte Abhandlung der Geschehnisse & Figuren, spricht für keine Höchstform. Sookies verzweifelter Versuch gegen Enttäuschung in Sachen Liebe anzugehen, ist schon enervierend. Zum einem mag man ihre Handlungen & Sichtweise verstehen, aber irgendwann ist der Schlußpunkt gezogen. Doch dies wird so lange nicht eintreffen, bis das Ende der Buchreihe feststeht. So muß Sookie auch in diesem Band einiges über sich ergehen lassen. Auf Grund der jüngsten Umstände, kommt es wieder zu einer vorsichtigen Annährung zwischen Sookie und Jason. Die Sidestory, die Jasons neuen Kumpel betrifft, wirkt dagegen deplaziert und schnell abgewickelt. Zu Sam: die Rolle des undankbaren Arschloches wird ihm hier zugeschrieben. Hunter, Sookies (Groß)Cousin - sie bezeichnet ihn lieber als Neffe -, kommt in diesem Band so gut wie gar nicht vor. Außer einem Anruf seines Vaters, wird der Junge gar nicht ins Spiel gebracht.
Ich kann nur hoffen Fr. Harris wird mit dem nächsten Band nicht ganz so ''bequem'' umgehen. Es ist das eine, einer Story keine Würze mehr geben zu können, etwas anderes, es bis zur Agonie auszureizen. Doch schon vorhergehende Sookie-Bände haben keine Genugtuung hervorgerufen. Das Ergebnis ist das Dahinplätschern einer einstmals anständigen Buchreihe, die des Kommerzes halber am Leben erhalten bzw. unnötig in die Länge gezogen wird. Zugegeben, einige Faktoren lassen sich wunderbar ausweiten; dagegen lehne ich das Erhalten unnötiger Nebencharaktere (vor allem die >> Love Interest << ) ab.
Auf Harris lastet enormer Vertrags - u. Erwartungsdruck, das man fürchten muß, sie kann ihrer Muse nicht gerecht werden. Es worden erste Infos zum nä. Band gegeben; u.a. wird Bill ernsthaft mit Vergiftungsfolgeerscheinungen zu kämpfen haben, während Eric's Schöpfer Appius höchst selbst aufwartet; Alcide erscheint; Sookie, noch mit den ihr zugefügten Verletzungen hardert ... etc. Sein Titel: ''Dead in the Family''.
Nun, als hartgesottener Fan denkt man sich seinen Teil und hofft auf andere, bessere Zeiten. Ein würdiger & stimmiger Abschluß wäre für diese Buchreihe schön.