Schlomo Lerner, Maler, gestorben im Alter von 89 Jahren, Otávio Delacorte, Fußballer, gestorben mit 66 Jahren, Rodrigo Machado, für sein Heimatland Brasilien verdienter Botschafter ... Brás verfasst wie am Fließband Nachrufe für die Zeitung. Das Manuskript seines eigenen Romans hat der Autor nicht beendet. Sein übermächtiger erfolgreicher Vater könnte ein Grund dafür sein.
"The young open the paper to forget about life by reading the funny strips. The old do it to forget about death by reading other people's obits. May advice: Don't open the paper and go on with your life." schreibt Brás' Freund Jorge ihm zum Geburtstag.
Das erste Kapitel endet mit Brás' gewaltsamem Tod in einer Bar, dokumentiert durch einen Nachruf. Nach seinem Neustart sehen wir den ins Leben zurückgekehrten Brás im zweiten Kapitel auf einer gemeinsamen Reise mit Jorge, die auch ein Traum sein könnte. Weil niemand Brás gesagt hatte, dass er tot ist, kommt er wieder zur Arbeit. Spätestens hier wird klar, dass Brás Auftritte jeweils im Fettdruck mit seinem aktuellen Alter betitelt sind: im ersten Kapitel war er 32, nun ist er 21, wir treffen ihn mit 28, mit 41, als Ehemann, Vater, als Elfjährigen und als Greis an. Jedes Kapitel endet mit Bràs Tod und einem Nachruf. Die Reihung der Ereignisse wirft die Frage auf, ob der abgeschlossene Lebensabschnitt lebenswert war, falls Brás Leben hier wirklich beendet gewesen wäre.
Brás Berichterstattung über die zahlreichen Opfer eines Flugzeugabsturzes löst eine berufliche Krise aus; er fühlt sich als Versager. Anfangs passen die übergroßen Schuhe seines Vaters dem jungen Autor noch nicht, später wird er seinen Traum vom eigenen Roman verwirklichen und selbst die Schattenseiten des Prominenten-Daseins kennenlernen. Brás ist ständig zu Lesungen unterwegs, Frau und Sohn haben sein unruhiges Leben zu akzeptieren und mit den wenigen Augenblicken vorliebzunehmen, die Brás für sie erübrigt. Der Konflikt zwischen Karriere und Privatleben ist spürbar, wird von Brá und Ana jedoch nicht ausgetragen. Schließlich überlagern sich Tag- und Traumsequenzen bis Brás im Alter von 76 Jahren endgültig mit seiner Sterblichkeit konfrontiert wird. Nach dem 10. Kapitel gibt es keinen Neustart mehr für ihn.
Fábio Moons und Gabriel Bás Graphic Novel arbeitet stark mit der Wirkung der Augen, sowie mit dem Wechsel zwischen idyllischen Szenen in warmen Tönen und kühlen, graublauen Flächen. Im letzten Kapitel wird das Altern der Hauptfigur durch das Familienbild mit Großvater, Vater und Sohn deutlich, verstärkt durch den steten Wechsel zwischen Gegenwart (leidender Brás) und Traum (jugendlicher Brás). Ein durch die Raffinesse seiner Komposition beeindruckender Bilderroman über Freundschaft und das, was im Leben wichtig ist, dessen Ton ich trotz einiger krasser Szenen für das ernste Thema Tod zu lieblich finde.