Dieses Album hat mit seinem wilden Düster-Rock den Grundstein für den Sound von Bands wie Heroes del Silencio und HIM gelegt. Die Produktion ist fett und zeitlos, ich könnte nicht raushören, dass es von 1986/87 ist. So sehr ich Heroes del Silencio und HIM ihren Erfolg gönne, ist es mal wieder schade, dass die Pioniere immer nie so berühmt werden wie ihre Schüler.
Dawnrazor rast mit 180 Sachen durch Ennio-Morricone-Western und Splatter-Movie-Remineszenzen, über allem Sänger Carl McCoys rauhe Stimme, gurgelnd wie der Rächer aus dem Jenseits. Das Ganze war bei Erscheinen so verstörend und originell, dass sogar die "Spex", die da noch kein Werbeorgan war, sondern das Lieblingsblatt independent hörender Gymnasiasten, auf Druck der Leser eine Titelgeschichte über Fields of the Nephilim bringen musste.
In ihren darauf folgenden Alben entwickelten Fields of the Nephilim sich thematisch mehr in eine esoterischere Richtung, aber auf Dawnrazor steht noch das Filmelement im Vordergrund. Der Song Preacher Man (no. 4) hat ein witziges Video, das den Splatter Movie Einfluss zeigt, und in dem independent Endzeitmovie MARK 13 spielt Sänger Carl McCoy passenderweise einen eremitischen Outlaw. Wer die Westernconnection interessant - oder auch erklärungsbedürftig - findet, sollte sich unbedingt so nihilistische Meisterwerke wie "Il Grande Silenzio" (deutscher Titel "Leichen pflastern seinen Weg") ansehen.
Die richtige Albenreihenfolge ist natürlich wie von den anderen Rezensenten geschrieben Track 1, 2, 4, 5, 6, 8, 9, 12, 13.