Ich hatte schon mit der alten Lattissima geliebäugelt, hatte mich damals aber für die Citiz+Milk entschieden, weil keine breiten, hohen Becher unter die alte Lattissima passen. Das Problem ist nun behoben und obendrein ist die neue Lattissima viel kompakter und besser designt. Dass sie keinen Tassenvorwärmer hat, ist für mich positiv. Die Maschine ist in weniger als einer Minute einsatzbereit, so schnell bekommt man eine Tasse mit dem Wärmer gar nicht vorgeheizt, er wäre also nur Stromverschwendung. Schon bei der Citiz+Milk habe ich zum Vorwärmen der Tasse heißes Wasser verwendet, das man aus der Maschine bekommt, wenn man den Kaffeebezug ohne Kapsel startet.
Die voreingestellte Cappuccinomenge von 40 ml Milch/Milchschaum plus 40 ml Espresso ist für normale Kaffeetassen etwas gering. Zum Glück kann man die Lattissima per Knopfdruck auf die Wunschmenge programmieren, und so habe ich die Milchmenge auf 80 ml erhöht, was gut zu meinen Tassen passt. Die Latte Macchiato Menge hingegen (110 ml Milch7Milschschaum plus 40 ml Espresso) ist für meine Gläser perfekt.
Wer sich übrigens über die zu geringe Temperatur des Kaffees/Espressos oder der Milch beschwert, sollte seine Tassen mit heißem Wasser vorwärmen. Denn geschäumte Milch gehört nicht gekocht (sie hat etwa 65 °C) und auch das Wasser für einen perfekten Espresso sollte nicht kochen. Die Maschine macht das schon richtig. Verwendet man eine Tasse mit Zimmertemperatur, so ist der Cappuccino bzw. Latte Macchiato direkt trinkbar. Gleiches gilt für einen Espresso in einer nicht vorgeheizten Espressotasse.
Der Milchschaum der Lattissima+ ist wunderbar cremig. Oben auf dem Milchbehälter/Aufschäumer ist ein Drehknopf zur Schaumregulierung. Selbst in der "cremigen" Einstellung gibt es genügend Schaum für einen tollen Latte Macchiato. Wer gerne sehr viel Schaum und den eher löffelhart mag, stellt den Regler einfach weiter gegen den Uhrzeigersinn. Die Reinigung der Schaumdüse mittels Knopfdruck funktioniert super, man sollte allerdings eine (gebrauchte) Tasse drunter stellen. Auch den Kaffeeauslauf mache ich nach der Zubereitung kurz sauber, indem ich ohne Kapsel etwas Wasser ziehe.
Die Abtropfschale ist sehr groß und kann in das Gerät geschoben werden, wenn man ein hohes Gefäß (max. 14 cm) verwenden möchte. In der Schale wird auch überschüssiges Wasser der Maschine gesammelt, man sollte sie also je nach Verwendung einmal täglich leeren und keinesfalls während der Verwendung aus der Maschine nehmen, sonst hat man schnell eine kleine Überschwemmung. Der Kapselauffangbehälter fasst auch eine kleine Menge Wasser, er hat aber einen Überlauf, von wo aus das Wasser dann in die Abtropfschale läuft. Gerne könnte alles Wasser direkt dort hin laufen, dann könnte man die Kapseln direkt in den Müll kippen, ohne vorher das Wasser abzugießen. Die Kapseln gehören übrigens zur Wiederverwertung in den gelben Sack und nicht in den Restmüll. Im dualen System werden Kaffeemehl und Alukapsel getrennt, das Aluminium wird recycelt (nur dann ist es einigermaßen umweltfreundlich). Genial sind die neuen Esprimo-Kapseln, die komplett kompostierbar sind. Erkauft wird das durch den Nachteil, dass man die Zehnerpackung nach Anbruch schnell verbrauchen sollte, da die Kapseln selbst nicht frisch halten. Ich habe jedenfalls ein Probierset bestellt und bin gespannt, ob sie geschmacklich mit dem Original mithalten können oder es sogar übertreffen.
Die einzige Kritik, die ich an der Lattissima+ anbringen kann, ist der Wassertank. Er ist so schmal, dass man ihn schlecht befüllen kann. Gar nicht funktioniert es, den Wassertank zum Auffüllen in der Maschine zu lassen, wenn sie an der Wand steht. Hier hätten die Maschinendesigner ruhig 2 cm mehr spendieren können, dann könnte man den Tank quer befüllen und es ginge auch etwas mehr Wasser hinein. Auch der Klappdeckel geht in die falsche Richtung auf, um den Tank von vorne zu befüllen. Praktisch ist hingegen, dass man den Tank am aufgeklappten Deckel gut hochheben kann. Da wir hier recht hartes Wasser haben, verwende ich nur mit Brita gefiltertes Wasser, das hat sich schon bei meiner Citiz+Milk bewährt. So konnte ich den Wasserhärtegrad in der Lattissima+ auf weich stellen und muss nicht so oft entkalken.
Übrigens ist die Lattissima+ etwas leiser als die Citiz+Milk, vermutlich ist die Pumpe besser gedämmt. Das Gehäuse besteht größtenteils aus Kunststoff, dieser wirkt aber robust und ist pflegeleicht.
Wer sich für eine Lattissima entscheidet, entscheidet sich auch für das Nespressosystem. Man sollte sich vorher darüber im Klaren sein, dass nicht unerhebliche Kosten für die Kapseln entstehen (selbst auffüllen und mit Kaffeemehl rumkrümeln halte ich für sinnlos, dann könnte man gleich ein anderes System wie einen Siebträger oder einen Vollautomaten verwenden). Dafür hat man ein pflegeleichtes, schnell einsatzfähiges Gerät und braucht nicht mit Kaffeepulver herum krümeln, zudem bleiben die Kapseln lange frisch und die Qualität ist sehr hoch. Ideal ist Nespresso für Singlehaushalte und Wenigtrinker, ich brauche an Werktagen nur zwei Kapseln am Tag. Kaffeebohnen oder Pulver würde also alt werden, bevor ich es leer hätte. Vieltrinker fahren sicher mit einem Vollautomaten o. ä. günstiger, auch wenn da der Reinigungsaufwand größer ist.
Insgesamt bin ich von der Lattissima+ sehr begeistert und gebe daher fünf Sterne. Das einzige, was mir noch Rätsel aufgibt, ist das kurze Aufleuchten von nur drei (Lungo, Cappuccino und Latte Macchiato) der vier Knöpfe nach dem Einschalten. Dazu habe ich auch in der Anleitung nichts gefunden.
Nachtrag: Binnen 24 Stunden hat der Nespresso-Service auf meine Anfrage bzgl. der anfänglich leuchtenden Tasten geantwortet. Sie zeigen kurz an, welcher Energiesparmodus (die beiden linken Tasten) und welcher Wasserhärtegrad (die rechten beiden Tasten) eingestellt ist. Somit war auch klar, dass ich bei der Wasserhärteeinstellung einen Fehler gemacht hatte, den ich nun korrigieren konnte. Auch der Service war in der Antwort so aufmerksam mich darauf hinzuweisen, dass ich "hart" als Wasserhärtegrad eingestellt hatte und das doch prüfen solle ' das nenne ich sehr freundlich und zuvorkommend.