INTRO
Sprache und Musik. Des öfteren fragt man sich ja, ob und wie das überhaupt zusammengehört. Nicht selten dient letztere als bloßes Transportmittel für schwerwiegende Anliegen, oft sind wiederum die Verse so banal, dass man die Musik dafür bemitleiden muss. Das neue Album von John Tejada, Palette-Betreiber aus L.A., und die dritte Auflage der "staedtizism"-Reihe aus dem Hause Stefan Betke (aka Pole) liefern interessante Ansätze zu diesem Thema. Tejada zunächst einmal, weil er sich Text und Sprache bzw. Gesang weitestgehend schenkt und alleine seinen Maschinenpark sprechen lässt. Drum'n'Bass-, Elektro- und HipHop-Rhythmen im Techno-Kontext, mit einer Abneigung gegen straighte Bassdrums, dafür mit einer Vorliebe für Harmonien und Melodien - das Album erzählt wortlos eine Geschichte von schlichter Eleganz. Einzig "The Silence Of Us' mit Rapper Divine Styler transportiert einen Text. Ein zweifelsfrei schönes Stück, nur ob man es im Zusammenhang des Albums nicht lieber hätte weglassen sollen - naja, das ist eine andere Frage. Stringenz ist, was man draus macht. Jedenfalls: Die Kombination Tejada / Divine Styler taucht auch auf "Instrumentals' auf. Hier geht es um eine monothematische Beschäftigung mit HipHop, wie der Titel schon andeutet, ohne Worte. Instrumentals haben im HipHop ja eine lange Tradition als DJ-Tool, wirken für sich alleine aber meist layoutartig und nackt. Nicht so hier: In den Beiträgen von Jan Jelinek, Thomas Fehlmann, Antonelli Electr., Process u.a. emanzipiert sich der Track von seiner ursprünglichen Aufgabe und huldigt dem allmächtigen Groove - von elegant, zurückhaltend und organisch bis hin zu stolpernd oder komplett zerschreddert. Hin und wieder finden sich zwar Anspielungen auf das "Weggelassene' - bis zur Unkenntlichkeit verfremdete "Yeahs', "C'Mons' und andere Fetzen -, sie sollte man allerdings nicht ernsthaft als Botschaft, sondern eher als augenzwinkerndes Teasen von Erwartungshaltungen verstehen. Besonders bei Cappablack, Kit Clayton und eben Tejada wirkt das fast wie ein ironischer Seitenhieb auf das doch ziemlich überstrapazierte Playa-Image, mit dem sich "normaler' HipHop - mal ehrlich - keinen Gefallen tut. Plöck-Plöck statt Bling-Bling.
Jan Kedves / Intro - Musik & so
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