Wer es noch nicht wusste, erfährt es in diesem Buch. Apicius selber war kein Koch. Er hat nur die Zutaten jener Mahlzeiten zusammengestellt, die ihm am besten gefallen hatten. Mithin wendet sich sein Buch vordringlich an erfahrene Köche. Schade ist aber der Eindruck, der Übersetzer sei ebenfalls kein geübter Koch. Wodurch oftmals ein Rückgriff auf den Originaltext auf der linken Seite notwendig ist. Das heißt, dass dieses Buch für Leser ohne großem Latinum ziemlich wertlos ist. Diesen empfehle ich eher den Erwerb der Interpretationen.
Problematisch erweist sich bei diesem insgesamt schmucklosen Buch, dass die Übersetzungen auf den rechten Seiten teilweise unverständlich sind. Bei besonderen Handgriffen und Zutaten sogar einfach nur falsch. Dem Übersetzer sind diese Fehler jedoch aufgefallen und er hat dazu ein Glossar am Ende des Buches eingefügt, in dem problematische oder schlicht ungenaue Begriffe erläutert werden. Schade ist dabei der Eindruck, dass die Übersetzungen unvollständig seien (es gibt viel zu viele Fragezeichen im Text). In diesen Fällen wird der versierte Koch und Biologe seine Lateinkenntnisse im historischen Zusammenhang beanspruchen müssen. Denn oftmals sind auch schon im Originaltext Lücken, die es durch Sachverstand zu füllen gilt. Ein guter Übersetzer hätte dieses ' m.E.n. ' machen sollen und nicht dem Leser überlassen.
Ob aus Kostengründen oder um dem Originaltext so nah wie möglich zu sein, werden die Rezepte tabellarisch unübersichtlich aufgestellt. Jedes Buch ist nummeriert, dann eingeteilt in die - ebenfalls nummerierten - Grundzutaten. Unangenehmerweise folgt dann ein durchnummerierter Blockabsatz mit den verschiedenen Zubereitungen, das an Übersichtlichkeit mangelt. Bilder sind im Buch nicht vorhanden. Auflockerungen des Textflusses durch typografische Hervorhebungen sind ebenfalls nicht vorhanden.
Mengenangaben machte Apicius erst recht nicht. Im Anhang des Buches hat der Übersetzer sich bemüht, einige unverbindlich zu schätzen. Das gleiche gilt für die Kochzeiten. Verfügt man aber über die notwendigen Zusatzkenntnisse, lassen sich die Rezepte relativ leicht nachkochen. Zu beachten ist hierbei, dass viele Gewürze und Zutaten heute nicht mehr erhältlich sind. Da muss man schon Botaniker sein, um einschätzen zu können, wie zum Beispiel der Geschmack des Saftes aus der Wurzel von "Thapsia Silphium" (wahrscheinlich Teufelsdreck) nachzuahmen sei.
Alles in allem ist zu sagen, dass es sich hierbei nicht um ein Kochbuch im engeren Sinne handelt, sondern mehr um eine wissenschaftlich interessante Darlegung über die Essgewohnheiten der römischen Patrizier. Insbesondere die damals weit verbreitete Vorliebe für die süß-saure Küche und dem exzessiven Gebrauch von Liquamem (Garum), einer salzigen Fischsauce. Dem aufmerksamen Leser wird ebenfalls auffallen, dass die Speisen zumeist nicht gesalzen werden.
Empfehlen kann ich den Erwerb dieses Buches nach alledem, nur Lesern mit großem Latinum und guten Kenntnissen der Kochkunst, Biologie (im weiten Sinne) und Geschichte. Wer einfach nur Rezepte aus der Römerzeit sucht, wird mit diesem Werk schlicht überfordert sein.