Diese Platte von 1983 erregte bei Kritikern und Fans von OMD allgemein Verwunderung; wer weitere eingängige und tanzbare Hits erwartet hatte, wurde von der Experimentierfreude dieser Platte überrascht.
Zwar gibt es auch auf "Dazzle Ships" die Markenzeichen von OMD, nämlich einerseits tanztauglicher Synthie-Pop à la "Enola Gay", etwa "Genetic Engineering", "Telegraph" oder das druckvoll mitreißende "Radio Waves", für mich der Hit dieser Platte; andererseits melancholische-ruhige Songs, wie zum Beispiel "International", das düster angehauchte "The Romance of the Telescope", das schaurig-schöne "Silent Running" oder der Closer "Of All the Things We've Made".
Ihren ganz eigenen Charakter erhält diese Platte jedoch durch die avantgardistischen Experimente mit Rhythmen und Samples. "ABC Auto-Industry" ist zum Beispiel eine seltsame Kombination aus 3/4-Rhythmen in verschiedenen Geschwindigkeiten, die durch Samples unterlegt wurde; "This is Helena" verbindet einen geradezu primitiven, eintönigen Rhythmus mit gesprochenen Samples und einigen Synthie-Sounds; "Dazzle Ships", das wohl extremste Stück der Platte, ist einfach nur eine Collage aus verschiedenen ziemlich gestörten Sounds, die teilweise wahren Terror erzeugen; und das geniale "Time Zones" besteht aus Zeitansagen aus aller Welt, die einfach übereinandergespielt wurden -- auf diese Idee muss man erst einmal kommen! Den Ton, der sich ergibt, wenn alle die "PIEP!" der einzelnen Zeitansagen zusammengespielt werden, sollte man gehört haben, beschreiben kann man ihn nicht.
Was also soll man von dieser Platte halten? Nun, sehr viel! -- zumindest wenn man abwechslungsreiche, experimentierfreudige und gute Musik mag. Diese Platte vereinigt Lebensfreude in Form der typischen OMD-Hits, Melancholie in Form der langsamen Stücke und Verstörung/Verwirrung in Form der experimentellen Songs. Wer hier klassische OMD-Kost erwartet, wird vielleicht zunächst enttäuscht sein. Wer aber Freude an unangepasster, eigenständiger und abwechslungsreicher Musik hat und nichts gegen 1980er-Sound einzuwenden hat, der liegt hier goldrichtig.
Für mich ist diese Platte ein immer wieder gern gehörter Klassiker der 1980er, in den ich mich beim ersten Hören schon richtig verliebt habe. Folgerichtig vergebe ich 5 Sterne.