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Day [Gebundene Ausgabe]

A. L. Kennedy , Ingo Herzke
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: Wagenbach (21. August 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3803132142
  • ISBN-13: 978-3803132147
  • Originaltitel: Gay, Jonatha Cape
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,4 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 699.592 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Alison L. Kennedy
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Produktbeschreibungen

kulturnews.de

A. L. Kennedy haut Psychogramme raus, von denen man eigentlich lieber nichts wissen will. Nachdem sie mit "Paradies" in eine Vollzeittrinkerin geschlüpft ist, gräbt sich die schottische Erfolgsautorin für ihren neuen Roman "Day" in den vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Bordschützen Alfred Day. Der hat mit dem Krieg seine Lebensaufgabe, alle Freunde und die Liebe verloren; auf die Leere im Frieden ist er nicht vorbereitet. Die Komparsenrolle in einem Film über Kriegsgefangene scheint da eine sehr zweifelhafte Lösung. Natürlich ist das Thema so unbequem wie abgegriffen. Doch Kennedy legt ihrem Helden wunderschön bittere Sätze in den Mund, die für die Überwindung mehr als entschädigen: "Dein gebrochenes Herz ist immer noch nicht geheilt. Du vergisst es nicht, denn wenn du dich an manchen Tagen zu schnell umdrehst, dann stoßen die Teile deines Herzens zusammen und sie sind immer noch scharfkantig. Davon musst du husten." Mit düsterer Ironie arbeitet sie sich durch Klischeebilder und Unbeschreibbarkeiten, um den immergleichen Schrecken abzubilden. Und so schafft sie es mit "Day", vom Kampf gegen Nazi-Deutschland zu erzählen und gleichzeitig eine psychologische Folie für den Irakkrieg mitzuliefern. Ehrensache für Kennedy, dass sie sich damit im eigenen Land mehr Feinde als Freunde macht. (cs) kulturnews.de

Pressestimmen

»Wie das Vollkommene preisen? Day ist der Beweis, dass es literarische Wunder gibt.« (Elke Schmitter, Der Spiegel)
»Und wieder hat sie uns ein Buch von ungeheurer Intensität geschenkt, ein Buch, das einem den Hals zuschnürt, Literatur so nah an tatsächliche Erfahrung herantreibt wie nur irgend möglich.« (Radio Bremen) -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiert .

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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Eine Homerische Rehabilitation im stilistischen Bombenhagel, 23. Oktober 2007
Von 
Heike Geilen (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Day (Gebundene Ausgabe)
Alfred Day - der Protagonist dieses Romans - findet keinen Frieden im Frieden.

Weder mit sich selbst, noch in der vermeintlichen Inhaltsleere der Nachkriegswelt. Tatsächlich hat er sein ganzes Leben in Kriegszonen verbracht: zuerst der ohne Regeln ausgetragene private Konflikt seiner gewalttätigen Kindheit (sein Vater, ein Fischverkäufer und brutaler Säufer, schlug ihn und seine Mutter) und dann das regelmäßigere Schlachtfeld des "offiziellen" Krieges, dessen Struktur, Stabilität und Kameradschaft er sogar liebte.

Seine wahre Familie ist eine aus sieben Männern zusammengeschweißte Crew eines Lancaster-Bombers. Für Day sind sie Vaterersatz, Familie und Liebe, all das, was er zuvor nicht kennengelernt hat.

Doch die fliegende Ersatzfamilie wird 1943 in der Nähe von Hamburg abgeschossen und Alfred ist alleiniger Überlebender. Er wird von den Deutschen gefunden, interniert und misshandelt.

Jetzt im Frieden ist das innere Leben von Alfred Day ein Vakuum, voll mit Verlusten. Er vermisst seinen Krieg, vermisst die Crew. Er vermisst sogar die Entbehrungen des Kriegsgefangenenlagers. Aber vor allem vermisst er Joyce, seine Geliebte, die er bei einem Angriff auf London im Luftschutzkeller kennen- und lieben lernte und später wieder verlor.

Endlos ist die Reihe der Bücher, die vom Kriegsleben zeugen, aber Kennedy hat eine neuartige Sicht entwickelt. Ihr Erzählton ist ein überzeugend gespenstischer Akt der Bauchredekunst, bei dem der innere Monolog eines schwer gestörten, sich nicht artikulieren könnenden, jungen Mannes in Sprache umgewandelt wird. Sie lässt den Leser an den stumpfen, schmerzhaften, manchmal schönen und häufig komischen Gedanken Alfreds partizipieren. Auf diese Weise öffnet Kennedy dem Leser den Blick in die menschliche Seele: schön, schmerzlich und sonderbar.

Doch leicht zu konsumieren ist das Buch nicht. "Day" ist ein dichter, komplexer und komplizierter Roman. Er offenbart kühnes, experimentelles Schreiben: ständig wird zwischen der dritten und zweiten Person gewechselt, manchmal taucht zusätzlich die Ich-Erzähler-Perspektive auf. Liedlyrik fließt durch die Geschichte, die häufig einen ironischen Kontrapunkt zu den brutalen Hauptereignissen bildet. Dann wieder kombiniert die Autorin kursive und nicht interpunktierte Sätze.

Mit diesen stilistischen Mitteln schafft Kennedy eine Art Textwahnsinn, der den Persönlichkeitszerfall ihres Hauptprotagonisten treffend dokumentiert. Das unpersönliche "Du" schafft eine innere Intimität Alfreds mit sich selbst und überträgt dessen emotionalen Rückzug linear auf den Leser. Die Ich-Form wiederum wird in sehr abschreckenden Momenten verwendet.

A.L. Kennedy scheint die Köpfe ihrer Charaktere zu bewohnen und ihre verworrenen Gedanken zu enträtseln und zu strukturieren. Dem überreizten inneren Dialog stellt sie die abscheulichen äußeren Ereignisse entgegen. In Momenten der Gleichgültigkeit des täglichen Entsetzens wiederum, entfaltet sie einen fast zärtlichen Blick auf die Natur oder eine tiefe Freundschaft, jedoch ohne jedwedes Pathos.

Ebenso großartig sind ihre äußerst subtilen Sinnbilder, die bei aufmerksamem Lesen überall versteckt sind. So können all die traumatisierten Personen des Romans und deren zerstörte Leben durchaus mit den verwüsteten Städten des Nachkriegseuropas gleichgesetzt werden.

Eine weitere beeindruckende Metapher konstruiert A.L. Kennedy mit Alfred Days großer Liebe Joyce. Sie bzw. Homers "Odyssee" (das Buch, das sie bei ihrem ersten Zusammentreffen liest) stellen den Schlüssel zu seiner eigenen Rehabilitation dar:

So wie Odysseus Irrfahrten wird sich auch in dieser subtilen, bewegenden Interpretation des Krieges der Kreis für Alfred schließen.

All diese stilistische Finesse wurde eindrucksvoll von Ingo Herzke ins Deutsche übersetzt. Er überträgt Kennedys ganz eigenen Ton linear und ohne literarische Einbuße.

Fazit:

Obwohl es viele Momente voller Abscheu und Wut an der Monstrosität des Krieges gibt, ist "Day" ein Roman voller Empathie, Würde und Anstand: Eine bemerkenswerte schriftstellerische Leistung von enormer Kraft - ein Meisterwerk!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Einzigartiger Anti-Kriegs-Roman, 2. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Day (Gebundene Ausgabe)
Er will lernen sich zu wehren, er will lernen zu kämpfen, deshalb hofft er, dass der Krieg nicht zu Ende geht, bevor er alt genug ist, um Soldat zu werden. Um Hitler und Nazi-Deutschland geht es ihm dabei eigentlich nicht. Ihn treibt der Hass auf seinen Vater um, einen trunksüchtigen und brutalen Fischhändler.

Bei der britischen Air Force lernt Alfred Francis Day alles, was er lernen will: Er kann einen Mann im Nahkampf umbringen, ganz ohne Waffe und obwohl er nur 1,62 m misst. Er ist "von praktischer Kürze" sagt ein Kamerad, passt gut in den Abwehrstand des Bombers, in dem Sergeant Day als Bordschütze die wichtige Funktion hat, Angriffen auf das Flugzeug zuvorzukommen.

Day ist 19 Jahre alt, als er 1943 zum ersten Mal nach Deutschland startet. Fast dreißig Einsätze wird er mit seiner Crew fliegen. Vor allem Hamburg ist das Ziel, immer wieder Hamburg, wo die Fliegerstaffeln mit ihren Bomben einen bis dahin unbekannten Sturm säen, den entsetzlichen Feuersturm.

Sergeant Day ist der einzige der Besatzung, der im letzten Moment aus der abschmierenden Maschine noch fast überm Feindesland aussteigen kann. Er landet am Fallschirm im Wattenmeer, bei Ebbe, sonst wäre der Nichtschwimmer ertrunken. Die Deutschen misshandeln ihn, aber Day überlebt schließlich in einem Kriegsgefangenlager.

Als Mittzwanziger kommt er zurück nach Deutschland. Bei Dreharbeiten in einem nachgebauten Lager spielt er nun einen Kriegsgefangenen.

Auch hier zeigt sich der Charakter des kleinen Mannes: Er weicht nicht aus. Er will im Nahkampf bestehen. Nun im Nahkampf mit den schweren Traumata seiner Soldatenzeit. Während der Dreharbeiten stehen Bilder aus dem Krieg in ihm auf, unerträgliche Bilder von zur Unkenntlichkeit zerschossenen Kameraden, von selbst erlittenen Torturen und Bilder des zerbombten Hamburgs, vom Feuersturm, der die, die ihn entfachten selbst ins Taumeln brachte hoch oben in der Luft.

Sergeant Day sehnt sich nach dem Tod, hat mit seinem Leben abgeschlossen, noch ehe es richtig begonnen hat. Unerträglich ist der Verlust seiner Kameraden, mit denen er sich so wohl gefühlt hatte, wie nie zuvor in seinem kurzen Leben. Seine Mutter ist während des Krieges in Folge eines deutschen Bombenangriffs auf England gestorben. Und das Gefühl, das ihn am Leben gehalten hat, seine Liebe zu Joyce, wird zwar erwidert, aber kann sich nicht erfüllen, weil Joyce verheiratet ist.

A.L. Kennedy ist eine Autorin, die sich in jedem ihrer Romane etwas vornimmt, was eigentlich nicht zu schaffen ist. Mit großer Präzision und Sprachkraft macht sie uns nun mit den Erlebnissen und Gefühlen eines jungen englischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg vertraut. Und wieder hat sie uns ein Buch von ungeheurer Intensität geschenkt, ein Buch das einem den Hals zuschnürt, Literatur so nah an tatsächliche Erfahrungen herantreibt wie nur irgend möglich.

Indem sie die von Sergeant Day geliebte Frau Joyce nennt, verneigt sich Kennedy vor ihrem vermutlich größten Lehrmeister James Joyce. Auch in ihrem jüngsten Roman erweist sie sich als eine Meisterin des inneren Dialogs. Allerdings setzt sie ganz eigene Maßstäbe, indem sie es erneut wagt, die Grenzen fremder, existentieller Lebenssituationen auszuloten. Wie ihr das gelingt ist grandios.

Aus der Danksagung zum Schluss geht hervor, dass A.L. Kennedy gründlich recherchiert hat für ihren Roman. Dennoch ist es unglaublich wie genau sie nicht nur die äußeren Gegebenheiten der Royal Air Force-Flieger schildern kann, sondern auch deren Miteinander und deren Gefühlswelt. Das liebevolle Geplänkel der Soldaten, ihre sarkastischen Sprüche, ihre abergläubischen Rituale wirken ebenso realistisch, wie das, was sie überspielen sollen, Furcht, Grauen, Liebes- und damit Lebenssehnsucht, Todesangst.

Heroisch sind A.L. Kennedys Männer nicht. Aber Helden sind sie dennoch. Sie werden es gerade durch ihre Verletzlichkeit, durch ihre Zuneigung und Loyalität zueinander. Die großen Fragen nach soldatischer Moral, nach dem gerechten Krieg im Allgemeinen und der Rechtfertigung der Bombardierung der Zivilbevölkerung im Besonderen, lässt Kennedy nur am Rande aufscheinen, und schafft es gerade so, einen einzigartigen Anti-Kriegs-Roman zu schreiben. Ihr Text ist so gründlich gearbeitet, dass er wie hingedonnert wirkt, das Geräusch der Bomber wiederzugeben scheint. A.L. Kennedys Buch zeigt auf unnachahmliche Weise die Zerstörungskraft jedes Krieges, die tiefen Verletzungen, die auch der siegreiche, der überlebende Soldat bei der nötigen Abwehr eines Angriffs erleidet.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Sehr gute Hörbuchumsetzung, 2. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Day (Hörbuch-Download)
"Day" ist ein Roman der weh tut. Wir blicken in das Innere eines Mannes, der bereits in seiner Kindheit Schlimmes erlebt hat. Als sehr junger Mann erlebt er die Schrecken des Krieges und als immer noch junger Mann hat er bereits großen Schaden an seiner Seele genommen, sieht keinen Sinn mehr, ist orientierungslos.

Frau Heike Geilen hat in ihrer Kunden-Rezension das Buch sehr gut beschrieben.

Von Mathias Brandt (dem Sohn von Willy und Ruth Brandt) wurde es ausgezeichnet umgesetzt. Passagen, die im Buch wohl kursiv gedruckt sind und offensichtlich Gedankenfetzen darstellen, werden vom Sprecher geflüstert. Überhaupt denke ich, dass der Roman als Hörbuch durch die Interpretation des Sprechers sogar leichter verständlich, vielleicht auch leichter verdaulich ist.
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