Leider hat meine DeLonghi EN 95 nach vielen Jahren und etlichen hundert Espressi den Geist aufgegeben. Sie hat mir gute Dienste geleistet und bis zuletzt immer einen hervorragenden Espresso bereitet. Möge sie in Frieden ruhen...
Als Nachfolgemodell habe ich mir die Pixie ausgesucht und inzwischen einige Wochen auf Herz und Nieren getestet. Aufgrund der vielen guten bis euphorischen Rezensionen dachte ich, dass mich hier auf jeden Fall eine noch bessere Maschine erwartet als mein altes Modell. Aber ich wurde leider enttäuscht. Insgesamt kann ich der Pixie nur knappe vier Sterne geben, wohingegen meine alte DeLonghi volle fünf Sterne von mir bekommen hatte. Die Punkte (und Vergleiche) im einzelnen:
BESSER als bei der DeLonghi:
- Der Wassertank hat eine Öffnung, die endlich groß genug ist, dass man mit der Hand ganz hinein reichen kann, um zu reinigen oder abzutrocknen.
- Die Aufheizzeit ist verkürzt, aber die paar Sekunden, naja ... ;-))
- Der Espresso kommt heißer aus der Maschine, das heißt man muss sich nicht mehr ganz so viel Mühe geben, die Tasse vorzuheizen, um einen vernünftig temperierten Espresso zu erhalten. Das finde ich ganz angenehm.
- Ein einklappbares Abtropfgitter ermöglicht, auch mal ein größeres Gefäß als nur eine Espressotasse unterzustellen. Sehr praktisch. Das war tatsächlich ein großes Manko meiner alten Maschine.
- Die reduzierten Außenmaße, insbesondere die geringere Höhe, sind ein deutliches Plus.
- Das Einlegen der Kapsel bzw. das Runterdrücken des Hebels benötigt deutlich weniger Kraftaufwand. Ebenso das Öffnen des Hebels. Ein Vorteil für schwache Frauenhände.
SCHLECHTER als bei der DeLonghi:
- Die Teile, die zu reinigen und abzutrocknen sind, kommen mir fast noch unhandlicher und eckiger vor. Negativ hervorzuheben ist vor allem dieses optisch zwar schöne, aber total unpraktische Plastikgitter vor dem Sammelbehälter für die leeren Kapseln. Das hat bestimmt ein Designer entworfen, der kein Hausmann ist.
- Kleineres Volumen des Wassertanks. Wer immer nur Espresso trinkt, kann das sicher verschmerzen, aber für Lungotrinker könnte das relevant sein.
- Das Nachtröpfeln kann man bei der Pixie kaum noch als solches bezeichnen. Hier ist es eher ein Nachtropfen, Nachkleckern oder sogar Nachlaufen. Es ist wirklich zum Teil eine ziemliche Sauerei. Das liegt bauartbedingt sicher auch daran, dass anders als bei der DeLonghi mit jedem Öffnen und Schließen des Hebels der gesamte Brühkopf wie ein Schlitten nach vorne bzw. hinten gefahren wird und dadurch natürlich viel mehr Bewegung in dem ganzen System ist. Dadurch wird das Kleckern begünstigt. Trotzdem ist es so, dass teilweise noch verhältnismäßig große Mengen Wasser nachlaufen, wenn die Tasse eigentlich schon gefüllt und der Durchlaufvorgang schon abgeschlossen ist, auch ohne dass man den Hebel für den Auswurf er Kapsel überhaupt betätigt hat. Und wenn man diesen dann nach oben zieht, kommt nochmal eine Ladung Wasser, die sich entweder in die noch vorhandene Tasse ergießt und den darin befindlichen Espresso verwässert, oder einem über die Finger spritzt, oder günstigstenfalls nur in das Abtropfgitter und über den Küchentisch läuft. Ich habe die unterschiedlichsten Varianten probiert, um diesem Nachtropfen Herr zu werden, aber so richtig gelungen ist es mir nicht. Auf jeden Fall scheint es sinnvoll, die Tasse vorher wegzunehmen. Am Ende bin ich sogar dazu übergegangen, das Abtropfgitter komplett abzubauen und stattdessen einen Lappen hinzulegen, der die Flut aufnehmen sollte. Das ging viel besser, denn Nachwischen musste ich sowieso immer. Und meine Espressotasse habe ich ohnehin nie auf das Gitter gestellt, sondern immer in der Hand gehalten, weil das Gitter zu tief ist, so dass es beim Einlaufen immer spritzte. Das hat außerdem den Vorteil, dass man zwei Teile weniger zu Reinigen hat. Okay, die Optik leidet halt etwas, aber was soll's?
- Dadurch dass der ganze Brühkopf vor und zurück fährt, kann es passieren, dass man seine Espressotasse unter den Auslaufhahn stellt, eine Kapsel einlegt, dann den Hebel runterdrückt - und wenn man dann auf Start drückt, läuft der Espresso daneben, denn durch das Schließen des Hebels hat der Auslaufhahn seine Position so weit verändert dass die Tasse nicht mehr unter dem Hahn steht. Man ist also gezwungen, die Position der Tasse ein zweites Mal zu überprüfen und an den "wandernden" Auslaufhahn anzupassen. Das finde ich nervig. War bei meiner alten Maschine nicht.
- Bei meiner alten Maschine musste ich von Hand abschalten, wenn ich genug Espresso in der Maschine hatte. Ehrlich gesagt habe ich mich damit nie überfordert gefühlt. Aber nun gut, hier erwarb ich eine Maschine mit programmierbarer Füllmenge und automatischer Abschaltung. Anfangs fand ich das ganz nett, der Maschine beim Arbeiten nur zusehen zu müssen. Aber die wenigen Sekunden bin ich trotzdem dabei stehen geblieben. In der Zeit eine andere sinnvolle Arbeit anzufangen, lohnt sich ja doch nicht. Aber egal, man hat zumindest das Gefühl, dass man Zeit spart. Aber nach ein paar Tagen dachte ich, komisch, war das gestern nicht viel mehr? Und dann habe ich einige Testserien gemacht. Nur mit Wasser natürlich. Und habe festgestellt, dass das Ding die angeblich ach so genau programmierte Menge wirklich nach dem Mond ausspuckt. Grob geschätzt würde ich sagen, eine Schwankungsbreite von +/- 50%. Das mag sicherlich auch an dieser elenden Wasserkleckserei liegen. Da kommen einfach keine exakten Mengen zustande, wenn soviel Wasser immer noch ungenau hinterher tropft, läuft oder kleckert. Insofern mein Urteil: Eine Programmierung, die wirklich funktioniert, ist bestimmt was Feines. Aber für meine Ansprüche reicht mein Augenmaß immer noch dicke aus. Programmierung ist Schnickschnack, den ich nicht brauche.
- Und jetzt kommt das gravierendste K.O.-Kriterium überhaupt: Die Qualität des Espresso ist nicht mehr so gut. Er schmeckt wässriger und vor allem ist die Crema nur noch wie ein Schäumchen auf dem Spülwasser. Ganz dünn und bis man den Zucker umgerührt hat, ist sie nahezu verschwunden. Das war bei meiner DeLonghi deutlich anders. Da stand der Rest der Crema noch fest in der Tasse, wenn ich schon ausgetrunken hatte.
Fazit: Optik super, Bedienung gerade noch okay, Espresso leider nur noch mittelmäßig.
Viele Grüsse.